Der Fotograf aus Thale | Neue Braunschweiger
8. November 2014
Menschen

Der Fotograf aus Thale

Für nB-Fotograf Thomas Ammerpohl war die Grenzöffnung ein besonders emotionaler Moment.

Andrang auf dem Kohlmarkt. Die Menschen aus der DDR nahmen das Warenangebot dankbar an. Fotos. T.A.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 09.11.2014.

Braunschweig. An Ina, Susanne und Maja erinnert sich nB-Fotograf Thomas Ammerpohl gut. Er traf die Mädels aus der DDR direkt nach dem Mauerfall.

Thomas Ammerpohl hat ein besonderes Verhältnis „zum Osten.“ Er wurde in Thale im Ostharz geboren, 1954 flüchtete seine Familie in den Westen. Da war Thomas sieben Jahre alt.
„Den Mauerfall habe ich zunächst vor dem Fernseher erlebt“, erzählt er, „ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich an die Bilder denke.“ Aber – der Mann ist Fotograf, also hat er sich seine Kamera geschnappt und ist direkt ins Geschehen gefahren. „Zwischen Salzwedel und Brome kamen die ersten Trabis über die Grenze“, weiß er noch.
Und hier hat er auch die drei Mädels getroffen. „Sie kamen aus Beetzendorf und ließen sich bereitwillig für die nB fotografieren“, erzählt Ammerpohl. „Allerdings hatte ich ihnen auch versprochen, eine Zeitung nach Beetzendorf zu bringen.“ Und das hat er getan.
Auch seinen Geburtsort Thale hat Ammerpohl besucht. „Es hatte sich nichts verändert“, sagt er. Wenig später ist Ammerpohl die Grenze abgefahren und hat sie dokumentiert. „Von Marienborn bis Harzburg“, erinnert er sich. Und auch Braunschweigs Partnerstadt Magdeburg hat er porträtiert. „Braunschweigs damaliger Bürgermeister Gerhard Glogowski hatte mir ein offizielles Schreiben mitgegeben, das öffnete mir in Magdeburg alle Türen“, blickt Ammerpohl zurück. Er traf viele Menschen, die ihm ihre Geschichte erzählten. Unter anderem fotografierte er eine junge Frau vor dem Stasigefängnis, in dem sie über Monate eingesperrt war. Wegen „versuchter Republikflucht.“

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