„Der Parteitag sollte Weckruf sein“

Landesbischof Dr. Christoph Meyns lädt ein zum Mittagsgebet und zum friedlichen Protest

Landesbischof Dr. Christoph Meyns kritisiert einen Rechtsruck in Teilen der AfD. Archivfoto: Susanne Hübner

Wolfenbüttel/Braunschweig. „Als Kirche treten wir für eine menschenfreundliche und weltoffene Stadt ein“ ­– das ist einer der zentralen Sätze aus einer Stellungnahme von Landesbischof Dr. Christoph Meyns zum Afd-Bundesparteitag am kommenden Wochenende in der VW-Halle. Wir sprachen mit dem Landesbischof über das „richtige Verhalten“ gegenüber der AfD.

Ist die AfD gefährlich?
Zunächst ist sie eine zugelassene Partei. Aber führende Vertreter haben sich zunehmend in einer Weise geäußert, die von völkischem Denken, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geprägt ist. Damit droht die Partei sich nicht nur von den Grundlagen unserer Demokratie, sondern auch von einem christlichen Menschenbild zu entfernen.

Woran erkenne ich diese Entwicklung? Gibt es Schlüsselworte oder -sätze?
Ja. Sätze wie ‘Der Islam ist ein Fremdkörper,’ oder ‘Ein Volk kann nur die eigene Einigkeit und Freiheit bewahren, wenn es weitgehend homogen bleibt’ sind klar abgrenzend. Wir müssen immer aufpassen, wenn Menschen ausgegrenzt und abgewertet werden, weil sie vermeintlich zu einer Gruppe oder einem Volk gehören. Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sind mit dem christlichen Glauben nicht zu vereinen.

Wie verhalte ich mich richtig? Türen zuschlagen? Oder miteinander reden? Heißt, mit AfD-Wählern diskutieren?
Diskutieren ja, aber es muss rote Linien geben. Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit gilt selbstverständlich auch für die AfD. Aber wir wenden uns entschieden gegen eine Ideologie, welche die Volkszugehörigkeit zum obersten Maßstab politischen Handelns macht.

Wie weit darf ich in meinem Protest gehen?
Auf jeden Fall muss es friedlich bleiben. Ich lade am Samstag zu 12 Uhr in den Dom zum Mittagsgebet ein. Im Anschluss werde ich als Landesbischof an der Abschlusskundgebung teilnehmen, zu der das Bündnis gegen Rechts auf den Schlossplatz einlädt. Die zentralen Ziele des Bündnisses lauten: Gerechtigkeit, Wertschätzung, Gleichberechtigung und Solidarität. Sie entsprechen einer Kultur der Aufmerksamkeit, die wir unterstützen müssen, damit unser Land seinen demokratischen und humanen Grundlagen verpflichtet bleibt.

Die AfD-Funktionäre behaupten, sie vertreten eine ganz normale demokratische Partei. Aber sie verschieben die Grenzen des Sagbaren, sie geben Rassisten eine Plattform, stellen sich immer wieder gegen die offene Gesellschaft. Haben Sie Verständnis dafür, wenn die Proteste aggressiver, ja vielleicht gewalttätig werden?
Nein. Es gibt keinen Grund zur Hysterie und schon gar nicht zur Gewalt. Diesen Parteitag hier in Braunschweig sollten wir als Weckruf nehmen, um in unserem Alltag ein friedliches Miteinander zu pflegen und zu fördern.

Die AfD ist bundesweit die drittstärkste Kraft. Wie erklären Sie sich das?
Wir müssen genau hinschauen, welches große Thema hier mitdiskutiert wird. Es geht um Verteilung, um soziale Absicherung und Ausgleich. In unserer bisher geltenden sozialen Marktwirtschaft verschieben sich die Gewichte immer mehr in Richtung Leistung. Wir müssen über die Frage sprechen, wie wir in einer globalen Welt leben wollen. Denn klar ist, dass sich ein friedliches Zusammenleben nicht von allein versteht.

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