Das Kinojahr 2018: Blockbuster und Klimawandel

Nach Einschätzung von C1-Theaterleiter Frank Oppermann fiel 2018 für die Branche eher durchwachsen aus

„Bohemian Rhapsody“, landete unter den Top 10 bei den Braunschweigern. Foto: 20th Century Fox

Innenstadt. Marvel und Netflix: Für C1-Chef Frank Oppermann lässt sich das abgelaufene Kino auf diese beiden Schlagworte reduzieren. „In Deutschland kommt vielleicht noch ein drittes dazu: Klimawandel. Tatsächlich muss sich die Szene Gedanken machen, wie sie auf die immer heißer werdenden Sommer reagiert“, sagt Oppermann über neue Herausforderungen.

Ein Blick über den Tellerrand Richtung USA zeige: „Im Land der Klimaanlagen wird der Kinobesuch als Wohltat empfunden. Und so meldeten die nordamerikanischen Kinos Mitte November bereits eine neue Rekordmarke“, so der Kinofachmann.
Und hierzulande? Das Filmjahr 2018 scheint erneut bestimmt von Blockbustern, die nach Oppermann „wie Stürme durchs Kino fegen und doch nur laue Lüftchen produzierten.“ Unter den Top 10 in Deutschland fänden sich neben „Bohemien Rhapsody“ nur Franchises. „Hollywood-Blockbuster erschienen noch nie so gleichmäßig und daher verwechselbar, so unbegierig und daher gleichtönend wie jetzt. Sie alle wollen das große Spektakel und waren doch nur weitere Aufgüsse des ewig Gleichen“, kritisiert der C1-Chef. Oppermann sieht eine „Marvelisierung“ des Kinos. „Nur die ‘Phantastischen Tierwesen’ verzeichneten 2018 in einem furiosen Schlussspurt kurz vor Jahresende mehr Besucher als ‘Marvels Avengers 3: Infinity War’. Und das deutsche Kino? Bis auf Bora Dagtekin wurde alles aufgefahren, was Rang und Namen hat: Bully Herbig, Til Schweiger, Sönke Wortmann und

Florian Henckel von Donnersmarck gingen an den Start mit neuen Filmen; Matthias Schweighöfer zeigte sich gleich in zwei Hauptrollen. Den Heimsieg holten sich zwei Family-Produktionen: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und „Die kleine Hexe“. „Immerhin blitzte zum Jahresausklang mit ‘Der Junge muss an die frische Luft’ endlich auf, dass das erwachsene Publikum wohl etwas länger braucht, um dem eigenen Markt sein Vertrauen respektive einen Kinobesuch zu schenken“, schätzt Oppermann ein.

Starke Frauenfiguren

Was auffällt: Die wirklich aufsehenerregenden Filme hatten fast alle weibliche Heldinnen. Dieses Jahr gab’s vier Oscars für „The Shape of Water“. Sally Hawkins befreite in diesem düster romantischen Fantasy-Märchen einen Wassermann aus einem US-Geheimlabor. Dass sie dafür nicht auch den Oscar als beste Schauspielerin bekam, lag nur daran, dass Frances McDormand genau so grandios aufspielte in „Three Billboards Outside Ebbing Missouri“. Auch bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises stand eine Frau im Rampenlicht: Marie Bäumer, die sich in „3 Tage in Quiberon“ buchstäblich in die Schauspiel-Legende Romy Schneider verwandelt hatte. Sieben „Lolas“ gab es dafür.

Kino als Event

„Dass sich Kino immer besser als Event verkaufen lässt, zeigt auch ein Blick auf die boomenden Filmfestivals, zu denen auch das Braunschweiger Filmfest zählt“, freut sich der C1-Theaterleiter, der trotz aller Kritik das Kino nicht als aussterbende Gattung sieht.
„Der Medienkonsum junger Menschen verändert sich dramatisch. Und der weltweite Serien-Boom hält ja tatsächlich auch an.“ All das spräche aber nicht gegen das Kino.
„Am besten demonstrierte das ein Film, der die klassische Auswertungskette in Frage stellte: das von Netflix produzierte mexikanische Schwarz-Weiß-Werk ‘Roma’ gewann bei den Filmfestspielen in Venedig den ‘Goldenen Löwen’ und wurde von der internationalen Presse zu Recht als Meisterwerk gefeiert“, gibt Frank Oppermann ein Beispiel.

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