21. Februar 2022
Kulturelles

Brooklyn Bridge und Haifischzähne

Das Städtische Museum zeigt bis August Bilder des berühmten Fotografen Andreas Feininger

Andreas Feininger interessierte sich für das ganz Große und das ganz Kleine: Hier die Brooklyn Bridge, dort Haifischzähne. Foto: Dirk Scherer,/ Städtisches Museum

Braunschweig. Sydney, Frankfurt, Dubai, Hongkong, – kein Postergeschäft kommt heute noch ohne Skyline-Foto aus. Einer der Erfinder dieser Breitband-Wahrzeichen heißt Andreas Feininger. Bis zum 14. August widmet ihm das Städtische Museum eine Ausstellung: „Alte Neue Welt“.

Feininger gilt als Ikone der Schwarz-Weiß-Fotografie. Legendär sind seine New-York-Bilder aus den 40er und 50er Jahren. Als Fotojournalist für das Magazin „Life“ prägte er das Amerika-Bild jener Zeit entscheidend mit. Feininger sei fasziniert von der Metropole am East River gewesen, überhaupt von der modernen Großstadt mit ihren Wolkenkratzern und Menschenmassen, ordnet Kurator Dr. Lars Berg ein. „Dabei hatte er einen Blick für das ganz Große und das ganz Kleine.“
Als studierter Architekt und Bauhaus-Schüler interessierten den Sohn des Malers Lionel Feininger vor allem die Linien und Strukturen von Gebäuden. Ganz ähnlich analysierte er Blätter, Knochen oder Wurzeln. Es war sein Schicksal, dass Feininger als Deutsch-Amerikaner mit jüdischen Wurzeln gezwungen war, beruflich immer wieder ganz von vorne anzufangen. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs emigrierte er schließlich in die USA.

Die Erfahrung hat Feininger nachhaltig beeindruckt: Zu oft fotografierten Motiven zählen Dampfer, Schiffe, die Fähre zwischen New Jersey und New York. Und Menschen. In den Straßen, bei der Arbeit, fast beiläufig vor jüdischen Geschäften und in Cafés. Dabei war er nicht nur Beobachter, sondern zeigte mit Bildern von maroden Wohnvierteln in Chicago auch auf soziale Missstände.

„Feininger konnte ein wahnsinniger Pedant sein“, sagt Museumsleiter Dr. Peter Joch über die Arbeitsweise des Fotografen. Für ein Foto von der Brooklyn Bridge, soll er geschlagene acht Stunden im Nebel gewartet haben, um den perfekten Moment einzufangen. Als er 1999 starb, war er 93 Jahre alt. Sein fotografischer Nachlass wird im Zeppelin-Museum in Friedrichshafen bewahrt, von den insgesamt 750 Bildern wurden jetzt 260 dem Städtischen Museum für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Unbedingt sehenswert!

Infos zu Öffnungszeiten, Führungen und Begleitveranstaltungen unter www.braunschweig.de, Stichwort „Städtisches Museum“.

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