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Braunschweig will Bienenstadt werden

Bund, Land und Stadt investieren rund sechs Millionen Euro in den Schutz der Insekten

Braunschweig will Bienenstadt werden. Spezioelle geht es darum, für Wildbienen Nahrung und Nistmöglichkeiten anzubieten.

Braunschweig (ako). Oft bleiben in den mit besten Absichten aufgestellten Insektenhotels die Zimmer leer. Auch wohlmeinend ausgebrachte Blühmischungen erfüllen ihren Zweck nicht immer – nämlich bedrohten Insektenarten eine neue Heimat, Schutz und Nahrung zu bieten. Die Stadt und das Julius Kühn-Institut (JKI) wollen dort eingreifen und starten das Vorreiterprojekt „Bienenstadt Braunschweig“. Dazu sollen knapp sechs Millionen Euro investiert werden.

„Leider werden etliche Maßnahmen – ohne es zu wissen – an den Bedürfnissen der Insekten vorbei geplant“, weiß Henri Greil, Wissenschaftler am JKI. Der Fachbereich Stadtgrün und Sport und das JKI-Fachinstitut für Bienenschutz sind die Wegbereiter eines neuen einzigartigen Projekts, das bundesweit Schule machen dürfte. „Ziel ist es, Braunschweig in ein Refugium für verschiedene Wildbienenarten zu verwandeln, in dem sie Nahrung und Lebensraum finden“, sagt der Erste Stadtrat Christian Geiger, der auch für den Fachbereich Stadtgrün und Sport zuständig ist.

Rund sechs Millionen Euro

Das Projekt „Bienenstadt Braunschweig“ wird aus Mitteln des Niedersächsischen Umweltministeriums sowie des Bundesumweltministeriums umgesetzt. Insgesamt wurden etwa 4,6 Millionen Euro Fördermittel von der Stadt eingeworben. Die Stadt steuert Eigenmittel von 1,2 Millionen bei.

Auf dem Weg Braunschweigs zur „Bienenstadt“ sollen auf einer Fläche von rund 100 000 Quadratmetern artenreiche Wiesen entstehen. Das entspricht einer Größe von rund 14 üblichen Fußballfeldern. Auf circa 30 000 Quadratmetern sind mehrjährige Blühstreifen sowie artenreiche Staudenpflanzungen geplant. Weiterhin vorgesehen sind sechs Streuobstwiesen und die Pflanzung von 500 Kopfweiden sowie 650 weiterer Bäume als Klimaschutzmaßnahmen. Das Geld aus dem Förderbescheid des Bundesumweltministeriums „Integrierter Klimaschutz mit urbanem Grün“ soll mehrfach nützlich sein. Denn die Begrünung von 7000 Quadratmetern Dachfläche und 7500 Quadratmetern Fassaden städtischer Gebäude soll nicht nur das Stadtklima verbessern, sondern gleichzeitig den Bedürfnissen der Wildbienen Rechnung tragen.

Durch die „Wildbienenbrille“ geschaut

Bei allen angestrebten Maßnahmen wollen die Experten konsequent durch die „Wildbienenbrille“ auf die Stadt und ihre vorhandenen Grünflächen, wie zum Beispiel das straßenbegleitende Grün blicken, um herauszufinden, welche Pflanzenarten für welche Wildbienenarten attraktiv sind.
„In Deutschland leben über 560 Wildbienenarten mit unterschiedlichen Ansprüchen. Daher ist es wichtig, die jeweils richtigen Nahrungspflanzen in Kombination mit den bevorzugten Nistmöglichkeiten anzubieten. Zudem muss das Netz der Blühflächen eng genug gewebt sein, sodass sich die Arten innerhalb der Stadt verbreiten und auch ins Umland gelangen können“, erklärt Henri Greil vom JKI die Vorgehensweise.

„Soweit uns bekannt ist, wird ein derartig ganzheitlicher Ansatz erstmalig in einer deutschen Großstadt verfolgt“, sagt Michael Loose. „Jeder bringt seine Kompetenzen ein und wir wollen natürlich auch zur Nachahmung anregen“, ergänzt der Fachbereichsleiter für Stadtgrün.
Um das Ziel der „Bienenstadt Braunschweig“ zu erreichen, werden Partner gesucht, die ihre Flächen wildbienenfreundlich gestalten oder das Projekt unterstützen möchten.

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