Braunschweig „fairsteht“ | Neue Braunschweiger
1. September 2015
Menschen

Braunschweig „fairsteht“

Gemeinsam teilen, essen und diskutieren beim 1. Braunschweiger Schöpfungstag.

Ein breites gesellschaftliches Bündnis wirbt für den fairen und wertschätzenden Umgang mit der Natur (v. l.): Sabine Sewella (Grüne), Hansi Volkmann (DGB), Braunschweigs Bürgermeisterin und Unternehmerin Cornelia Rohse-Paul, Adama Logosu-Teko (haus der Kulturen), Pröpstin Uta Hirschler, Susanne Schmedt (Grüne) und Dr. Uwe Meier (Verein Fair in Braunschweig). Foto: Agentur T.A.

Von Marion Korth, 2. September 2015.

Braunschweig. „Dieser Tag soll Spaß machen“, sagt Pfarrer Lars Dedekind. Dabei geht es doch am 6. September um nicht viel weniger, als die Welt zu retten. Unter der Überschrift „Braunschweig fairsteht“ findet von 11 bis 17 Uhr der erste Schöpfungstag auf dem Altstadtmarkt statt. Ein Tag, der für ein neues Bewusstsein im Umgang mit der Erde und ihren Geschöpfen werben möchte und der das Thema „Lebensmittel“ in den Mittelpunkt stellt.

Den Titel Transfair-Stadt trägt Braunschweig schon seit 2014, die Initiative will mit dem Schöpfungstag – dem ersten in dieser Form bundesweit – den Gedanken, der dahintersteht, in die Gesellschaft hinaustragen. „Die Zeit ist reif für eine neue Haltung, für ein neues Bewusstsein“, betont Susanne Schmedt. Auf ihren Anstoß hin hat sich ein breites Bündnis gebildet: die evangelisch-lutherische Propstei, der Deutsche Gewerkschaftsbund, Mitglieder der Steuerungsgruppe Fairtrade, die Stadt, das Haus der Kulturen – kurzum politisch, religiös, sozial und umweltbewusst aktive Menschen. „Wir wollen niemanden ausgrenzen“, sagt Pröpstin Uta Hirschler. Wenngleich der Tag mit einem ökumenischen Gottesdienst beginnt, bei dem sie selbst, der katholische Propst Reinhard Heine und auch Umweltpfarrer Rolf Adler zu Wort kommen werden, soll es ein bunter Tag der Begegnung werden, an dem beim Bring-and-Share-Brunch ab 12 Uhr selbstgemachte Speisen miteinander geteilt werden. Tische und Stühle stehen auf dem Altstadtmarkt bereit. An mehr als 20 Ständen können Besucher den Inhalt ihres „Picknickkorbs“ ergänzen, den „Weltgeschmack“ kennenlernen oder sich mit Informationsmaterial versorgen.
Die Schirmherrschaft für den Tag hat Oberbürgermeister Ulrich Markurth übernommen. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer hat sich angesagt, wird in der Talkrunde zum Thema faire Landwirtschaft und faire Lebensmittel sprechen. Aber auch die Ernährung in Kindergärten und Schulen, die Frage, wer die Welt ernährt und der Aspekt, welche Chancen und Risiken mit der industriellen Lebensmittelproduktion verbunden sind, sollen diskutiert werden.
Allen Beteiligten ist klar: Verbote bringen nichts und Bewusstseinsänderungen brauchen Zeit. „Sicher wird es in Zukunft nicht nur Biolebensmittel geben, aber der niedrige Milchpreis ist ein Skandal“, sagt Gewerkschaftsmann Hansi Volkmann. „Essen ist eine politische Handlung und jeder Einkaufszettel ist ein Wahlzettel“, ergänzte Dr. Uwe Meier (Verein Fair in Braunschweig). In diesem Sinn setzt der Schöpfungstag ein Zeichen für den faireren Umgang mit der Natur und allen ihren Geschöpfen. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr zu einem anderen Thema ist geplant.

Auch interessant