Das Böse zum Schmelzen bringen

„Die Schneekönigin“ am Staatstheater: Ein umwerfend prächtiges Familienerlebnis

Die Schneekönigin (Saskia Taeger) hat verloren. Gerda und ihr gutes Herz haben Kay aus den Fängen des Bösen und aus der Eiswelt befreit. Foto: Björn Hickmann

Innenstadt. Ganz großes Kino – aber auf der Bühne: Kostüme, Ausstattung und Bühnenbild sind geradezu umwerfend. In aufwendigen, fantastischen Traumlandschaften gibt es schillernde und bizarre Figuren, prachtvolle Masken und Gewänder sowie berührende multimediale Effekte.

„Die Schneekönigin“ am Staatstheater ist ein echtes Familienstück. Regisseur Rüdiger Pape ist es gelungen, die Vielschichtigkeit des Märchens zu bewahren und zu betonen und gleichzeitig eine moderne Lesart zu entwickeln. Die beiden Hauptfiguren Gerda und Kay könnten genauso gut Emma und Ben heißen (die beliebtesten Vornamen 2018).
Kay bekommt einen Spiegelsplitter ins Auge und ins Herz und sieht ab sofort nur noch das Negative und Hässliche. Er verfällt den Küssen der Schneekönigin und folgt ihr in ihr eisiges Reich, in dem Gefühle verboten sind.
Freundin Gerda lässt sich nicht Bange machen und geht auf die Suche. Auf ihrem abenteuerlichen Weg kommt sie auf dem Grund der Tiefsee vorbei, in der ihr Riesenrüssel einzuflüstern versuchen, dass ihr Kay längst tot ist, sie strandet bei einer psychedelischen Blumenfrau (mit einem wirklich umwerfend schönen Kleid), die sie in den ewigen Sommer der Drogenwelt locken will, trifft auf Prinz und Prinzessin auf der Erbse, die dekadent das Volk verdummen, bringt einer verrohten Räuberbande Anstand und Gefühle nah.

Gerda hat Kraft. Sie setzt auf ihren Verstand, hört auf ihr Herz, eine Kombination, mit der sie schließlich auch die Macht der Eiskönigin zum Schmelzen bringt und ihren Kay zurück ins Leben holt.
Gerda und Kay (Anja Signitzer und Valentin Erb) spielen mit vollem Einsatz. Schon zu Anfang krabbeln und klettern sie aus den Zuschauerreihen auf die Bühne. Gleichzeitig spiegelt eine Leinwand die Gesichter des Publikums. Die Botschaft: Wir gehören zusammen, auch und besonders im Kampf für das Gute.

Kinder und Erwachsene finden gleichermaßen „ihre“ Geschichte in dieser Inszenierung, die gespickt ist mit Zitaten und Verweisen auf aktuelle Themen. Eine entzückende Rose und ein witziger Rabe sorgen für Heiterkeit, riesige, sich bewegende Aufbauten sorgen für Spannung und Atmosphäre, zum Teil verdichten Videos die Wirkung. Großes Kino.
Die nächste Nachmittagsvorstellung am Sonntag (2. Dezember) um 15 Uhr im Großen Haus.

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