Der Terror fährt als Plage mit | Neue Braunschweiger
8. Januar 2016
Kulturelles

Der Terror fährt als Plage mit

Der Braunschweiger Karneval thematisiert die Absage des Schoduvel aus dem Vorjahr.

Entwurf des Motivwagens „Terror trifft uns alle“. Foto: Ammerpohl

Von Andreas Konrad, 09.01.2016.

Braunschweig. Es ist die ernste Seite des Karnevals, die Dinge auf den Motivwagen direkt beim Namen zu nennen. Da wird der Terror gerade im Braunschweiger Karneval in diesem Jahr keine Ausnahme machen. Gleich drei Wagen werden sich beim Schoduvel am 7. Februar mit diesem Thema befassen.

„Jetzt erste Recht!“ lautet das Motto des Karnevalsumzuges und diesem getreu ist die Zuversicht auf ein friedlich-fröhliches Fest beim Komitee Braunschweiger Karneval groß. Derweil fordert die CDU-Ratsfraktion, dass die Verwaltung im Vorfeld des Umzuges ein Sicherheitskonzept öffentlich vorstellt und sieht sich nach den Ereignissen von Köln in ihrer Forderung nach mehr Videoüberwachung bestätigt.

Die bitterste Stunde des Braunschweiger Karnevals bleibt angesichts andauernden weltweiten Terrors allgegenwärtig. Und trotzdem scheinen die Macher gestärkt aus der Absage des Schoduvels 2015 hervorzugehen. „Der diesjährige Zug wird größer denn je“, bestätigt Zugmarschall Gerhard Baller. Bis zu 130 große Motivwagen werden erwartet, darunter gleich drei, die die Absage thematisieren. Man scheut sich nicht, den Finger in die Wunde zu legen.

Sie heißen „Frieden“, „Fünf Freunde“ und „Terror trifft uns alle“ und stehen als Symbole interkulturellen Miteinanders und als Mahnung vor von Menschen gemachtem Terror. Wagenbauer Torsten Koch, der das Motiv „Frieden“ umsetzt, hat hierzu Ornamente und Elemente aus Moscheen und Palästen gewählt, die sich prachtvoll, aber nicht lautschreierisch, ineinanderfügen. „Die politische Botschaft muss vermittelt werden“, sagt der Künstler. Zu diesem Zweck werden auf dem Wagen je zwei Vertreter der unterschiedlichen islamischen Glaubensrichtungen mitfahren, die sich anderorts, etwa in Syrien, bekriegen.
Auch der Wagen „Fünf Freunde“ steht für vertraut statt fremd. Fünf Schüler aus der Region, die miteinander befreundet sind, werden ihn sowohl als Karikatur von sich selbst, als auch persönlich schmücken. Sie kommen von der Elfenbeinküste, aus Polen, Vietnam, der Türkei und Deutschland.

Direkt wird der Terror auf dem dritten Wagen zum Thema gemacht. „Terror trifft uns alle“ ist ein Motivwagen, der Menschen unterschiedlicher Herkunft zeigt, die dem Terror, einem Bazillus mit menschlichen Füßen und Dynamit im Maul, ins Auge blicken.

Um mögliche Bedrohungen oder Zustände wie in Köln zu vermeiden, wird die Polizei vor allem auch mit vielen zivilen Einsatzkräften vor Ort sein. Polizeisprecher Joachim Grande: „Wir stehen wie in jedem Jahr mit dem Veranstalter in engem Kontakt und entwickeln gemeinsam ein Sicherheitskonzept. Was Taschendiebstahl betrifft, ist jeder Besucher auch aufgefordert, auf seine Sachen aufzupassen. Sogenannte ‚Antanzdiebstähle‘ haben wir in Braunschweig jedes Wochenende, auch körperliche Auseinandersetzungen insbesondere unter Einfluss von Alkohol.

Eine Situation wie jüngst in Köln wird es hier aber auf keinen Fall geben. Solche Verhältnisse haben wir hier nicht, und wenn doch Gruppen versuchen sollten, derart aufzutreten, werden wir als Polizei massiv eingreifen.“ Man werde sich auf unterschiedlichste Szenarien vorbereiten, so Grande abschließend.
Natürlich hatte die Absage des Schoduvels im Vorjahr auch wirtschaftlich Konsequenzen. „Zum Glück haben sich die drei Hauptsponsoren solidarisch erklärt und keine Rückforderungen gestellt“, blickt Baller zurück. Auch hätten andere Unternehmen dazu beigetragen, das Schlimmste abzuwenden. Auf größte Solidarität hofft der Zugmarschall aber aus der Bevölkerung. Auch in diesem Jahr wird es wieder das Sympathieband geben – für fünf Euro – auf dessen Erlöse die Karnevalisten dringend angewiesen sind. Mit dem Sympathieband, das im Zeitschriftenhandel erhältlich ist, kauft man automatisch auch die Anreise mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln der Region und den Eintritt zur abschließenden Zugparty in der Stadthalle.

Bei aller Rückschau auf das vergangene Jahr lassen die Motivwagen das aktuelle Geschehen nicht außer Acht. Ein von allen Seiten attackiertes Auto symbolisiert die Krise bei Volkswagen, verursacht durch den Abgasskandal.
Der Name des Wagens könnte neben dem offiziellen Motto „Jetzt erst recht!“ auch den Zug begleiten. Trotzig heißt das kleine Auto: „Wer zuletzt lacht“.

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