8. November 2021
Kultur

Die Liebe zur perfekten Linie

Horst Schmidt, Maler aus Mariental, stellt bis Ende Dezember in den Kemenaten aus

Horst Schmidt beim Gespräch in der Jakob-Kemenate. Foto: Birgit Wiefel

Mariental/Braunschweig. Horst Schmidt kann so leicht nichts aus der Ruhe bringen. „Eigentlich mag ich es ja gar nicht fotografiert zu werden“, wehrt der 83-Jährige im grauen Pullover bescheiden ab, dreht sich dann aber doch geduldig so, wie es die Journalisten wünschen. Mehr zum Fenster, mehr in den Raum, „ich habe den ganzen Tag Zeit“, sagt er schmunzelnd und nippt zwischendurch am Wasserglas damit die Stimmbänder nicht so trocken werden.

Mit der gleichen Ruhe malt der Künstler aus Mariental im Landkreis Helmstedt auch seine Bilder. Rund 90 sind bis zum 31. Dezember in der Jakob-Kemenate und der Kemenate Hagenbrücke ausgestellt. Sehr exakt, sehr geradlinig die Stillleben, etwas luftiger und lockerer die Landschaftsansichten. „Ich brauche Wochen, bis ein Bild fertig ist“, sagt Schmidt, dem sein Hang zur Pedanterie durchaus bewusste ist. Jedes Glas, jede Dose, jede Kiste in seinen Bildern muss die perfekte Linie, den perfekten Schattenwurf haben, so dass sie am Ende fast plastisch wie aus einem Bühnenraum heraustreten.

Seine größte Kritikerin: Ehefrau Gertrud. Wenn sie der Ansicht ist, dass „die Quitte dort wie ein Löwe aussieht“, wird das Obst halt noch einmal neu gemalt. Schmidt greift deshalb auch lieber zu Ölfarben, „die trocknen nicht so schnell. Da kann ich noch mal nachwischen.“

„Ich male, was mir Spaß macht“

Schmidt hat den Luxus, sich nicht unter Druck setzen zu müssen. Als ehemaliger Lehrer und Kunsterzieher brauchte und braucht er nicht vom Verkauf seiner Bildern zu leben. „Ich male was mir Spaß macht. Nichts Gesellschaftskritisches und auch keine Betroffenheitsmalerei. Meine Bilder sind farbenfroh, die Motive finde ich Zuhause“. Es macht ihm auch nichts aus, Maler zu zitieren, die er verehrt. Manche Motive erinnern an Giorgio de Chirico und dessen surrealistische Landschaften, andere – etwa die Gläser – an Giorgio Morandi, eine Landschaft von Hermann Hesse taucht als Bild im Bild auf.

„Wenn uns etwas gefällt, behalten wir es selbst“

In der Region hat sich Horst Schmidt längst einen Namen gemacht, ist Mitglied im Bund Bildender Künstler. International schätzt man ihn als Galerist und Veranstalter von Kulturveranstaltungen. Bis vor fünf Jahren luden er und Ehefrau Gertrud zu großen Ausstellungen ins Kloster Mariental ein, wo die beiden das ehemalige Dormitorium der Zisterziensermönche bewohnen.

Diese Events sind den beiden inzwischen zu anstrengend, aber gemalt wird weiter. In der 200 Quadratmeter Wohnung drängeln sich Hunderte eigener Bilder; bis zu 700 hat Horst Schmidt in den 40 Jahren, die er seiner Leidenschaft nachgeht, erstellt. Ja, verkaufen würde er auch – immerhin sind 37 Prozent der aktuellen Ausstellung Leihgaben – ,„aber wenn uns etwas gefällt, behalten wir es einfach selbst.“

Ausstellungs-Info:

Die Ausstellung „Der Maler Horst Schmidt“, ist bis zum 31. Dezember 2021 in der Jakob-Kemenate (Eiermarkt 1B) und der Kemenate Hagenbrücke (Hagenbrücke 5) in Braunschweig zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 11 bis 17 Uhr und Sonntag von 12 bis 17 Uhr (Hagenbrücke von 12.15 bis 17 Uhr). Der Eintritt ist frei. Es gilt die 2-G-Regel (Zutritt für Geimpfte und Genesene).

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