Die Kinder zum Tanzen gebracht | Neue Braunschweiger
7. September 2013
Kulturelles

Die Kinder zum Tanzen gebracht

Überbordende Polkastimmung

Axel Prahl und das Inselorchester geben bei Kultur im Zelt ein Konzert mit vielen Spielarten.

Von André Pause, 08.09.2013

Braunschweig. Erst mal solo. Axel Prahl, als Schauspieler bekannt und beliebt aus Funk und Fernsehen, betritt die Kultur-im-Zelt-Bühne am Freitagabend zunächst allein. Das ihn bei seinem öffentlichen musikalischen Schaffen seit 2011 begleitende Inselorchester erhält noch zwei Songs und ein paar launige Schnurren Schonzeit.
Ein Mann, eine Gitarre und ein Mikrofonständer mit Bierflaschenhalterung, heißt es also zum Auftakt.

Nordlicht Prahl – „Moinsen“ – erzählt, wie er mit sechs Jahren zum Musizieren gekommen ist, wie er später mit Klampfe die Damenwelt beeindrucken wollte, dann aber allein knutschenden Pärchen am Lagerfeuer den Soundtrack zum Zungenmuskeltraining kredenzt hat. Der Schauspieler mit klingendem Nebenerwerb weiß, wie man Menschen in den Bann zieht: Die Zuschauer im ausverkauften Zelt, die Prahl zuvörderst als kauzigen Tatort-Kommissar Thiel kennen dürften, amüsieren sich vom Fleck weg prächtig. Auch das Probieren regionaler Bierspezialitäten gehört zum Repertoire. Diesbezüglich scheint Braunschweig dem Künstler zu munden, jedenfalls besser als Würzburg. Sein Rat: „Falls Sie mal dorthin fahren – trinken Sie Wein!“
So kurzweilig, wie die angenehm unprätentiösen Plaudereien zwischen den Songs daherkommen, so abwechslungsreich ist das musikalische Programm des Konzerts. Der erste Titel des Abends ist Georg Gershwins Arie „Summertime“, die Axel Prahl mit Schmirgelstimme in Richtung Blues katapultiert. „Thank you“ eine eigens komponierte Singersongwriter-Perle folgt auf dem wippenden Fuß. Mit dem Inselorchester im Rücken geht es dann zunächst weiter mit annektiertem Liedgut. Eine klarinettenbeschwingte Version von „With a Little Help from my Friends“ trifft hier auf die verrauchte Roy-Black-Interpretation „Du bist nicht allein“ oder den zuletzt bis an die Schmerzgrenze vereinnahmten Rio-Reiser-Klassiker „Übers Meer“, dessen Windmühlenrock in diesem Fall ausnahmsweise gewinnt. Den Streichern sei Dank. Mit dem simplen „Ein gemeinsam gesungenes Lied“ entlassen die Musiker die Besucher reggaegestärkt in die Pause.
Den zweiten Abschnitt widmen Axel Ferdinand Konstantin Prahl und sein Inselorchester dann komplett den Songs des Albums „Blick aufs Meer“. Dem Shanty „Reise Reise“ folgen, begleitet von abrupt-munteren Stimmungswechseln, das zartbittere „Wieso bist Du immer noch da?“, „Ich bin nun mal so“, ein Stück über trotziges Verlangen im Walzertakt, balladeske Melancholie mit „Schön, dass Du da bist“ oder überbordende Polkastimmung bei „Polonaise International“. Die textimmanente Aufforderung „Kinder tanzt“ nimmt Prahl in diesem Fall absolut wörtlich, wuselt wie ein Springteufel tanzend über die Bühne.
Nicht für möglich gehaltene Genre-Brückenschläge funktionieren unterdessen nicht zuletzt durch die schlüssigen Arrangements des Orchesterleiters Danny Dziuk. Der Songschreiber, Musiker und Komponist versteht es, dem Programm eine konstant eigene Farbe zu verleihen, ohne dass dabei eigene oder fremde Titel in ein Korsett gezwängt würden. Neben Dziuk tragen acht weitere versierte Instrumentalisten ihren Teil zum guten Gelingen des Abends bei, sind weit mehr als akustisches Beiwerk. Dass der Sound im Zelt in einigen Momenten etwas unsauber ist, ein Bass-Verstärker eine Zeit lang knarzt, ist deshalb auch schnell vergessen. Kräftiger Beifall.

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