„Den Menschen in Not verpflichtet“

Freimaurer spenden 5000 Euro und stellen sich und ihre Arbeit in einer Ausstellung im Altstadtrathaus vor.

Kurt Lemmer ist vor 32 Jahren über seinen Schwager zu den Freimaurern gekommen, seit eineinhalb Jahren ist er Meister vom Stuhl der Loge „Carl zur gekrönten Säule“. Foto: Ammerpohl

Von Andreas Konrad, 13.04.2014.

Braunschweig. Wenn Kurt Lemmer von der „Weltbruderkette“ spricht oder von jahrhundertealten Ritualen und starken Symbolen berichtet, sitzt man hellhörig in einer fremden Welt. Dass fremd nicht böse ist, dagegen kämpfen die Freimaurer fast seit es sie gibt. Kurt Lemmer ist einer von ihnen.

„Jeder Mann von gutem Ruf kann zu uns kommen.“ Ein Satz, bei dem es vielleicht vor allem mancher Frau die Schuhe auszieht, die allerdings bereits eigene Logen haben. Lemmer, Meister vom Stuhl, so nennen sich die Vorsitzenden der als eingetragene Vereine organisierten Logen, sieht darin vor allem das Bewahren von Tradition. Und er versteht den Satz als ehrlich gemeinte Einladung, sich mit der Arbeit der Loge „Carl zur gekrönten Säule“, eine von Dreien im Braunschweiger Logenhaus auf dem Löwenwall, zu befassen.
Der Begriff „Arbeit“ ist übrigens auch Teil des traditionellen Freimaurer-Wortguts. Heute würde man dies vermutlich Projekt nennen. Ein Projekt wie die „Stiftung Einsatzopfer“ beispielsweise. Sie besteht seit 1994 und bezweckt, Polizeibeamten, Feuerwehr- oder Rettungskräften oder deren Angehörigen, bei Bedürftigkeit Unterstützung zu gewähren, wenn diese im Dienst verletzt werden. Frauen und Männern. Dazu werden ohne Abzug von Verwaltungskosten die gesamten Zinserträge des Stiftungskapitals zur Verfügung gestellt.
Oder ein Projekt wie die Spendenübergabe am vergangenen Dienstag (8. April) zum 270. Geburtstag der Loge an das Braunschweiger Hospiz (3000 Euro) und an die Organisation „Solwodi“ (Solidarität mit Frauen in Not), die sich für ausländische Mädchen und Frauen engagiert, die Opfer von Menschenhandel geworden sind. „Wir fühlen uns traditionell gegenüber in Not geratenen Menschen in der Stadt verpflichtet“, begründet Lemmer das Engagement. Humanität stehe bei den 55 Brüdern der Loge im Vordergrund, Parteipolitik oder Religion spielten keine Rolle. Klar sei aber auch, dass über das, was einem Bruder erzählt wird, nichts nach außen dringe. Hört sich verschwörerisch an und wurde den Freimaurern, so Lemmer, auch oft als solches angelastet. Es sei aber bei Licht betrachtet vollkommen normal, dass man Dinge, die im Vertrauen erzählt werden, für sich behielte.
In der Nazi-Zeit wurden 1935 nicht zuletzt deshalb alle Freimaurer verboten, die Werte und das Geheimnisumwitternde hätten dem Regime nicht ins Konzept gepasst, sagen die Freimaurer. Zuvor verloren fast alle Logen in der Zeit der Depression ihr Stiftungskapital. 1945 bekamen die drei Braunschweiger Logen ein von den Nationalsozialisten ehemals konfisziertes Logenhaus als Wiedergutmachung übertragen. Seitdem teilen sich die Logen „Carl zur gekrönten Säule“, „Johannis zum neuen Tempel“ und „Friedrich zur Beständigkeit“ das Haus der Bruderschaft am Löwenwall.
Gemeinsam suchen die drei Logen jetzt auch verstärkt den Weg in die Öffentlichkeit. Am 18. Juni wird im Altstadtrathaus die „Freimaurerausstellung“ eröffnet. Sie läuft bis zum 27. Juli und lädt ein, sich umfassend über Geschichte, Symbole und das Logenleben in Braunschweig zu informieren.

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