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Bist du krank? Die Wohnung der Zukunft gibt Antworten

Erste Braunschweiger Forschungswohnung: Nibelungen-Wohnbau und TU kooperieren.

Rüdiger Warnke und Professor Reinhold Haux unterschrieben jetzt den Kooperationsvertrag. Fotos: Thomas Ammerpohl

Von Martina Jurk, 12.12.2015.

Braunschweig. Auf den ersten Blick sieht die schicke Eineinhalb-Zimmerwohnung in der Halberstadtstraße 4 im Heidberg aus wie jede andere auch. Der Unterschied: Sie ist mit modernster Informationstechnologie ausgestattet, die es erlauben soll, Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des Bewohners zu ziehen. Noch ist diese Wohnung ein Forschungsprojekt der TU Braunschweig, in das die Wohnungsbaugesellschaft Nibelungen Wohnbau GmbH jetzt mit eingestiegen ist.

So sorgen Bewegungsmelder vor dem Bett dafür, dass sich Licht einschaltet, wenn der Bewohner nachts zur Toilette muss. Eine andere Situation: Der Herd ist an, aber niemand ist in der Küche und das Licht ist aus. „Nach einer halben Stunde schaltet sich der Herd automatisch ab“, erklärt Projektleiterin Corinna Mielke. Sensoren sammeln Daten über Bewegungsmuster, Raumtemperatur oder Luftfeuchtigkeit, sie registrieren, wenn Fenster offen stehen oder der Fernseher benutzt wird. „Daraus lässt sich ein Assistenzsystem entwickeln, das in vielen Lebenslagen hilft, denn eine Abweichung vom üblichen Muster kann nach Erkenntnissen der Medizinischen Informatik auf Krankheiten hinweisen, etwa auf Depressionen, eine Demenz oder auf asthmatische Beschwerden“, sagt Professor Dr. Reinhold Haux, Geschäftsführender Direktor des Peter L. Reichertz Instituts für Medizinische Informatik der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover (PLRI). Bei der medizinischen Versorgung sei die Wohnung bislang ausgeschlossen gewesen. Jetzt könnte sie zum neuen Gesundheitsstandort werden, zum diagnostischen und therapeutischen Raum, so Haux. Um herauszufinden, ob sich ein Bewohner zu Hause zurechtfindet, brauche man Informationen.
„Für ältere und behinderte Menschen würde das bedeuten, dass sie so lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden wohnen können“, nennt Rüdiger Warnke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Nibelungen-Wohnbau, die Motivation für das Forschungsprojekt. Noch sei das Ganze Zukunftsmusik und die Technologie für eine Mietwohnung zu teuer. Doch angesichts des rasant voranschreitenden technischen Fortschritts und des demografischen Wandels sei die Einrichtung von smarten (intelligenten) Wohnungen nur eine Frage der Zeit. Die Erfahrungen, die die Nibelungen mit diesem Forschungsprojekt sammelt, seien deshalb überaus wertvoll. Die Technik sei ja bereits vorhanden, jetzt müsse sich der Wohnungsbau darauf einstellen. Rüdiger Warnke geht von einer guten Nachfrage nach smarten Wohnungen in der Zukunft aus. „Ich bin vom Erfolg des Projekts fest überzeugt.“
Professor Haux vergleicht die Nutzung der Forschungsergebnisse mit der Erfindung der Computertomographie: „Es eröffnen sich Möglichkeiten neuer Informationen. Man sieht Dinge, die man sonst nur erfragen kann.“

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