„Das größte Kapital der Stadt“ - Hat nichts mit Geld zu tun | Neue Braunschweiger
15. Februar 2020
Allgemein

„Das größte Kapital der Stadt“ – Hat nichts mit Geld zu tun

Oberbürgermeister Ulrich Markurth vergab die Bürgermedaillen der Stadt

Oberbürgermeister Ulrich Markurth verleiht im Rahmen einer Feierstunde im Altstadtrathaus die Bürgermedaille der Stadt Braunschweig für das Jahr 2019. Ausgezeichnet werden Wolfgang Niemsch, Dr. Regina Olshausen, Sebastian Wertmüller und der Verein Cura Braunschweig für ihre Verdienste um die besondere Förderung des allgemeinen Wohls der Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Auf dem Gruppenfoto v. l. n. r.: Anke Köchy, Henning Voß, Friedrich von Koch, Michael Duhm (alle vom Verein Cura e. V.), Oberbürgermeister Ulrich Markurth, Frau Dr. Regina Olshausen, Wolfgang Niemsch, Sebastian Wertmüller und xxx.xxx? Foto: Guenter Poley/BestPixels.de

Innenstadt. Engagiert heißt nicht bequem. Für klare Ansichten, Tatkraft, Hartnäckigkeit und Verdienste um die Allgemeinheit hat Oberbürgermeister Ulrich Markurth am Mittwochabend drei Braunschweiger sowie den Verein Cura, der straffällig gewordene Menschen begleitet, mit der Bürgermedaille der Stadt Braunschweig ausgezeichnet.

Wolfgang Niemsch, Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbandes Braunschweig, der den Ausbildungsverbund initiiert hat, die Vorsitzende des Ortsverbands Braunschweig des Deutschen Kinderschutzbundes, Dr. Regina Olshausen, und Sebastian Wertmüller, Geschäftsführer der Gewerkschaft Verdi in Braunschweig und engagiert im „Bündnis gegen Rechts“, sowie Friedrich von Koch, Vorsitzender des Vereins Cura, stehen stellvertretend für „die Vielfalt einer Stadtgesellschaft.“ Die Träger der Bürgermedaille seien ein Beispiel für andere. „Ohne Sie wäre das Gemeinwesen arm“, sagte Markurth. Das ehrenamtliche Engagement sei vielleicht das größte Kapital einer Stadt, meinte er.

So verschieden die vier Preisträger auch sein mögen, eines verbindet sie. „Das Wohl der Menschen liegt ihnen am Herzen“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth. In Zeiten, in denen die Gesellschaft scheinbar immer weiter auseinanderdriftet und viele viel dafür tun würden, um zu spalten und nicht zueinanderzuführen, sei ihr Engagement umso wichtiger.
Eines verbindet die Ausgezeichneten noch: Sie können gar nicht anders. „Ich konnte schlecht nein sagen“, räumte Wolfgang Niemsch dann auch selbstkritisch ein. Nachdem ihn Adalbert Wandt mit zu den Wirtschaftsjunioren genommen habe, seien weitere Ämter und Aufgaben hinzugekommen, die Spaß und Erfolg gebracht hätten.

Durch den Ausbildungsverbund seien mehr als 1000 neue Ausbildungsplätze geschaffen worden, als es wirtschaftlich gerade nicht so gut lief. „Viele junge Menschen verdanken Ihnen einen erfolgreichen Start ins Berufsleben“, sagte Markurth in der Laudatio.
Sebastian Wertmüller hatte zuletzt durch die erfolgreiche Klage vor dem Verwaltungsgericht, das den verkaufsoffenen Sonntag stoppte, Schlagzeilen gemacht. „Als Mensch und Organisation sind wir nicht immer ganz bequem“, sagte Verdi-Gewerkschafter Wertmüller. Er war aber auch maßgeblich daran beteiligt, den Massenprotest gegen den AfD-Bundesparteitag zu organisieren. Die Bürgermedaille sieht er nicht als seinen Verdienst, sondern als den der Bürger, die dem Aufruf, gegen den AfD-Parteitag zu demonstrieren, gefolgt waren. Mehr als 20 000 Menschen seien auf die Straße gegangen, und das trotz der Warnungen, es könnte Krawall geben, betonte Wertmüller.

„Stark, mit einer klaren Haltung, einfordernd und für die eintretend, die eine nicht so laute Stimme haben“, so beschrieb Markurth die Braunschweiger Kinderschutzbundvorsitzende Dr. Regina Olshausen, die das Kinder- und Jugendtelefon, aber auch Projekte wie die Familienpaten und Bildungspaten für junge Flüchtlinge initiiert hat.

Der Verein Cura mit seiner Beratungsstelle in der Münzstraße „füllt die Lücke, die Bewährungshilfe und Ehrenamtliche allein nicht füllen können.“ Markurth würdigte die Arbeit des Vereins, der straffällig gewordene Menschen dabei unterstützt, „wieder Halt unter den Füßen zu bekommen.“ „Sich für die Schwachen einzusetzen, macht die Stärke einer Stadt aus“, sagte er abschließend.
Es sind übrigens die Fraktionen im Rat der Stadt, die künftige Preisträger der Bürgermedaille vorschlagen. Die Entscheidung darüber treffen die Mitglieder im Verwaltungsausschuss. Das erklärt die thematische und gesellschaftliche Bandbreite der Menschen und Projekte.

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