20. Mai 2021
Natur

Die Botschaft unserer besten Freunde

Ein sehr persönliches Gartenbuch – Der Kräuterexperte Burkhard Bohne lässt Pflanzen sprechen

Burkhard Bohne hat seinem Lebensthema ein Buch gewidmet: „Die Botschaft der Pflanzen – was wir von der Natur lernen können und wie sie uns heilt" ist gerade im Rowohlt-Verlag erschienen. Foto: oh

Braunschweig. „Kräuter – Das Praxishandbuch“, „Kräuter im Hochbeet“, „Nachhaltig gärtnern“, „Wintergemüse anbauen“ – diese Aufzählung ist längst nicht komplett. Ein Dutzend Gartenbücher hat Burkhard Bohne, der Leiter des TU-Arzneipflanzengartens, schon geschrieben. In diesem Frühjahr ist wieder ein Werk von ihm erschienen, aber es ist ganz anders als die vorangegangenen. Im Telefoninterview fragten wir Burkhard Bohne, wie es dazu kam.

„Das Wichtigste war mir, kein 13. Gartenbuch zu schreiben“, sagt der Pflanzenspezialist. Stattdessen hat er die Corona-Zwangspause dazu genutzt, einen sehr persönlichen Bericht zu verfassen. Burkhard Bohne hat den grünen Faden, der sich durch sein Leben zieht aufgegriffen und ist ihm gefolgt. Der Weg führt über verschiedene Lebensstationen bis zur Erkenntnis, um die es ihm im Kern geht: „Wir können von den Pflanzen richtig viel lernen.“

Seine Frau hatte ihn dazu ermutigt, die Botschaft der Pflanzen aufzuschreiben. Und tatsächlich gehört Mut dazu, sich der Leserschaft zu öffnen und den Blick auf die ganz eigene Beziehung zu den Pflanzen zuzulassen. Für Burkhard Bohne steht außer Frage, dass Pflanzen mehr sind als ein Haufen Zellen. In der Pflanzenmeditation sieht er einen Weg, an ihrer Lebensenergie teilzuhaben, aber auch ihre Bedürfnisse zu erspüren. Wem das gelingt, der hat bestimmt einen „grünen Daumen“. Dieser sinnliche Zugang zur Natur steht im Mittelpunkt des Buches. „Riechen, schmecken, staunen“, so könnte kurz gefasst die Wegbeschreibung aussehen.

„Ich habe in dem Buch meine Biographie mit meinen Erkenntnissen verknüpft“, sagt Bohne. „Nichts darin habe ich nicht selbst erlebt oder ausprobiert.“ Er belehrt nicht, sondern lässt den Leser teilhaben. Dieses romanhafte Lesebuch steckt voller (Gärtner)Wissen und philosophischer Denkansätze.
Die Aufgeregtheit der Menschen, ihre Ziellosigkeit ist den Pflanzen unbekannt. Mit ihrem Lebenszyklus vom Wachsen, Vergehen und Neuerschaffen aus toter Materie machen die Pflanzen uns vor, wie ein Leben in Kreisläufen funktioniert. Bohne bringt das auf die Formel „Gemeinwohl statt Eigennutz“. Und er ist überzeugt: „Antworten auf die großen Fragen der Menschheit finden wir, wenn wir die Natur verstehen.“

In diesem Sinn kann Burkhard Bohnes aktuelles Buch als Aufforderung verstanden werden, die Welt mit neuen Augen zu sehen und ihr mit mehr Achtsamkeit zu begegnen. Dies gilt umso mehr und drängender in Zeiten, in denen Umweltzerstörung, Ressourcen- und Flächenverbrauch sowie rasanter Klimawandel die Existenz des Menschen in Frage stellen.

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