Braunschweig rückt dem Bahnhof näher

Ideenwettbewerb: Siegerentwurf ordnet Bahnhofsumfeld neu

Vorstellung des Siegerentwurfes für den städtebaulichen Ideenwettbewerb (v. l.): Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer, Timo Holland (Geschäftsführer der Wertgrund Asset Management GmbH), Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Peter von Klitzing und Sybille Welp (Büro Welp von Klitzing) und Oliver Hasenkamp (Leiter Objektentwicklung und Planung DB Station und Service). Foto: Korth

Viewegs Garten. Ortsfremde, die in Braunschweig aus dem Zug steigen und auf den Bahnhofsvorplatz treten, finden sich im städtebaulichen Niemandsland wieder. Braunschweig blieb bisher auf Distanz.

Das Planungsbüro Welp von Klitzing bringt Braunschweig nicht auf Schmusekurs, rückt die Stadt aber dem Bahnhof näher. Der Siegerentwurf der Architekten lässt auf Straßenflächen, Grün- und Verkehrsinseln Gebäude wachsen. Der denkmalgeschützte Bahnhof soll endlich ein Gegenüber aus Wohn- und Bürohäusern, Cafés und Geschäften erhalten. Gestern stellte Oberbürgermeister Ulrich Markurth den Siegerentwurf des städtebaulichen Ideenwettbewerbes vor.
„Das Bahnumfeld beschäftigt uns seit Jahrzehnten“, sagte Markurth. Der Ideenwettbewerb füllt nun die Leere, bietet dem Ortsfremden Orientierung, weckt Viewegs Garten aus dem Dornröschenschlaf und nutzt die überdimensionierten Verkehrsflächen für urbanes Wachstum. Die Grundstückseigner in dem Bereich – Deutsche Bahn und Wertgrund Asset Management GmbH – haben sich an dem Wettbewerb beteiligt und sind mit dem Ergebnis ebenfalls zufrieden.

Die Neuordnung des Bahnhofsumfeldes ist längst überfällig. Das findet nicht nur die Stadt, sondern auch die Bahn und Wertgrund. „Wir sind an einem ganzheitlichen Konzept interessiert“, sagte Oliver Hasenkamp (DB Station & Service). Wie kommen Menschen zum Bahnhof und wie wieder weg? Nicht nur mit dem Auto, sondern auch mit der Stadtbahn oder dem E-Scooter. „Auch die Verbindung zum Brawo-Park ist uns wichtig“, betonte Hasenkamp. Für 30 000 Menschen ist der Bahnhof tägliche Drehscheibe – mit wachsender Tendenz. In den neuen Gebäuden sollen unter anderem Büroräume entstehen, in denen temporäre Projektarbeit stattfinden kann.

Die Wertgrund Asset Management GmbH hat 2015/2016 das Atrium-Bummel-Zentrum sowie die drei Wohnhochhäuser an der Kurt-Schumacher-Straße übernommen. Dass die Stadt in diesem Bereich nun „so groß denke“ habe im positiven Sinne überrascht, sagte Geschäftsführer Timo Holland.

Der städtebauliche Entwurf sieht zudem eine Erweiterung des Bahnhofes um ein Busterminal vor, außerdem Parkhäuser für Fahrräder und Autos. Während in anderen Wettbewerbsentwürfen Fläche von Viewegs Garten für weitere Bebauung abgeknapst wird, wollen Welp und von Klitzing den Park um 8000 Quadratmeter wachsen lassen und ihn mehr öffnen. Trotzdem werden einige Bäume gefällt werden müssen. Dagegen sollen die Stadtbahntrassen in ihrem bisherigen Verlauf nicht angetastet werden. Das vereinfache die Planung, sagte Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. Dennoch sei die Neuordnung des Bahnhofsumfeld ein Großprojekt. Die konkreten Planungen würden jetzt auf den Entwurf aufgesetzt. Allein um den Bebauungsplan aufzustellen, rechnet Leuer mit zwei Jahren Bearbeitungszeit.
Wie die Gebäude am Ende wirklich aussehen werden, ob ihre Fassaden von Fensterflächen oder begrünten Wänden dominiert werden, ist völlig offen. Der Entwurf ordnet den Stadtraum, legt Straßenverläufe und Gebäudeumrisse fest, gibt aber keine Gestaltung vor. Da steckt noch viel Spielraum drin.

^