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Die Bundesliga entsteht – und Eintracht war mit dabei!

55 Jahre NB und der Fußball vor 55 Jahren: Von 1963 bis 1967 spielten die Blau-Gelben eine wichtige Rolle

Helmut Johannsen. Foto: oh

Die Wurzeln der heutigen Bundesliga wurden am 28. Juli 1962 gelegt. Bei der DFB-Jahrestagung wurde der Beschluss verkündet, dass die bisherige Ligastruktur durch die neue deutschlandweite Bundesliga zur Saison 1963/64 eingeführt werden sollte. Seit dem Jahr 1949 hatte es bis dahin fünf Oberligen in Deutschland gegeben, deren Meister in einer Endrunde den deutschen Meister ausspielten.

Eintracht Braunschweig qualifizierte sich durch den dritten Platz in der Oberliga Nord für die neue Bundesliga – aber das war umstritten. Hannover 96 wies mehr Punkte in der Zwölfjahreswertung und schnitt auch bei den technischen Voraussetzungen besser ab, aber Eintracht Braunschweig, Werder Bremen und der Hamburger SV wurden letztendlich die Gründungsmitglieder aus der Oberliga Nord. Kurios: Auch Bayern München (bis heute erfolgreichster Teilnehmer mit 28 gewonnenen Bundesliga-Meisterschaften) war nicht dabei, dafür aber der Lokalrivale TSV 1860 München, der sich als Meister der Liga direkt qualifizierte.

Neuer Eintracht-Trainer zur ersten Bundesligasaison: Helmuth Johannsen

Eintracht bereitete sich auf den Start in die Bundesliga mit dem Ausbau der Gegengerade im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße vor. Zudem hatte der Verein einen neuen, hoffnungsvollen Trainer verpflichtet: Helmuth Johannsen. Dieser hatte zuvor Bremerhaven 93, Holstein Kiel und den 1. FC Saarbrücken trainiert – und hatte auch genaue, realistische Vorstellungen für die Blau-Gelben. Das Saisonziel des „großen Kühlen aus dem Norden“: der Klassenerhalt. Der Grund: Der Verein besaß weder die sportlichen noch finanziellen Mittel um Höheres zu erreichen.
Am 24. August 1963, dem ersten Bundesliga-Spieltag, traten die in Süddeutschland fast völlig unbekannten Braunschweiger bei 1860 München an. Das Team von Startrainer Max Merkel schaffte es nicht, die Blau-Gelben zu besiegen, musste sich mit einem 1:1 (das Tor für Eintracht schoss Klaus Gerwien) begnügen – Fußball-Deutschland zeigte sich überrascht über das Ergebnis.

Nur eine Woche später konnten die 28 000 Zuschauer im Eintracht-Stadion (für vier Mark Eintritt auf den Stehplätzen) gegen Preußen Münster sogar den ersten Bundesliga-Sieg der Eintracht bejubeln. Stürmer Jürgen Moll schoss den ­1:0-Siegtreffer in der 15. Minute. Der fünfte Tabellenplatz nach drei Spieltagen (und nur eine einzige Niederlage in den ersten acht Spieltagen) ließ die Skeptiker verstummen. Eintracht Braunschweig hatte sich in der Bundesliga etabliert und belegte zum Ende der ersten Saison 1963/64 mit 28:32 Punkten nach 30 Spielen den elften Tabellenplatz.

Trainer und Taktiker Helmuth Johannsen, der einen regelrechten Fußball-Boom in der Welfenstadt ausgelöst hatte, blieb jedoch nüchtern. Im Jahrbuch des Fußballs 1968/69 wurde er folgendermaßen charakterisiert: „Das Auffallendste an ihm ist, dass er nichts Auffälliges hat. Seine Gestik ist spärlich, seine Stimme eher leise. Man muss aufpassen: Weises und Wichtiges kommt ihm beiläufig von der Zunge, weniger Wichtiges sagt er selten.“

Eintracht-Torjäger Lothar Ulsaß,

Neuer Stürmer zur zweiten Bundes­liga-Saison: ­Lothar Ulsaß

Mit einem Zuschauerschnitt von 19 000 Besuchern, 100 000 Mark Überschuss (aus der ersten Bundesliga-Spielzeit) und einem eingespielten Team, ging es in die zweite Bundesliga-Saison 1964/65. Verstärkung holten sich die Blau-Gelben lediglich für das dringend benötigte Sturmspiel: Von Arminia Hannover kam Lothar Ulsaß, vom Absteiger 1. FC Saarbrücken wechselten die Stürmer Dieter Krafczyk und Erich Maas nach Braunschweig.

Das Team agierte in der Hinrunde ziemlich schwach, belegte an vier Spieltagen mit Platz 15 sogar einen Abstiegsplatz. Doch zur Rückrunde berappelte sich das Team von Trainer Johannsen: Mit fünf Siegen aus den letzten sieben Spieltagen (42:47 Toren und 28:32 Punkten) kletterte Eintracht schließlich sogar noch auf Platz neun in der Abschlusstabelle.
Vor allem die Verpflichtung des großartigen Technikers und Torjägers Lothar Ulsaß war ein echter Coup – und sollte sich für die Löwen auszahlen. Ulsaß spielte sofort auf gehobenem Niveau, erzielte in 30 Ligaspielen zwölf Tore. Zudem debütierte der sympathische Offensivspieler am 24. April 1965 in der deutschen A-Nationalelf gegen Zypern (5:0) in der WM-Qualifikation unter Bundestrainer Helmut Schön.

Schon bei seinem zweiten Länderspieleinsatz am 9. Oktober 1965 gegen Österreich war er beim 4:1-Erfolg der spielentscheidende Akteur: Er erzielte in der zweiten Halbzeit drei Treffer für die deutsche Nationalmannschaft und holte zuvor den Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1  ­heraus.
Neue Regelung zur dritten Bundesligasaison: Aufstockung der Mannschaften
In der Saison 1965/66 wurde die Bundesliga von 16 auf 18 Mannschaften aufgestockt. Trainer Johannsen ging mit nur 17 Lizenzspielern in die dritte Bundesliga-Runde. Sieben Spieler erhielten keine neuen Verträge mehr, nur drei Neuzugänge kamen. Dennoch waren die Blau-Gelben mit dem 4:0-Auftakterfolg gegen Borussia Dortmund am 14. August 1965 erstmals Tabellenführer in der Bundesliga-Geschichte.

Doch aufgrund der fehlenden Kontinuität waren solche Tabellenregionen auf Dauer noch eine Utopie für die Löwen. Schnell pendelte man sich erneut im unteren Mittelfeld ein. Nach den Plätzen elf und neun in den ersten beiden Jahren stand am Ende der Saison 1965/66 ein zehnter Platz (49:49 Tore und 34:34 Punkte) zu Buche.
Das Resümee und Ziel formulierte Johannsen, der inzwischen dienstälteste Bundesligatrainer, knapp mit folgenden Worten: „Meine Mannschaft ist gereift. Unser Problem für das nächste Jahr ist, zu Hause ein Mittel für eine massive Abwehr zu finden.“

Neues Abwehrbollwerk zur vierten Bundesliga-Saison: Eintracht wird Deutscher Meister

Die Umsetzung dieses Zieles sollte ihm in Perfektion gelingen, denn in der Saison 1966/67 ließ die „Beton-Abwehr“ der Eintracht in 34 Spielen nur 27 Gegentore zu und blieb in 17 Begegnungen ohne Gegentreffer. Gegenüber der vorigen Spielzeit hatte die Mannschaft aber nicht einen Treffer mehr erzielt – es waren erneut 49 Tore! Mit 49:27 Toren und 43:25 Punkten stand Braunschweig dennoch auf Platz eins der Abschlusstabelle – und ging als „kuriosester Deutscher Meister aller Zeiten“ in die Geschichte ein.

Klaus Meyer, Teil des Eintracht-Abwehrbollwerks, erinnerte sich: „Unseren Erfolg verdankten wir unserer mannschaftlichen Geschlossenheit und Harmonie. Einem sehr guten Verständnis untereinander, teilweise echter Freundschaft und, das war ganz wichtig, großer Disziplin. Für uns galt immer die Devise: Erst kämpfen, dann spielen. Wir haben kein Spiel verloren, in welchem wir in Führung gegangen waren. Wir waren eine verschworene Truppe. Diese Bindung hatte Bestand.“

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