26. Februar 2015
Tipps

Brigitte Bardot trifft David Bowie

Die Friseurinnung Braunschweig präsentierte in der Brunsviga die Frisurentrends Frühjahr/Sommer 2015

Von André Pause, 26.02.2015.

Braunschweig. An alle Träger der Uniform-Frisur Undercut: Ihr müsst jetzt ganz stark sein! Schon in diesem Frühjahr liegt Eure Haarpracht nicht mehr im Trend. Das jedenfalls prognostiziert Reinhardt Rüffer, Friseurmeister und Pressesprecher der Friseurinnung Braunschweig, bei der Vorstellung der Frisurenmode Frühjahr/Sommer 2015 in der Brunsviga.

Zweimal im Jahr führt die Innung diese Veranstaltung durch. Interessant ist sie insbesondere für den Nachwuchs des Berufsstandes. „Alles hier ist sowohl in der Gesellen- als auch in der Meisterprüfung relevant. Die sind ja beide bundeseinheitlich. Deshalb haben die insgesamt etwa 90 Auszubildenden aus Braunschweig hier auch freien Eintritt“, erzählt Rüffer, während auf der Bühne die ersten Haare auf die Bretter fliegen. Die Friseurmeisterinnen Juliane Kern, Verena Meier und Stefanie Schüler bearbeiten zu flotter Musik drei Damenköpfe. Immer wieder erzählen sie animiert von Moderator Ulrich Schicke, was sie da gerade genau tun. Frau Meier beispielsweise nimmt die Masse aus dem blondierten Schopf von Marina Rehburg, arbeitet, wie sie über Headset preisgibt, immer von links nach rechts.

„Sie sehen schon: Der kurze Stufenhaarschnitt bekommt ganz viel Bewegung“, kommentiert Reinhardt Rüffer. „Es gibt keine großen Abgrenzungen, die Übergänge sollen fließen. Farblich sind wieder eher warme Töne im Kommen.“ Das gelte für alle Schnitte. Im Damenbereich ist der füllige Pony zurück auf der Bildfläche, gerne in Kombination mit elegant toupierter Hinterkopfpartie im Brigitte-Bardot-Style der 60er. Aber auch der Kontrast von schwerem Stirnmotiv zu gestuftem (Slicen schafft Fülle) Resthaar ist in dieser Saison en vogue. Crunchy-Chick heißt das in der Fachsprache. In der Brunsviga frisiert Stefanie Schüler ihr Modell Norma Fricke diesem Style entsprechend. Es sei der vielleicht schwierigste Damenschnitt im Portfolio, meint Rüffer, während er im mitgebrachten Hair-Magazin nach einer erklärenden Darstellung sucht: „Hier! Der laufende Übergang muss genau eingearbeitet sein. Dabei entscheidet die Führungshand. Auch die Winkelstellung ist ganz wichtig.“

Generell ganz wichtig ist natürlich, wie in jedem Handwerksberuf, das Werkzeug. Niemand weiß das besser als Andreas Wernsing, der Friseursalons einrichtet und seit 1988 auch Qualitäts-Scheren aus Japan verkauft. „Es ist natürlich schön, wenn man mit einer Schere sowohl Slicen als auch Pointen und Graduieren kann“, sagt der Fachmann. Beim Preisniveau der ausliegenden Arbeitsgeräte stockt wohl nicht nur dem Außenstehenden der Atem. Los geht es bei 230 Euro, aber auch 1600 Euro kann man ausgeben – für eine Schere wohlgemerkt. „Der am schlechtesten bezahlte Handwerksberuf erfordert das teuerste Werkzeug“, seufzt Wernsing. „Mich wundert das auch immer wieder, wie das zusammengeht, zumal ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Friseure ihr Werkzeug zu 90 Prozent wirklich selbst kaufen.“ Wahrscheinlich trifft die Leidenschaft für den Beruf an dieser Stelle auf Leidenschaft für schönes Werkzeug.

Die Friseurmeisterinnen auf der Bühne bringen diese Begeisterung sichtlich mit. Nach einer kurzen Pause und der Präsentation der Damenmodelle auf dem Minilaufsteg sind die Herren an der Reihe. „Bei den Männern wird 2015 wieder ein bisschen mehr geföhnt. Diese brutalen Undercuts, wie sie Fußballer bevorzugt tragen, sind eigentlich out“, skizziert Reinhardt Rüffer den Status Quo. „Wir haben wieder volle Köpfe, auch vollere Seiten.“ Modelliert werde verstärkt mit Mattpaste, gibt der Friseurmeister zu Protokoll, zum Wohle einer deutlicheren Struktur. Zwei explizite Herrentrends lassen die Friseurinnen den Männermodels des Abends angedeihen. Robert Janus trägt nun „Arch-Culture“ sprich kurze Seiten und reduzierte Nackenpartie, die Reinhardt Rüffer sofort fasziniert inspiziert. Der Schopf von Max Bauer dagegen erhält eine Extraportion „Glam-Rock“ à la David Bowie. Bei ihm bleiben die Seiten länger, der Oberkopf erscheint luftig aber mit deutlichem Volumen. Bis zur Rockabilly-Tolle könnten die Herren der Schöpfung das Spielchen mit dem Volumen in dieser Saison spielen, meint Rüffer.

Tja, und das ist ja dann irgendwie doch ein kleiner Trost für die Freunde der Uniform-Frisur: Am Ende kommt anscheinend alles wieder. Womöglich sogar der Undercut…

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