Die „Kleine Frau“ am Boden zerstört

Im Strafverfahren mit blauem Auge davongekommen – Geldstrafen zur Bewährung ausgesetzt.

Sinnloses Zerstörungswerk: die „Kleine Frau“ am Boden. Foto: oh

Von Marion Korth, 06.05.2015.

Braunschweig. Die Frage nach dem Warum blieb gestern in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Braunschweig unbeantwortet. Für einen Jungenstreich sind die drei Angeklagten, die am 20. Mai 2014 die „Kleine Frau“ und den „Tanzenden“ der Künstlerin Christel Lechner beschädigt, beziehungsweise zerstört hatten, mit 30, 31 beziehungsweise 38 Jahren schon zu alt.

Trotzdem lässt die Richterin Milde walten: weil die drei Männer betrunken und deshalb „enthemmt“ waren und weil sie bislang keine Vorstrafen haben. Das wird auch nach dem Urteil so bleiben.

„Es tut mir leid, ich kann mir mein Verhalten auch nicht erklären“, sagte Daniel F. (30), der den beiden Figuren den letzten Stoß versetzt und sie damit zu Fall gebracht hatte. Nun musste er sich wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung in zwei Fällen verantworten. Er sei stark alkoholisiert gewesen (1,94 Promille), habe einen „Filmriss“ gehabt.

Zwei, drei Tage nach der Tat war er aus eigenem Antrieb in die Galerie Jaeschke gegangen, wollte anbieten, die Reparaturkosten zu übernehmen, aber da lief das Strafverfahren schon. Seine Entschuldigungsbriefe an Galerist Olaf Jaeschke und Künstlerin Christel Lechner, die die Richterin verlas, blieben zwar ohne Antwort, wurden gestern aber als Zeichen der Reue anerkannt.

Daniel F. hatte die dumme Idee nicht zuerst gehabt. Auf der nächtlichen Kneipentour hätte einer seiner Kumpel mit der Hand gegen die Figur vor der Galerie Jaeschke geschlagen. Der Verteidiger sprach von anfänglichem „Tätscheln“. Nachdem die Richterin sich das Video aus einer Überwachungskammer angesehen hatte, meinte sie: „So wie die Figur sich bewegt, ist das aber etwas anderes als Getätschel …“ Auf dem Video ist auch zu sehen, wie der zweite Kumpel mit einem Tritt nachsetzt. Die Verteidiger forderten für ihre Mandanten trotzdem Freispruch. Sie hätten die Figur nicht zerstört, sie stand noch, als sie von ihr abließen. Die Richterin war anderer Meinung. Sie verurteilte den 31-Jährigen zu 2400 Euro Geldstrafe, den 38-Jährigen, der für zwei kleine Kinder Unterhalt zahlt, zu 900 Euro Geldstrafe, ausgesetzt für zwei Jahre zur Bewährung. Als Bewährungsauflage müssen sie 1500, beziehungsweise 500 Euro an den Verein Happy Rizzi House zahlen, der die Ausstellung organisiert und finanziert hat.

Statt einen Riesenschreck zu bekommen, nachdem die erste Figur kopflos am Boden lag, nahm sich Daniel F. im kompletten Alleingang noch die „Kleine Frau“ auf dem Kohlmarkt vor, bis der Zuruf eines Passanten das Zerstörungswerk stoppte. Kurz darauf war die Polizei da.

„Das war ein teurer Spaß“, sagte die Richterin. Daniel F. muss 90 Tagessätze à 80 Euro, also insgesamt 7200 Euro zahlen, aber nur, wenn er sich in den nächsten zwei Jahren etwas zu Schulden kommen lässt. Die Richterin ersparte ihm eine Direktzahlung an den Verein, im Zivilverfahren werde noch genug auf ihn zukommen. Der Verein hat Ansprüche in Höhe von rund 19 500 Euro angemeldet. Zur Höhe der Forderung müsse ein Sachverständiger gehört werden. „Klar kann man die Figuren irgendwie wieder zusammenfrickeln“, sagte die Richterin. Aber in ihren Augen sind die Kunstwerke zerstört.

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