12. Dezember 2017
Kultur

Berufswunsch Fußball-Trainer

Zufälle spielten eine Rolle bei Stephan Lerchs heutigem Posten beim VfL.

Von Lotta von Rutenberg, 12.12.2017

Wolfsburg. „Zwischen Zufall und Schicksal liegt nicht viel“, so formuliert es Stephan Lerch. Seit Sommer 2017 ist der gebürtige Darmstädter neuer Cheftrainer beim Frauenteam des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Diese Aufgabe nennt er seinen Traumjob.
Zwei Menschen haben primär dazu beigetragen, dass dieser Traum für ihn Realität wurde: Sein Vater und seine Frau.
„Ohne den Einfluss der beiden wäre ich nicht dort, wo ich heute bin“, ist Lerch überzeugt.
Denn fast wäre er Lehrer für Sport und Biologie geworden.
Doch ein Anruf – im Rückblick ein solcher zur rechten Zeit – machte dieser Zukunftsplanung einen Strich durch die Rechnung. Bis es allerdings so weit war, durchlief Lerch eine klassische Laufbahn als Fußballspieler, mit einem Schönheitsfehler: Es reichte nicht zum Profispieler.
Das Fußballspielen wurde ihm in die Wiege gelegt.
Vater Hans Peter Lerch, in den 1980er Jahren Trainer der Jugendmannschaft und Präsident von Germania Eberstadt, nahm ihn als Fünfjährigen mit aufs Fußballfeld. „Mein Vater war sowohl mein Mentor als auch mein Fußball-Coach“, erinnert sich Lerch an seine Anfänge im Fußballsport.
Sein Ehrgeiz war angestachelt, Stephan Lerch hatte eine Karriere als Profispieler im Sinn. Als er 14 Jahre alt war, starb sein Vater.
Dieser Schicksalsschlag wurde zum Ansporn für den Sohn, die fußballerische Familientradition fortzusetzen und seine Karriere voranzutreiben. Als sich mit 19 abzeichnete, dass es nicht zum Profi reichen würde, verlor Lerch sein Berufsziel „Trainer“ nicht aus den Augen.
Schützenhilfe, diese Entscheidung zu treffen, hat er von seiner Frau Claudia erhalten. Sie finanzierte ihm als Geburtstagsgeschenk den ersten Kursus zur Trainerlizenz.
So vorbereitet, arbeitete Stephan Lerch zunächst als Coach der „Hessenauswahl“. 2013 war das Jahr der Wende.
Sein Freund Daniel Nister, damals Sportlicher Leiter beim Nachwuchs der VfL Wolfsburg-Frauen, rief ihn an. Lerch sollte in die VW-Stadt kommen.
Ein perfekter Zeitpunkt.
Der Hesse hatte soeben die Trainer-Lehrgänge beendet und parallel dazu sein Sport-und Biologie-Studium absolviert.
Lerch wurde Coach des Frauen-Zweitligateams, vor zwei Jahren Assistent bei Ralf Kellermann, dem Cheftrainer der Bundesliga-Frauenmannschaft.
Seit Sommer 2017 ist er dessen Nachfolger.
Lerch lobt seine Mitarbeiter. Und deren hohes Engagement ist notwendig.
Der Trainer und seine Mannschaft spielen eine Top-Rolle in Bundesliga, Pokal und Champions League. Und nur im Team kann in Lerchs Augen Erfolg erzielt werden. Sein Wunsch für die Zukunft?
Daran denkt er weniger: „Ich bin jetzt hier und ich bin glücklich. Was heute passiert, ist wichtig.“

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