23. April 2022
Buntes

California, here we come!

Auszeit vom Alltag: Redakteur Torben Dietrich ist sechs Monate unterwegs

Klar, wer nach San Francisco kommt, muss auch die Golden Gate Bridge sehen. Interessant sind aber auch die Kalifornier selbst wie der ehemalige Architekt Stanley Stinnet, der in seinem Haus die ganze Welt empfängt. Foto: Torben Dietrich

Es ist wie ein Aufwachen. Frischer Wind und 17 Grad erwarten uns, als wir bei Sonnenschein aus dem Flughafenbus in San Francisco steigen. Nach Monaten in den Tropen finde ich das sehr erfrischend und sauge die Luft tief ein.

Weit müssen Katharina und ich nicht gehen, unsere Unterkunft befindet sich dicht an den bekannten Sehenswürdigkeiten: Pier 39, dem Telegraph Hill, der Lombard Street, Chinatown. Und zur Fisherman´s Wharf mit Aussicht auf die wundervolle Golden Gate Bridge oder die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz ist es nur ein Spaziergang. Weil wir aber, wie auch schon auf Mauritius und in Thailand, gerne das Leben der Menschen hier kennenlernen und auch einiges vom Alltag mitbekommen wollen, fahren wir schon nach zwei Tagen zu Stanley in Walnut Creek, einem hübschen Städtchen in der Bay Area.
Stan, wie er genannt werden möchte, ist im Februar 72 Jahre alt geworden. Dass ich ihn zehn Jahre jünger geschätzt habe, liegt – und da sind wir uns sicher – daran, dass er rund ums Jahr Reisende aus der ganzen Welt in seinem eigenen Haus zu Gast hat. In seinem Berufsleben als Architekt kam Stan viel herum, er war beteiligt am Entwurf von Wolkenkratzern in Nordamerika, den Flughäfen in Abu Dhabi und Dubai, einem Krankenhaus in Singapur. Nun holt er die Welt zu sich nach Hause. „All diese frischen Impulse von außen halten mich jung“, sagt er.

Jetzt gerade teilt er sein Leben mit uns. Stellt uns seiner herzlichen Ex-Frau und seinen Nachbarn vor, erzählt uns von einem Rechtsstreit mit einem Immobilientycoon aus Hongkong, nimmt uns mit zu einer lang vermissten guten Freundin, hilft uns bei der Organisation unserer Reise, wo er nur kann. Und lässt uns in einem riesigen Zimmer auf einem ebenso riesigen Sofa schlafen, sein Auto und sogar seine Kreditkarte benutzen. Im Gegenzug helfen wir ihm im Haushalt und kümmern uns um seine völlig entspannte Dobermann-Hündin „Nala“. Mit Stan zusammen baue ich in seinem abschüssigen Garten einen hochprofessionell geplanten Kompost-Container aus Altholz und Draht – ein wahres Vergnügen mit einem Ex-Architekten.
Seit zwei Wochen sind wir nun hier, aber irgendwann müsste es weitergehen. Denn eigentlich wollen wir weiter nach Norden, auf dem legendären Highway 101 durch Kalifornien, dann durch Oregon und bis zur kanadischen Grenze. Nur wann? Inzwischen haben wir uns hier eingelebt. Der Anblick der Diablo-Mittelgebirgskette vom Garten, die fantastische und hilfreiche Nachbarschaft, ein schönes Haus – das lässt man nicht leichten Herzens hinter sich. „Mögt ihr nicht noch einen Tag bleiben?“ fragte Stan erst heute Nachmittag, beim Bier auf der Bank vor seinem Haus, bei frischer Luft und viel Sonnenschein.

Über den Autor

Redakteur Torben Dietrich und seine Frau nehmen sich gerade eine Auszeit vom Alltag. Foto: Privat

Vor seiner Auszeit war er Redakteur im JHM Verlag. Jetzt ist Torben Dietrich sechs Monate lang auf Reisen und berichtet in der NB über seine Erlebnisse und Begegnungen.

Auch interessant