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„Das ist auch für mich Gefühl pur“

„Arne Stephan is coming to town“ – Die NB sprach mit ihm kurz vor seinem Weihnachts-Gastspiel in der Martinikirche

Arne Stephan. Foto: BZV-Archiv/Florian Kleinschmidt

Gefühlt ist Arne Stephan längst Braunschweiger. Aber das täuscht. Der Hamburger lebt seit 16 Jahren in Berlin Charlottenburg ­– aber im Sommer, zur Weihnachtszeit und zwischendrin – also immer, wenn das Duo Eitner-Schanz etwas auf die Bühne stellt – gehört Arne Stephan nach Braunschweig: in den Lokpark, die VW-Halle, ins Staatstheater, ins Spiegelzelt und – ziemlich neu – im Rahmen des Wintertheaters in die Martinikirche.

Mit seinem zweiten Weihnachtskonzert. Musikalische Gäste sind Amanda Whitford, Tom Bennecke, Christian Winninghoff, Stephan Grawe. Die NB sprach mit dem 37-Jährigen kurz vor seinem Gastspiel „Arne Stephan is coming to town.“

Dreimal gastieren Sie in der Martinikirche, zwei Abende sind bereits ausverkauft. Macht Sie das stolz?
In erster Linie bin ich dankbar und froh, dass das Publikum mich und meine Gäste so herzlich aufnimmt. Wir sind jetzt das zweite Jahr in der Kirche, ich bin nach wie vor aufgeregt.

Angefangen haben Sie als Musicaldarsteller, inzwischen sind Sie auch ein bekannter Schauspieler. Aber ein Konzert scheint noch einmal etwas Besonderes zu sein?
Auf jeden Fall. Nach zehn Jahren mit der Jazzkantine in verschiedenen Produktionen hatte mich Christian Eitner gefragt: „Hast du nicht mal Lust auf etwas Eigenes? Gib ein Konzert, du kannst das.“ Mir ist das Herz in die Hose gerutscht, aber Christian hat mir Mut gemacht.

Wie fühlte sich der erste Gig an?
Überwältigend. Und das ist es immer noch.
Über Ihr Privatleben sprechen Sie nicht gern, aber ob Ihr Herz vergeben ist, das dürfen wir schon fragen, ja?
Ich bin sehr glücklich und damit ist alles dazu gesagt.

Angenommen, Sie bekommen Kinder und die möchten irgendwann Musicaldarsteller werden. Was sagen Sie?
Denkt nochmal gut nach.

Wie alt waren Sie, als Sie anfingen?
Ich habe mit 16 die Schule beendet und bin auf die Stage School nach Hamburg gegangen. Meine Eltern haben das unterstützt. Zunächst bin ich gependelt, später hatte ich ein WG-Zimmer.

Dennoch würden Sie Ihren Kindern raten, erst noch einmal nachzudenken. Warum?
Weil es ein knochenharter Weg ist. Ich war beispielsweise mit Cats auf Europatournee. Das heißt, acht Shows in der der Woche, das bedeutet Leben auf Verschleiß. Daneben passiert auch sozial nicht mehr viel. Man muss sehr gut auf sich aufpassen.

Wie haben Sie das gemacht? Auf sich aufpassen? Haben Sie einen Tipp für den Nachwuchs?
Ja. Ich habe immer gewusst: Du musst dich breit aufstellen. Zusätzlich zur Musicalausbildung habe ich Schauspiel- und Tanzunterricht genommen, meine Stimme trainiert, und meinen Körper.

Welches Fach ist besonders schwierig?
Das Singen. Das ist immer auch Druck. Denn die Stimme muss fit sein, ich pflege mein Instrument mit Tee, Schal und Stimmübungen.

Wie kam der Kontakt nach Braunschweig?
Ich habe irgendwo gelesen, dass ein „Josef“ gesucht wurde und da habe ich mich beworben. Schon der erste Kontakt war großartig. Seitdem gehöre ich hier zur Familie. Die Weihnachtsgeschichte kam für mich genau zur richtigen Zeit.

Was heißt das?
Zwei Bandscheibenvorfälle hatten mir gezeigt, dass ich in dem Tempo wie bisher nicht weitermachen sollte. Auch das mitunter eisige Klima in den großen Produktionen hat mir zugesetzt. Hier in Braunschweig habe ich schließlich meine Liebe zur Bühne wiedergefunden.

Stichwort: Brotlose Kunst. Wie sieht es mit dem Verdienst und der finanziellen Sicherheit in Ihrem Beruf aus? Haben Sie auch da einen Tipp für den Nachwuchs?
Ich war jetzt zum Stammtisch unseres Berufsverbandes in Berlin, es ging um das Thema Rente. Es waren nur ganz wenige Kollegen da. Das fand ich erstaunlich, denn das Thema brennt uns Künstlern eigentlich auf den Nägeln. Ich bin zum Glück Hanseat, habe gut gewirtschaftet. Und vor allem in den Fernsehserien auch gut verdient. Aber ich brauche das Geld immer wieder auch als Puffer zwischen Engagements. Meine Grundlage ist das Synchronisieren. Deshalb lebe ich auch in Berlin, hier sind die großen Studios. Dieses Jahr war die Titelrolle im Disneyfilm „Aladdin“ von Regisseur Guy Ritchie ein Highlight. Ein großes Glück, die verschiedenen beruflichen Welten leben zu können. Große Fernsehproduktionen, die konzentrierte Arbeit im Studio oder eben, so wie jetzt, ein Weihnachtskonzert in einer Kirche. Das ist auch für mich Gefühl pur.

Info:

„Arne Stephan is coming to town“ in der St. Martinikirche. Am Freitag, 29. November, und Samstag, 30. November, jeweils um 20 Uhr (beide ausverkauft). Tickets gibt’s noch für die Zusatzshow am Sonntag, 1. Dezember, 18 Uhr unter www.konzertkasse.de oder www.wintertheater.de.

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