Die Geburtsstunde der Pauschalreise

55 Jahre NB: 1964 veröffentlichte Neckermann den ersten Reisekatalog

Ende der 60er-Jahre ist Mallorca für deutsche Urlauber in zwei bis drei Stunden erreichbar und wird schnell zum wichtigsten Ziel deutscher Pauschalreisenden. Foto: imago stock&people

Niemand verreist so gern und so viel wie wir Deutschen. Eine Pauschalreise zu buchen – Flug, Hotel und Verpflegung – ist für uns heute ganz selbstverständlich. Den Auftakt für diese Art zu reisen, bildete die Idee des Frankfurter Versandhändlers Josef Neckermann.

1963 legte er seinem Warenkatalog ein dünnes Heftchen im A-5-Format bei. Darin Angebote für organisierte Reisen zum Festpreis nach Mallorca, Tunesien, Dalmatien, Montenegro, an die Costa del Sol und ans Mittelmeer.

„Reichliche Mahlzeiten und flinke Bedienung“

Gezielt wirbt Neckermann in seinem Urlaubsprospekt mit den Vorteilen einer organisierten Reise: „Eine Flugreise bietet große Vorteile, wenn sie gewissenhaft geplant und sorgfältig vorbereitet ist. Wir haben an alles gedacht.“ Am Zielort sollten sich die noch unerfahrenen Touristen fühlen wie zu Hause.
„Typische Merkmale sind saubere Zimmer, reichliche Hauptmahlzeiten, eifrige Bedienung und eine kleine Bar, in der Sie viel für wenig Geld erhalten“, heißt es da. Und die Preise für „15 Tage alles inbegriffen“ sind seinerzeit eine Sensation. Zwei Wochen Mallorca mit Vollpension für 338 Mark.
Mit seinem Angebot trifft Josef Neckermann den Nerv der Zeit. Damit werden Anfang der 60er-Jahre Flugreisen auch für Otto Normalverbraucher erschwinglich, der bis dahin mit Auto, Bus und Bahn reiste. Auf diese erste Reisebeilage gehen wäschekörbeweise Reiseanmeldungen ein. 1964 veröffentlicht Neckermann den ersten richtigen Reisekatalog, der 1966 bereits in einer Auflage von sieben Millionen Stück gedruckt wird, und dann schon 19 Ziele in 13 Ländern zur Auswahl hat.

„Schnell mal nach Mallorca“

Auch die technologische Entwicklung treibt den Massentourismus voran: Die Lufthansa präsentiert 1960 die Boeing 707. Mit diesem Düsenjet kommt man mit einem Mal viel schneller an viel weiter entfernte Orte. Ein Meilenstein, der eine Entwicklung in Gang setzt, die die Wochenzeitung „Die Zeit“ 1968 zum Jubel „Schnell mal nach Mallorca“ verleitet.
Mit dem modernen Jet erreichen Reisende die beliebte Ferieninsel von den deutschen Flughäfen in zwei bis drei Stunden. Schnell wird Palma de Mallorca zum wichtigsten Zielflughafen deutscher Pauschalreisenden. 1969 landen dort 47 Prozent aller deutschen Flüge. Zwischen 1963 und 1969 steigt die Zahl der deutschen Flugtouristen um das Neunzigfache. Die Pauschalreise entwickelt sich zum Erfolgsmodell, und 1971 sind die Deutschen bereits offiziell Reiseweltmeister.

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