21. August 2021
Politik

Corona und Klimawandel

Virenschutz und Sonnenschutz sind Themen an den Schulen

Die Grundschule Heinrichstraße: Für den Sonnenschutz kommen jetzt Vorhänge. Foto: Privat

Braunschweig. Gleich mehrere Schritte weiter ist die Stadt an der Grundschule Heinrichstraße. Hier hatten sich im Juli Elternvertreter bei der NB gemeldet und von überhitzten Räumen und fehlendem Aufprallschutz in der kleinen Turnhalle gesprochen.

Wo es möglich war, versprach Holger Herlitschke (kleines Foto) als zuständiger Dezernent Abhilfe auf dem „kleinen Dienstweg“. Und das ist ihm offenbar gelungen. „Noch in den Sommerferien werden Aufprallschutz und auch Vorhänge nachgerüstet“, sagt er. Er verwies dabei auf den Umstand, dass die Fenster der Schule schon seit zwei Jahren mit einer Sonnenschutzfolie versehen seien.

Dezernent Holger Herlitschke. BZV-Archiv: Peter Sierigk

„Eine Maßnahme mit wenig Erfolg“, sagt dazu Elternvertreter Marcus Wech. Die Hitze in den Klassenzimmern ließe sich dadurch kaum lindern. Das allerdings sei auch ein Problem, das durch die Coronapandemie verstärkt würde, erklärte Herlitschke. „Denn jeder mechanische Sonnenschutz wird nahezu unwirksam, wenn alle 20 Minuten die Fenster aufgemacht werden müssen. Dann kommt die Hitze ungehindert in die Räume.“
Für die nahe Zukunft wird es da auch kaum eine Lösung geben. Denn selbst die viel beschworenen Lüftungsanlagen bringen Probleme mit sich. Noch ist die Wirkung der Lüfter nicht hundertprozentig gesichert, sagt Holger Herlitschke. Fragen bleiben. Wie zum Beispiel: Sind alle Kinder gleich geschützt? Egal, in welchem Abstand zum Lüfter? Sind Kinder durch die angesaugt Luft in unmittelbarer Nähe des Lüfters gefährdet?
Für die Heinrichstraße müssen gegen die Hitze zunächst die Vorhänge reichen, gegen Corona das Lüften. „Wir setzen auf regelmäßiges Lüften, das für einen CO2/Sauerstoff-Austausch ohnehin regelmäßig nötig ist“, betont Dezernent Herlitschke.

So sieht eine mögliche Ventilatorenlösung aus. Foto: BZV Archiv

„Mit der Empfehlung zum Lüften folgen wir den Einschätzungen von Umweltbundesamt und Deutschem Städtetag“, betont Holger Herlitschke.“ Nur dort, wo regelmäßiges Lüften nicht möglich sei, werde die Stadt mit dem „Göttinger Modell“ nachrüsten.
Das betrifft in Braunschweig etwa 200 der insgesamt rund 2000 Klassenräume. „Es ist ein einfaches, günstiges Modell, die Ventilatoren werden dabei in gegenüberliegende Fensterlücken eingebaut. In einer Förderschule wurden solche Fensterventilatoren bereits eingesetzt“, erklärt Herlitschke. Die Stadt führt Testreihen in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen durch, damit die Systeme wirklich sicher und effizient sind.
Die Bestellungen für die Ventilatoren sind raus, allerdings konnte der Hersteller noch keinen Liefertermin nennen. „Wir werden die Geräte mit unseren eigenen Leuten einbauen, das geht schneller, dennoch wird es sicher bis zu den Herbstferien dauern, bis wir das geschafft haben“, erklärt der Dezernent.

Der Einbau soll in den Grund- und Förderschulen mit rund 70 Räumen beginnen und dann in den weiteren Schulen nach dem Alter der Kinder aufsteigend fortgeführt werden. „Das Alter spielt bei der Priorisierung eine Rolle, da ja ab 12 Jahren inzwischen geimpft werden kann“, erklärt Herlitschke einen der Gründe, die die Reihenfolge der Einbaumaßnahmen regeln.
In einigen Räumen sollen auch UVC-Filteranlagen eingebaut werden. Dies werde jedoch nur in wenigen Unterrichtsräumen geschehen, da große Mengen am Markt nicht verfügbar seien, und es im Regelfall in den Klassenräumen nur eine zusätzliche Maßnahme zum ohnehin nötigen und wirkungsvollen Lüften darstelle. „Egal, was und wie, die verschiedenen Luftreinigungs-Systeme können einen Mehrwert bringen, aber auch eine trügerische Sicherheit geben“, warnt Herlitschke , „das regelmäßige Lüften bleibt mit Abstand der wirksamste Schutz vor Corona.“

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