29. Mai 2021
Sport

Bitterer Sturz in die Drittklassigkeit

Eintracht-Abstieg: Eine Analyse – Nur drei Neuzugänge überzeugten

Nach der Niederlage gegen den Hamburger SV und dem Abstieg in die 3. Liga muss Eintracht-Co-Trainer Thomas Stickroth den traurigen Fabio Kaufmann trösten. Der Neuzugang konnte als einer der wenigen überzeugen. Foto: Darius Simka/regios24

Braunschweig. Mit großen Hoffnungen waren die Löwen nach dem überraschenden Aufstieg im Vorjahr in die Zweitligasaison gestartet, müssen nach der bitteren 0:4-Niederlage gegen den Hamburger SV aber wieder in die ungeliebte Drittklassigkeit zurück. NB-Mitarbeiter Elmar von Cramon analysiert einige Faktoren, die zum letztlich vermeidbaren Absturz in die Drittklassigkeit geführt haben.

Corona-Pandemie: Wer weiß, wie die Saison mit Zuschauern verlaufen wäre? Fakt ist: Selbst mit wenigen Fans im Stadion spielten die Löwen erfolgreich. Doch nicht nur Eintracht musste mit dem Verzicht auf die treuen Anhänger zurechtkommen, alle Teams mussten mit dieser bedauerlichen Begleiterscheinung der Corona-Pandemie umgehen. Bei Corona-Fällen innerhalb der Mannschaft war Eintracht zwar einige Male betroffen, musste im Gegensatz zu anderen Teams aber keine wochenlange Team-Quarantäne überstehen. Dass ein solcher Zustand nicht automatisch negative Folgen hat, bewiesen übrigens Sandhausen und Kiel, die ihre Nachholspiele dazu nutzten, um das Feld im Ab- beziehungsweise Aufstiegskampf von hinten aufzurollen.

Neuzugänge: Der Kader wurde von den Verantwortlichen um Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann vor der Saison auf „links“ gedreht. Durch einen großen Umbruch wollten sich die Löwen zweitligatauglich aufstellen. Von den Sommerneuzugängen erfüllte aber nur Fabio Kaufmann sowie mit einigen Abstrichen Jannis Nikolaou und Yassin Ben Balla die Erwartungen. Die Tatsache, dass sich Bielefeld-Reservist Brian Behrendt und Oumar Diakhite (zuvor ein halbes Jahr vereinslos) im Winter als absolute Volltreffer entpuppten, spricht ebenfalls nicht für vorherige Kaderqualität. Dong-Won Ji, der sich in Augsburg und Darmstadt mit wichtigen Toren als Retter profiliert hatte, tauchte nach gutem Beginn ab und war trotz seiner großen Erfahrung gar keine Hilfe für die Löwen. Nur drei Volltreffer unter 15 neuen Kräften waren insgesamt zuwenig für eine erfolgreiche Mission im Abstiegskampf.

Personal und Taktik: Zugegeben, es gab positive Überraschungen. Der von Daniel Meyer nach dem Pokalsieg gegen Hertha aussortierte Jasmin Fejzic wurde im Abstiegskampf zum großen Rückhalt und blieb bis Saisonende zehnmal ohne Gegentreffer. Marcel Bär und Allrounder Danilo Wiebe lieferten wie Kaufmann eine insgesamt ordentliche Saison ab, während die Vorjahresreservisten Nick Proschwitz und Lasse Schlüter sogar deutlich über den Erwartungen performten. Die vielen sportlichen Enttäuschungen im Kader ließen sich hierdurch aber nicht aufwiegen. Zwar kann man keinen Spieler zum Abstiegs-Alleinverantwortlichen erklären, dennoch rächten sich personelle Fehleinschätzungen wie der Torwartwechsel hin zu Felix Dornebusch und das dauerhafte Festhalten an Unsicherheitsfaktoren wie Felix Kroos oder Dominik Wydra. Die Leistungsfähigkeit von Suleiman Abdullahi und Martin Kobylanski im Abstiegskampf wurde zudem deutlich überschätzt. Insgesamt fehlte neben Fejzic ein „Leader“ auf dem Platz, was auch durch die unglückliche Kapitänsentscheidung von Daniel Meyer zugunsten Kobylanskis zu Tage trat. Fehlte der Mittelfeldmann trugen entweder Nikolaou oder Wydra die Binde, die ihren Anspruch eine Mannschaft zu führen, nicht unter Beweis stellen konnten. Letztlich war auch dessen geplante taktische Ausrichtung (Ballbesitzfußball, Dreierkette) mit dem vorhandenen Personal zu ambitioniert. Nach dem notwendigen Umstellen auf eine Viererkette und dem Ausfall von Dauerbrenner Niko Kijewski rächte sich jedoch die Tatsache, dass zu viele defensive Mittelfeldleute aber kaum Außenverteidiger im Kader waren.

Nebengeräusche: Schon in der Frühphase der Spielzeit trug der unglückliche Torwartwechsel erstmals Unruhe an die Hamburger Straße. Über einen langen Zeitraum bewies die Mannschaft jedoch Moral und kämpfte sich immer wieder an die Nichtabstiegsplätze heran. Doch ausgerechnet nach dem deutlichen 4:0-Erfolg gegen den direkten Konkurrenten VfL Osnabrück begann der Löwen-Motor zu stottern. Nach der besten Saisonleistung fiel die Mannschaft in ein Leistungsloch und verspielte die gute Ausgangsposition gegen Aue dann endgültig. Die geleakten Indiskretionen aus Aufsichtsratssitzungen beschädigten, allen Treueschwüren zum Trotz, auf den letzten Metern der Saison auch noch die Autorität von Trainer Meyer.

Unrühmlicher Höhepunkt waren dann die Gerüchte um einen „Partyskandal“ nach dem Würzburg-Spiel, der den Blau-Gelben wohl den letzten Rest an Konzentration und Fokussierung auf die entscheidende Partie beim HSV raubte. Nach Meyers freiwilligem Verzicht auf Benjamin Kessel, Schlüter, Proschwitz und Kobylanski taumelten die Löwen dort, trotz Patzern der Konkurrenz, chancenlos zurück in die dritte Liga.

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