„Das ist hier so was wie eine Zweitfamilie“ | Neue Braunschweiger
27. Juli 2019
Kulturelles

„Das ist hier so was wie eine Zweitfamilie“

Das neu gegründete Musical Ensemble Braunschweig probt das Stück „Chaplin“. Hauptdarsteller ist der 19-jährige Julius Böhning (auf der Bank). Außen links Clemens Bahn, außen rechts Katarina Krüper. Foto: Stefanie Druschke

Es gibt viele Menschen, die einen gemeinsamen Traum haben: Ein Mal auf der Bühne stehen – als Schauspieler, als Sänger, als Musiker. Das Musical Ensemble Braunschweig gibt ihnen die Möglichkeit dazu. Der seit Februar offiziell eingetragene, gemeinnützige Verein hat aktuell 45 Mitglieder, die derzeit proben, proben, proben. Denn Ende August bringen sie ihr erstes Projekt auf die Bühne und dafür hängen sich alle ordentlich rein.

„Seit Beginn der Sommerferien üben wir täglich. Das ist intensive Rollenarbeit, da werden sämtliche Einzelszenen erarbeitet“, erzählt Clemens Bahn, stellvertretender Vorsitzender des Vereins und gleichzeitig Dirigent und Mitakteur auf der Bühne. Gemeinsam mit Katarina Krüper, der Vorsitzenden des Vereins, leitet er seit sieben Jahren die Musicalschule OnStage. Hier können Menschen, die beruflich in diese Richtung gehen wollen, intensiv üben und sich beispielsweise auf Aufnahmeprüfungen vorbereiten lassen.
Die Idee zum Musical Ensemble Braunschweig wurde aufgrund zahlreicher Anfragen geboren. „Mit dem Verein wollen wir Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer Leidenschaft für Gesang, Tanz und Schauspiel ansprechen und zusammenführen“, erklärt Bahn.

Eine Herausforderung: Schließlich handelt es sich um ambitionierte Laien mit – in der Regel – wenig Erfahrung und in einem breiten Altersspektrum. „Unsere Jüngste ist sieben, der Älteste um die 70“, so Katarina Krüper. Alle Vereinsmitglieder zahlen einen monatlichen Beitrag, der zwischen zwei und vier Euro liegt. Sie kommen aus Braunschweig, aber auch aus Vechelde, Peine, Hildesheim, Wolfsburg, Vienenburg und sogar Hannover. Als erstes Projekt hat sich das Ensemble das Musical „Chaplin“ über das Leben und Wirken des berühmten Komikers vorgenommen. Ursprünglich sollte es schon 2019 aufgeführt werden, doch Verzögerungen bei der Eröffnung des vorgesehenen Veranstaltungsortes, dem WESTand, bremsten diese Pläne aus. Nun eben dieses Jahr.

Zunächst gab es für alle Mitglieder eine Besetzungsliste für das Stück mit allen Rollen und den entsprechenden Anforderungen (Textmengen, Tonhöhe, Alter). Anschließend wurden die Interessierten in „Auditions“ gecastet, wurden Gesangs- und Tanztalent abgefragt. „Dabei ging es auch darum, die Teilnehmer zu schützen. Es soll ja niemand vorgeführt werden. Das war aber alles ganz offen und stressfrei. Wir sind hier so was wie eine Zweitfamilie. Alle motivieren und unterstützen sich gegenseitig“, erzählen Bahn und Krüper.
„Chaplin“ ist ein Musical von Thomas Meehan, das 2006 am Broadway Uraufführung hatte. „Wir sind nach dem Staatstheater Osnabrück erst das zweite Ensemble, das dieses Musical in Deutschland aufführt“, berichtet Clemens Bahn.

Der große Charlie Chaplin. Foto: pxhere/oh

Das Stück beschreibt das komplette Leben des einflussreichsten Komikers der Filmgeschichte, der 88 Jahre alt wurde. „Dabei gehen wir natürlich auch durch ganz viele Mode-Jahrzehnte“, beschreibt Katarina Krüper die Herausforderung für die Requisite. Vier Mitglieder des Ensembles haben Unmengen von Kostümen genäht, Accessoires und Zubehör auf Ebay und Amazon zusammengesucht. Alle Darsteller sind höchst motiviert: „Nur ganz selten kommt mal einer unvorbereitet zur Probe. Wir können sehr stolz sein“, lobt Krüper den Ehrgeiz und den Fleiß der Truppe. Allein Chaplin-Darsteller Julius Böhning ist 95 Prozent der Aufführungszeit auf der Bühne und hat eine irrsinnige Menge Text zu lernen. Der Großteil der Schauspieler ist mehrfach besetzt, weil das Musical viele kleine Statistenrollen vorsieht. Manche haben bis zu sieben „Umzüge“. Geprobt wird vornehmlich abends ab 18 Uhr und an den Wochenenden. Dazu wurde ein komplizierter Plan ausgetüftelt, schließlich gehen fast alle einem Beruf nach und haben auch noch anderweitige Verpflichtungen.

Begleitet werden die Sänger, Tänzer und Schauspieler von einem Orchester aus 13 Ensemble-Mitgliedern. „Von Beginn an waren Klavier, Posaune, Querflöte und Geige „an Bord“ – für die Besetzung der restlichen Instrumente wurde regelrechte Akquise gemacht.

Wer Lust bekommen hat, sich ebenfalls im Musical Ensemble zu engagieren – sei es auf der Bühne oder dahinter, im Orchester oder als förderndes Mitglied, ist willkommen. 2020 soll ein „Revuesical“ aufgeführt werden. Wer möchte, kann sich ab September schon einmal vormerken lassen, die Projektarbeit beginnt Anfang des nächsten Jahres.

HIER GIBT’S TICKETS:

Das Musical „Chaplin“ wird an folgenden Terminen im WESTand, Westbahnhof 13, aufgeführt:

Samstag (24. August) um 19.30 Uhr
Sonntag (25. August) um 16.30 Uhr
Freitag (30. August) um 19.30 Uhr
Samstag (31. August) um 19.30 Uhr

Karten gibt es im Vorverkauf unter:
www.konzertkasse.de/ Hotline: 0531/16606
sowie in der OnStage – school of musical, Langer Hof 2F.

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