24. September 2018
Kultur

Der Herzog hat „gnädigst befohlen“ …

Eines der ersten Schulbücher wird im Schulmuseum gezeigt – Es geht auf den Braunschweiger Herzog Karl I zurück

Dieses historische Schulbuch ist eines der ersten seiner Art und reformierte das Schulwesen. Karl I. ließ es einführen, Es ist auch in Braunschweig gedruckt worden. Foto: Archiv BZ

Gifhorn/Steinhorst. Rechts oder links? Schwere Entscheidung irgendwo im nirgendwo, auf der Bundesstraße 4 an der Kreuzung Großer Kain, dort, wo immer wieder schwerste Unfälle passieren. Also bitte aufpassen, wir sind schließlich allein zum Vergnügen hier. Also: links oder rechts?

Rechts geht es Richtung Hankensbüttel, dorthin, wo die Otter wohnen und im gleichnamigen Naturerlebniszentrum mit diversen anderen Marderartigen bestaunt werden können. Oder doch lieber links nach Steinhorst, wo das ziemlich winzige Schulmuseum Steinhorst gerade einen großen Schatz der Öffentlichkeit präsentiert.
Es geht um ein seltenes Schulbuch und eine Spur, die direkt zurück nach Braunschweig führt. Insgesamt eine ziemlich spannende Angelegenheit. Und mein Tipp für einen Herbstausflug.

Noch bis zum 14. Oktober lädt die Sonderausstellung „Neuzugänge – Interessantes, Spannendes und Überraschendes aus dem Depot“ nach Steinhorst ein. Gezeigt wird eine Auswahl von Objekten aus über 200 Jahren Schulgeschichte, die nicht Bestandteil der Dauerausstellung des Museums sind. Mit der Sonderausstellung gibt der neue Museumsleiter Arne Homann gewissermaßen seinen Einstand. Die Idee dazu kam ihm, als er im Museumsdepot stöberte, um sich einen ersten Überblick über die dort gelagerten Objekte – etwa 10 000 Stücke – zu verschaffen.

Dabei entdeckte er eine Seltenheit: ein Schulbuch aus dem 18. Jahrhundert, das das erste seiner Art war und auf eine Verordnung des Herzogs Karl I von Braunschweig-Wolfenbüttel vom 18. Mai 1752 zurückgeht, derzufolge erstmals flächendeckend einheitliche Schulbücher eingeführt werden sollten.

Beseelt vom Geist der Aufklärung reformierte Karl das Bildungswesen in seinem Land. Er war es auch, der das Collegium Carolinum gründete, die heutige technische Universität Braunschweig. Ein Handbuch zum „Buchstabieren und Lesen“ und ein Religionslehrbuch, das Grundlagenwissen über die Bibel vermittelt, sollten Grundlagen des Unterrichts bilden.

Von dieser „Einleitung in die Geschichte und Bücher des Alten und Neuen Testaments zum Gebrauch der Schulen im Fürstenthum Braunschweig“ besitzt das Schulmuseum ein Exemplar, das nun zusammen mit weiteren besonderen Objekten in der Ausstellung präsentiert wird. Der Herzog habe „gnädigst befohlen“, dass es „in den Schulen hiesigen Landes und insonderheit dieser Stadt eingeführet und bey den etwas erwachsenen Kindern, besonders aber in den obersten Klassen der kleinen Schulen gebraucht werden solle.“

Zum Schluss wird noch mitgeteilt, dass das Buch sowohl „roh“ als auch gebunden „im hiesigen großen Waysenhause auch bey den Buchbindern“ erhältlich sei und “roh“ – also ohne Einband – drei Mariengroschen koste. Damit war es auch für die ärmeren Familien auf dem Land erschwinglich.

Obwohl in großer Zahl gedruckt, weiß Museumsdirektor Homann nur von drei Exemplaren, von denen das im Schulmuseum das älteste sein soll. Im Siebenjährigen Krieg und der Franzosenzeit seien Unmengen von Schulbüchern vernichtet worden, weil Soldaten aus den Seiten Patronenhülsen gedreht hätten.

Die in den Waisenhausdruckereien hergestellten Schulbücher blieben bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch.
Auch das im Schulmuseum aufbewahrte Büchlein wurde offensichtlich noch im 19. Jahrhundert verwendet, darauf deutet die handschriftliche Eintragung „Gottlieb Krebs 15. Mai 1813“ hin. Museumsdirektor Arne Homann wüsste gern mehr über diesen Gottlieb Krebs und die Familie, aus der er stammt. Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte …

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