Die Älteren jetzt besonders schützen | Neue Braunschweiger
27. März 2020
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Die Älteren jetzt besonders schützen

Das apotheca-Team bietet Lieferservice und Telefonberatung

Apotheker Dr. Michael Verhoeven ist stolz auf sein Team: Anja Smolka fährt als Botin zu den Kunden, holt Rezepte ab und bringt die Medikamente zu ihnen nach Hause. Fotos 3): Ingeborg Obi-Preuß

Innenstadt. „Ein Riesenkraftakt für uns alle“, sagt Dr. Michael Verhoeven, „meine Frau und ich sind froh und dankbar, dass wir ein so großartiges Team haben. Gerade jetzt zeigt sich, was Zusammenhalt bedeutet.“ Verhoeven ist Inhaber der drei apotheca Filialen in Braunschweig, seine Frau führt zwei weitere Apotheken in Uetze.

120 Mitarbeiter gehören insgesamt zur Belegschaft, das bedeutet auch eine besondere Verantwortung. „Der größte Teil unserer Mitarbeiter sind Frauen“, erklärt Verhoeven, „und das sind natürlich auch Ehefrauen, Mütter und Töchter.“ Ein Grund mehr, den Schutz vor dem Coronavirus ganz genau zu nehmen. Mundschutz, spezielle Desinfektionspausen, genaue Anleitungen, wer was wann wie macht – Verhoeven hat alles so exakt wie möglich geplant.

„Wir haben in unseren Apotheken umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um unsere Kunden genau wie unsere Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und zu unterstützen“, erklärt Verhoeven. „Der Botendienst macht unseren Kunden das Einlösen von Rezepten ganz einfach, bequem und vor allem sicher. Sie erhalten die gleiche Beratung wie in der Apotheke, können aber in ihrem geschützten Umfeld bleiben.“

Es ist für den Apotheker eine „ethisch-moralische“ Frage, die älteren Menschen jetzt ganz besonders zu umsorgen und abzuschirmen. Und dazu gehört auch, dass sie nicht mehr persönlich in die Apotheke gehen müssen, sondern ihre Rezepte abgeholt werden.

Desinfektionspause.

„Einen normalen Botendienst bieten wir seit Jahren“, erklärt Apotheker Dr. Michael Verhoeven, „jetzt in der Krise haben wir ihn intensiviert und auf das Abholen von Rezepten ausgeweitet.“

Der Anfang der Coronakrise hat ihn und seine Mitarbeiter förmlich überrollt. „Es gab sogenannte Hamsterkäufe auch bei uns“, erzählt er, „Paracetamol zum Beispiel war an einigen Tagen ausverkauft.“ Jetzt werden bestimmte Medikamente nur noch in kleinen Mengen ausgegeben.

Inzwischen hat sich auch im „Notstand“ ein gewisser Alltag eingespielt. In seinen Apotheken hat Verhoeven Hinweisschilder mit Abstandsregeln aufgestellt, seine Mitarbeiter sind geschult und in Teams aufgeteilt. „Eigentlich sind wir eher wie eine große Familie“, erzählt der Chef, „aber jetzt müssen wir uns trennen, damit ein Teil der Mitarbeiter einsatzfähig bleibt, wenn uns der Virus erwischen sollte.“

Die Oberflächen in den Geschäftsräumen werden regelmäßig mit Desinfektionsmitteln abgewischt. Denn der Schutz der Kunden, aber auch die Gesunderhaltung der Mitarbeiter ist enorm wichtig.

Abstand halten: Das sonst sehr familiäre Team muss auf Distanz gehen. Dr. Michael Verhoeven mit seinen Mitarbeiterinnen Gamze Özpolat (links) und Maren Brattumil.

„Wir im Gesundheitswesen und die Kollegen im Lebensmittelhandel sind jetzt besonders in der Pflicht“, betont er, „wir halten den Laden am Laufen.“ Ganz grundsätzlich könnten alle froh und dankbar sein, jetzt in Deutschland zu leben, mit seiner immer noch guten Ausstattung und den erstklassigen Mitarbeitern.

Zwar sei im Gesundheitswesen in den vergangenen Jahren schon einiges „kaputt gespart“ worden, aber im Vergleich zu vielen anderen Ländern, stehe Deutschland noch immer ziemlich gut da. „Eine Krise wie diese haben wir alle noch nicht erlebt“, sagt der Apotheker, „aber ich bin sicher, wenn wir alle mit anpacken, besonnen und flexibel bleiben, meistern wir die Situation.“

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