5. März 2022
Menschen

Der Alltag hilft, Kraft zu schöpfen

Die Ukrainerin Zoya Trupp sorgt sich um Familie und Bekannte im Heimatland

Zoya Trupp bei einer Demonstration vor dem Schloss. Ihr Verein organisiert gerade einen Flüchtlingstransport. BZV-Archiv: Bernward Comes

Braunschweig. An Schlaf ist schon seit Tagen nicht mehr zu denken. Zu groß ist die Sorge um Familie, Freunde und Bekannte. Zoya Trupp, zweite Vorsitzende des Vereins Freie Ukraine Braunschweig, ruft täglich in der Heimat an. Wie geht es? Wie ist die Lage? Leben noch alle?

„Es ist die Hölle. Manchmal muss ich mich ablenken. Wie soll man sonst den Menschen zu Hause Kraft geben?“, sagt sie. Ihr helfe in diesen Momenten der ganz normale Alltag, die Routine. Essen, einkaufen, arbeiten.
Zoya Trupp kam 2014 nach Braunschweig, arbeitet hier als pädagogische Fachkraft und hätte nie gedacht, dass sie mit ihrem Verein einmal Hilfe in einem Krisenfall leisten muss. „Wir sind 50 Familien und pflegen normalerweise unser kulturellen Traditionen“, sagt sie beim Telefongespräch in dieser Woche und lacht traurig. Jetzt steht die Stadt mit dem Verein in engem Austausch, um den Flüchtlingstransport zu organisieren. Mit 20 Bussen sind die Mitglieder an die ukrainische Grenze gefahren, um von dort Mütter und Kinder nach Braunschweig zu bringen.

„Wir haben uns in Teams aufgeteilt, um das jetzt Nötige möglichst gut zu organisieren“, erzählt die 40-Jährige. Eine Gruppe kümmert sich um die Medikamentensammlung, eine andere um die psychologische Betreuung der Flüchtlinge. Zoya Trupp selbst hat die Öffentlichkeitsarbeit übernommen, ihr Handy klingelt pausenlos. Die Hilfsbereitschaft der Braunschweiger sei enorm, ist sie unendlich dankbar über die vielen ehrlichen Solidaritätsbekundungen, bittet aber, von Sachspenden im Augenblick abzusehen. „Wir haben keine Lagermöglichkeiten, suchen aber welche. Wer also eine Garage oder einen Keller zur Verfügung stellen möchte, kann sich gerne bei uns melden.“

Auch von ihren Bekannten wollen einige die Ukraine verlassen, andere wollen bleiben. „Das ist doch unser Land“, sagen sie, erzählt Zoya Trupp. Manche hätten auch systemrelevante Berufe, die jetzt besonders wichtig seien. Die Ukrainerin ist stolz auf die Hilfsbereitschaft ihrer Landsleute untereinander in dieser schweren Zeit. „Wer kann spendet Lebensmittel, Decken, backt Brot, liefert Benzin“, sagt sie und sieht bei allem Schrecken noch etwas Positives. „Zum ersten Mal werden wir richtig wahrgenommen.“

Der Verein hat ein Spendenkonto für humanitäre Hilfe in der Ukraine eingerichtet. Alle Informationen unter www.freieukraine-braunschweig.de.

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