Die Kommunikation verkörpern

Mit „figure out“ steht die erste und einzige Uraufführung der Saison im Staatstheater Tanz an.

Gemma Miró, Nao Tokuhashi, Charles Washington, Reija Heinonen und Chris Jäger (v.l.) wollen in „figure out“ Formen der Kommunikation tänzerisch umsetzen. Foto: Andreas Etter

Von André Pause, 20.10.2013.

Braunschweig. Was wir auch tun: Kommunizieren ist ja irgendwie immer. Man kann nicht nicht, das wissen wir spätestens seit Paul Watzlawick.

Unwillkürlich senden wir verbale und nonverbale Botschaften aus, die vom Gegenüber registriert, gedeutet und eingeordnet werden.
Staatstheater-Tanzdirektor Jan Pusch widmet sich dem Spannungsfeld der Begegnungen und ausgesendeten Signale mit seiner neuen Produktion „figure out“. Die Uraufführung ist am kommenden Sonnabend (26. Oktober, 19.30 Uhr im Kleinen Haus).
Pusch verspricht eine energiegeladene thematische Auseinandersetzung mit dem Thema Kommunikation in etwa 70 Minuten. 15 Tänzer sind dabei – eine Ensemblearbeit. Es werde sowohl Zweier-, Dreier-, Vierer- und Fünfer-Konstellationen geben. Ausgangspunkt des Stückes sei die große Sehnsucht nach dem sich miteinander Verbinden und der zugleich großen Angst, dass man dabei vom anderen jederzeit im Kern erkannt werden kann. „Das Stück will uns empfänglich machen, für das, was unsere Motivation, unsere Zwänge, Ängste und Sehnsüchte sind. Was erfahre ich über mich selbst, wo liegen meine Abgründe“, skizziert der künstlerische Leiter und spezifiziert: „Nehmen wir Romeo und Julia: Wie schlimm ist das, dass da zwei sind, die größte Verbindung zueinander haben, aber nicht zueinanderfinden. Das ist ein ganz großes menschliches Grunddrama. Unsere größte Sehnsucht ist gleichzeitig unsere größte Angst. Dem Menschen, bei dem ich mich am meisten aufgehoben fühle, dem bin ich auch am meisten ausgeliefert. Der kann mich im Innersten treffen. Das können andere gar nicht.“
Momente des Wiedererkennens für das Publikum werde es geben. Pusch erklärt eine mögliche Situation anhand des Küchen-Phänomens bei Partys, wonach die wirklich entscheidenden Dinge ganz oft in der Küche stattfänden. „Es gibt Momente, wo die Küche zum Forum Romanum wird, dann wieder welche, wo sie zum Paartherapieplatz wird, zum intimsten Raum der ganzen Party, wo man lieber nicht hineingeht.“ Solche konkreten Beispiele gibt der Tanzdirektor seiner zu einem Drittel neuen Kompanie mit auf den Weg. Er habe vorher Gedanken und klare Ideen im Kopf und gucke, wer ihm in der Vorbereitung was besonders stark vermittelt – und verkörpert. Sein Stückkonzept setze auf die Entwicklung von innen heraus, allzu festgezurrte Rollenzuschreibung gebe es nicht. Vielmehr biete er seinen Tänzern Situationen und Aufgaben in unterschiedlichsten Konstellationen zur Genese von Ansätzen an, die wiederum ins dramaturgische Konzept passen und sich weiterentwickeln lassen sollen. „Ich wünsche mir, dass Tänzer keine Nachmacher sind, sondern Situationen, Figuren oder Charaktere mitgestalten“, beschreibt Pusch, der ihnen die Räume dafür öffnen möchte.
Wie setze ich bestimmte Situationen und Gefühle in Bewegung um. Wie stelle ich mir vor, dass mich von innen heraus etwas zerreißt, dass ich von jemandem angezogen bin. Wie kann ich das wahrhaftig machen – um diese und ähnliche Dinge gehe es letztlich in Form von verschiedensten Bewegungsbildern. „Wir verhalten uns so, wie wir können – oder müssen. Das alles macht Persönlichkeit aus“, meint Pusch. „Find‘s raus!“ lautet die Direktive auf dem Plakat zum Stück. Wenn das mal so einfach wird …

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