Der Iran möchte entdeckt werden | Neue Braunschweiger
29. November 2018
Kultur

Der Iran möchte entdeckt werden

Mit ihrer „Gebrauchsanweisung“ wirbt Bita Schafi-Neya für ihre zweite Heimat

Braunschweig. Der US-amerikanische Präsident hat angekündigt, die Sanktionen gegen den Iran noch einmal verschärfen zu wollen. „Für die Menschen ist das dramatisch“, sagt Bita Schafi-Neya. Die Journalistin aus Braunschweig, deren mittlerweile verstorbener Vater Iraner ist und in den 1950er Jahren seine Facharztausbildung in Deutschland machte, hat gerade ein neues Buch über das Land geschrieben, das sie ihre „zweite Heimat“ nennt. „Gebrauchsanweisung für Iran“ heißt der bei Piper erschienene Band.

Mit dem Atomabkommen hatte sich im Iran Aufbruchstimmung breitgemacht. Davon könne nun keine Rede mehr sein. „Besonders für die Jugendlichen ist es schlimm, die Wirtschaft ist desolat, ausländische Firmen ziehen sich zurück“, sagt Bita Schafi-Neya. Wenn sie sich für den Iran etwas wünschen dürfte, dann: „Dass es wirtschaftlich bergauf geht.“ Und: „Dass die Menschen hier ihre Ängste zur Seite schieben und den Iran besuchen.“ Ihre Gebrauchsanweisung ist in diesem Sinn eine Werbung für den Iran.

Zwischen Sittenwächtern und Lebenslust: Die „Gebrauchsanweisung für Iran“ ist bei Piper erschienen (15 Euro).

Bita Schafi-Neya wirft die unglaubliche Gastfreundschaft und die Kulturschätze des Landes in die Waagschale. Einwände, dass Frauen, auch Touristinnen, im Iran ein Kopftuch tragen müssen, dass Werte wie Freiheit und Gleichheit für sie nicht oder nur sehr eingeschränkt gelten, dass in der Islamischen Republik religiöse Verhaltensregeln das Leben der Menschen bestimmen, leugnet sie nicht, relativiert sie aber. „Natürlich müssen alle Frauen ein Kopftuch tragen“, sagt die Autorin. Unterdrückt seien sie deshalb nicht. Viele wollen es gar nicht anders. Regeln gebe es auch anderswo: Eine Frau im Spaghettiträger-Top dürfe in Italien auch keine Kirche betreten. „Ich will nicht alles schönreden“, sagt Bita Schafi-Neya, Es gibt Bereiche, in denen Frauen benachteiligt würden, beim Scheidungs- oder Erbrecht zum Beispiel. Trotzdem: „Ich reise als Frau nicht so gern allein, aber im Iran ist das möglich.“ Mit 60 Prozent sei der Anteil der Frauen, die in den MINT-Fächern studieren, sehr hoch. Das Bild, das vom Iran im Zusammenhang mit politischen Unruhen gezeichnet wird, ist in ihren Augen ein Zerrbild. Menschen von hier erwarten Militär auf den Straßen und Männer mit Maschinenpistolen. Nichts davon sei zu sehen. „Iran ist ein sehr sicheres Land“, betont Bita Schafi-Neya. Sie selbst reist mindestens einmal im Jahr dorthin. Im Jahr 2015 im eigenen Auto mit ihrem Mann Martin K. Burghartz und der damals achtjährigen Tochter auf dem Rücksitz ­– 5000 Kilometer weit in eine andere Welt, eine Welt der Gegensätze, in der Liebespärchen sich heimlich in der Wüste treffen, um den Sittenwächtern zu entgehen.

Touristen sind eher die Ausnahme, weshalb die Iraner sehr herzlich und freundlich auf sie zugehen. Es sei kein Problem, Einheimische kennenzulernen, betont Bita Schafi-Neya. Wer das Spiel der Höflichkeit mitspielt und sich nach vielfachem Bitten einladen lässt, werde schnell in Kontakt kommen. Viele sprechen deutsch, weil sie in Deutschland studiert hätten, aber auch mit Englisch könne man in Teheran und anderen Großstädten gut durchkommen. „Auf dem Land ist das natürlich schwieriger“, meint Bita Schafi-Neya. Überall aber gilt: Im Iran warten noch unverfälschte, authentische Erlebnisse. Welche das sind, darüber spricht Bita Schafi-Neya während ihrer Lesung am Montag (3. Dezember) ab 19 Uhr im Steigenberger Parkhotel bei Musik, Tee und Süßigkeiten (Karten gibt es dort im Vorverkauf für acht Euro).

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