Das kommt davon: Und plötzlich bin ich auf dem Plakat | Neue Braunschweiger
4. Oktober 2020
Buntes

Das kommt davon: Und plötzlich bin ich auf dem Plakat

Wie NB-Redakteurin Stefanie Druschke über ein regionales Model-Casting berichtete und am Ende selbst für ein Shooting vor der Kamera stand

NB-Redakteurin Stephanie Druschke wirbt ab sofort niedersachsenweit für die Einhaltung der Coronaregeln.

Braunschweig. Derzeit hängen in Braunschweig (und sogar in meinem Heimatdorf) zahlreiche Großplakate der niedersächsischen Anti-Corona-Kampagne. Auf einem dieser Motive finde ich mich wieder. Wie das passieren konnte? Nun, meine Oma hätte gesagt: „So was kommt von so was!“

Als ich im Frühjahr vergangenen Jahres für die NB eine Reportage über über ein regionales Model-Casting machte, konnte ich noch nicht ahnen, was als „Spätfolge“ daraus werden würde. Aber der Reihe nach…

Zweimal im Jahr ist im Fotostudio von Hanno Keppel auf dem Großmarktgelände richtig was los. Wenn der Braunschweiger Fotograf zum regionalen Casting aufruft, möchten viele gern mal vor seiner Kamera posieren. Dass eine große Modelkarriere daraus wird, ist eher unwahrscheinlich. Aber vielleicht der ein oder andere Auftrag, der Spaß macht und auch ein bisschen Selbstbestätigung bringt, wenn man für ein Shooting ausgewählt wird. Ich sprach also an diesem Tag mit vielen Teilnehmern über ihre Motivation, schaute mir ihre Shootings an, sammelte Eindrücke. Weil ich durchaus neugierig bin, stellt ich mich selbst auch vor Hannos Kamera – und landete so in seiner Kartei. Ehrlich gesagt, habe ich keinen Gedanken daran verschwendet, dass daraus ein wirklich einmal Auftrag werden könnte…

„Hängt“ gerade auf Plakaten „rum“: NB-Redakteurin Stefanie Druschke. Foto: Lilli Druschke

Bis über ein Jahr später mein Telefon klingelt: Mein Typ ist gefragt. Ich bin gleichermaßen überrumpelt wie erfreut und sitze am Folgetag aufgeregt im Zug nach Uelzen. Treffpunkt Hundertwasserbahnhof. Die Location für das Shooting hat die Dresdner Agentur Wildstyle Network ausgesucht, für eines von zahlreichen Motiven der Kampagne „Wir sind stärker! Niedersachsen gegen Corona“.

Vor dem Bahnhof finden wir uns schnell als Gruppe zusammen. Mit dabei ist Mario aus Abbesbüttel. Für den 27-jährigen VW-Mitarbeiter ist das Shooting auch eine Premiere: „Ein Freund von mir hatte schon häufiger Shootings. Über ihn bin ich dazu gekommen“. Malick bringt dagegen bereits Erfahrung mit. Seit rund zehn Jahren ist der 37-jährige Braunschweiger schon im Geschäft, hat schon einige Aufträge von Hanno bekommen. „Eigentlich hatte ich damals nur meine Freundin zum Casting begleitet“, schmunzelt der Softwareentwickler. Dass er im Gegensatz zu ihr bereits mehrfach zum Einsatz kam, hat sie ihm aber nicht übel genommen: Inzwischen ist sie seine Frau.

Die vierte im Bunde ist Ronja. Die 30-jährige kommt aus Uelzen, leidet seit ihrem zwölften Lebensjahr an einem Nervenleiden und sitzt seit acht Jahren im Rollstuhl. Als Rollstuhl-Model stand auch sie bereits mehrfach vor der Kamera.

Passt alles? Hanno Keppel checkt die Motive am Laptop. Foto: oh

Bevor es losgeht, checken Hanno Keppel und Lutz Reuter von der Werbeagentur unsere Outfits. „Zieh was an, worin du dich wohlfühlst“, hatte Hanno gesagt. Zur Sicherheit habe ich ein Wechsel-Outfit dabei, wir sollten ohnehin ein kleines Reisegepäckstück mitbringen. Meine weiße Hose wird gleich „ausgemustert“, ich soll sie gegen eine dunkle tauschen. Malick muss seine Jacke überziehen, Mario einen Pullover und Ronja streift ihren Cardigan übers Top – wir sollen nicht zu sehr nach Hochsommer aussehen. Deshalb auch: „Keine Sonnenbrillen bitte!“ Blöd, dass der Sommer sich gerade heute mit knapp 30 Grad von der heißesten Seite zeigt…

Dann beginnt das Shooting – immer wieder unterbrochen von längeren Pausen, denn wir werden vom Fahrplan der Bahn bestimmt. Wann kommt der nächste Zug? Aus welcher Richtung? Wie lange hält er?
Wir stellen uns auf dem Bahnsteig auf, Hanno möchte uns beim Einsteigen in den Zug als Gruppe in Szene setzen. „Nimm den Kopf etwas höher, dreh dich etwas zu mir, geh’ einen halben Schritt zurück“. Wir tun so, als ob wir einsteigen, bewegen uns ein paar Schritte vorwärts, dann wieder zurück, immer wieder aufs Neue – und haben bei dieser merkwürdigen Choreografie ein interessiertes Publikum.

So mancher Fahrgast wundert sich über unser „Einsteige-Ballett“, andere halten uns für echte Mitreisende und wollen hilfsbereit mit anpacken, weil sie denken, Ronja möchte samt Fahrstuhl tatsächlich einsteigen.
Zwischendurch checkt Visagistin Nadja immer wieder unsere Gesichter. Viel mehr als Stirn und Augen sieht man zwar eh nicht – wir tragen ja Masken, Glanz ist trotzdem nicht gefragt.

Nach jeder Einstellung prüfen Hanno und Lutz die Bilder direkt am Laptop bis es irgendwann heißt: „Alles im Kasten, da sind genug schöne Motive dabei“. Das Foto-Shooting war, da sind wir „Models“ uns einig, ein Riesenspaß. Bereits wenige Tage später finde ich „unser Motiv“ auf den Social-Media-Kanälen des Landes Niedersachsen. Jetzt hängen die Plakate. Dass ich deswegen nicht Stolz platze und mir womöglich allzu viel darauf einbilde, dafür sorgt schon mein rotzfrecher Göttergatte: „Die haben dich doch nur ausgesucht, weil du eine Maske tragen musstest“. Oma hätte gesagt: „So was kommt von so was“…

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