Den Kopf hoch oben in den Sternen | Neue Braunschweiger
3. Januar 2020
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Den Kopf hoch oben in den Sternen

Bernd Hartwig über einen falschen Kometen, einen uralten Katalog und eine große Faszination

Messier 1 oder kurz M1 ist das erste Objekt im Messier-Katalog. Es zeigt einen Nebel, der entstanden ist, als ein Stern am Ende seines Lebens in einer Supernovaexplosion starb. Im Jahre 1054 erstrahlte ein heller Stern am Taghimmel. Das war der Todesblitz vom Stern in M1. Durch die Explosion wurde Sternmaterial in den Weltraum geblasen und es expandiert heute noch mit hoher Geschwindigkeit. Foto: Bernd Hartwig

Hondelage. Der größten Entdeckerfreude folgte die tiefste Niedergeschlagenheit, nachdem sich der vermeintliche Komet nach Stunden der Beobachtung als unbeweglicher Nebelfleck im weiten All erwiesen hatte.

So einem Nebelfleck war der Astronom Charles Messier am 18. August 1758 aufgesessen – dies sollte zu einer Sternstunde der Astronomie führen. Charles Messier begann, alle stillstehenden Nebelflecken zu beschreiben und ihre Koordinaten in einem Katalog festzuhalten. Damit wollte der „Kometenjäger“ Messier jede Verwechslungsgefahr ein für alle Mal aus der Welt schaffen. Der Messier-Katalog mit seinen 110 Objekten gehört noch immer zu den Standardwerken der Astronomie. Die Sternfreunde Hondelage stellen das Meisterwerk in den Mittelpunkt ihres nächsten Besuchertages.
Jeder Mensch sieht und findet etwas anderes in den Sternen. Bernd Hartwig interessiert speziell die Technik. „Das Zusammenspiel von Gerätetechnik, Software un

d Mensch“, konkretisiert er. Wie bei einem Räderwerk müsse eines ins andere fassen. Um Himmelskörper zu fotografieren, „belichten wir stundenlang.“ Mit unglaublicher Präzision müssen die Himmelskörper auf ihrer Bahn verfolgt werden, damit sie im Bild nicht als Ei erscheinen.

Bernd Hartwig engagiert sich bei den Sternfreunden Hondelage und verbringt viele Stunden in den Sternen.

Vor diesem Wissenshintergrund sei es schon sehr bemerkenswert, was Menschen wie Charles Messier oder Galileo Galilei zu ihrer Zeit herausgefunden haben. Bernd Hartwig bewundert die unglaubliche Energie, Zeit und Muße, die sie aufgewendet haben. Das sei heute ohne Vergleich. Die „Lichtverschmutzung“ ist ein Problem unserer Zeit. Unabhängig von den damaligen optischen Geräten müsste sich Galileo in die hinterletzte Ecke Mecklenburg-Vorpommerns zurückziehen, um überhaupt noch etwas zu sehen.

Der Blick in die Sterne bleibt nicht ohne Einfluss auf das Leben am Boden. „Ich nehme mich selbst nicht mehr so ernst, man selbst wird kleiner“, sagt Hartwig. Die Wertschätzung größer: „Die Natur hat einen guten Plan gehabt, das ist alles schon sehr ausgefeilt.“ Dass Wasser als einzige Flüssigkeit bei vier Gard ihre höchste Dichte aufweist und flüssig ist, sei ein bemerkenswertes Detail. „Ohne diese Eigenschaft wäre Leben nicht möglich gewesen“, sagt Bernd Hartwig. Jeden Winter wiederholt sich das Wunder vor unseren Augen und lässt Fische im vier Grad warmen Wasser am Grund zugefrorener Seen überleben.

Und was bringt uns nun das Sternenjahr 2020? So richtig große „Highlights“ wird es nicht geben. Da war 2019 mit zuletzt dem Merkur-Durchgang spektakulärer. „Es ist ein Privileg unserer Generation, dass wir davor schon die Venusdurchgänge 2004 und 2012 erleben durften“, sagt Hartwig. Die anderen müssen warten – bis zum Jahr 2117. Wie gut, dass auch ohne Venusdurchgang oder Sonnenfinsternis für Sternengucker jedes Jahr ein „Sternenjahr“ ist. Bernd Hartwig und die anderen Sternenfreunde lassen Interessierte gern an ihrer Leidenschaft teilhaben. Selbst der so oft gesehene Mond hat noch immer Strahlkraft. Ein „Mondspaziergang“ vorbei an tiefen Kraterlandschaften, das sei besonders für Neulinge faszinierend und wunderschön. Wer tiefer in die Materie einsteigen will, ist bei den Treffen der Teleskop-Gruppe willkommen. Zwecks Terminabsprache wird um eine Mail an info@sternfreunde-hondelage.de gebeten.

Besuchertag

Besuchertag in der Hans-Zimmermann-Sternwarte Hondelage am Dienstag, 14. Januar, ab 19 Uhr. Vorgestellt werden die Himmelsobjekte, die der Astronom Charles Messier in seinem Katalog aufgelistet hat, um sie nicht mit Kometen zu verwechseln. Bei gutem Wetter können die Besucher mit den eigenen Augen von der Terrasse aus oder durch das Teleskop den Sternenhimmel beobachten. Der Eintritt ist im Januar frei, aber die Sternfreunde freuen sich über Spenden.

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