Bildhauer des eigenen Körpers | Neue Braunschweiger
9. Januar 2018
Sport

Bildhauer des eigenen Körpers

Lauritz Lautenschläger aus Emmerstedt beschreitet den Weg zum Bodybuilding-Profi

Lauritz Lautenschläger bei seinem ersten Wettkampf auf Amateurniveau. Foto: Deutscher Bodybuilding und Fitness Verband/www.dbfv.de

Von Maria Lüer, 09.01.2018

Emmerstedt. Bodybuilder denken nur an ihr Äußeres und haben nichts im Kopf? Mit solchen Vorurteilen hat auch Lauritz Lautenschläger zu kämpfen. Der 23-Jährige ist Student und Kraftsportler aus Leidenschaft, hat im November seinen ersten Wettkampf auf Amateurniveau bestritten und sich gleich für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Im Interview gibt der gebürtige Emmerstedter einen Einblick in die Szene.

?Wie bist du zum Bodybuilding gekommen?

!Meine ersten Hanteln habe ich mit 15 Jahren von meinem Vater zu Weihnachten geschenkt bekommen. Später kamen immer mehr Gewichte hinzu, mit denen ich auch heute noch zu Hause im eigenen Fitnessraum trainiere. Das Wissen über Bodybuilding habe ich mir hauptsächlich mit Hilfe von Zeitschriften angeeignet. Da Bodybuilding hier in der Region wenig verbreitet ist, zieht es mich bis nach Kassel: Mit meinem Trainer Matthias Botthof bereite ich mich dort professionell auf die Wettkämpfe vor.

?Wie sieht dein Tagesablauf als Bodybuilder aus?

!Mein Tagesablauf ist ziemlich getaktet. Ich muss mich strikt an Essens- und Trainingspläne, die Ausdauer und Kraft kombinieren, halten. Und nebenbei muss ich dann auch noch in meinem Studium (Sport und Germanistik auf Lehramt, Anm. d. Red.) funktionieren.

?Wie lautet deine Motivation, das alles so konsequent durchzuziehen?

!Ich mache das ausschließlich für mich. Ich fühle mich damit gut, und man sieht sich irgendwo selber als Bildhauer, der seinen eigenen Körper formt. Mein Anspruch ist es außerdem, jeden Tag besser zu sein als am vorhergehenden. Ich probiere meine Grenzen immer wieder aufs Neue aus.

?Was bedeutet dir das Bodybuilding?

!Bodybuilding ist mehr als Sport. Es ist ein Lebensstil. Das Tolle ist: Wenn man strukturiert und diszipliniert ist, viel Arbeit und Zeit in das Training steckt, dann ist der Erfolg auch garantiert. Und dieser Erfolg macht süchtig.

?Hast du ein sportliches Vorbild?

!Arnold Schwarzenegger – schon als Kind fand ich ihn toll.

?Was fällt dir im Hinblick auf deine Ernährung schwer?

!Wenn ich mich in der Diätphase befinde, wird alles, was ich esse, abgewogen. Es wird aufgeschrieben, was und wie viel wo drin ist an Nährstoffen. Dort gibt es dann keine Süßigkeiten. Ich gebe zu, dass ich dann oft sehr leicht reizbar bin. (lacht) In der Massephase wird ebenfalls auf die Nährstoffe geachtet, aber es darf durchaus auch mal etwas Süßes sein. Worauf ich nur sehr schwer verzichten kann? Ben & Jerrys und Kinderschokolade! Das ist aber eindeutig ein Kampf, der im Kopf gewonnen werden muss.

?Viele Sportler verteufeln den Legday, an dem ausschließlich die Beinmuskeln trainiert werden. Wie stehst du dazu? Hass oder Liebe?

!Tatsächlich habe ich den Legday am liebsten.

?Wie lauten deine sportlichen Ziele?
!Mein Traum ist es, Profibodybuilder zu werden.

?Gibt es auch negative Reaktionen auf das Bodybuilding?

!Leider ja. Man wird oft über einen Kamm geschoren. Aber wer Muskeln hat, hat nicht automatisch nichts im Kopf. Ich studiere, habe vorher eine Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschlossen. Der Sport lebt davon, dass man seinen Körper präsentiert, da muss man sich manchmal einen Spruch anhören. Aber: Muskeln sind vergänglich, der Körper baut schnell ab, wenn man nicht mehr trainiert. Daher sollte man niemanden nur wegen seines Aussehens in eine Schublade stecken.

Auch interessant