• Home
  • > >
  • Die Magie der kleinen bunten Bälle

Die Magie der kleinen bunten Bälle

Teil sieben von zehn unserer Serie: Nicole Warnecke ist Deutsche Meisterin im Cobigolf

Nicole Warnecke mit ihrer Ballauswahl für den Harz-Heide-Pokal in Salzgitter. Foto: Andreas Konrad

Braunschweig. Die Faszination für Minigolf begleitet Nicole Warnecke schon ihr ganzes Leben. „Als Kind habe ich immer bei meiner Oma im Harz gespielt, später im Prinzenpark und auf der Anlage am Bienroder Weg“, erzählt sie. Dort wurde sie auch von einem Spieler der damaligen Bundesliga-Mannschaft entdeckt. „Ich wusste zu der Zeit gar nicht, dass man auch im Verein spielen kann, eine Woche später war das Beitrittsformular unterschrieben.“ Inzwischen gehört Nicole zum Bundeskader, hat mehrere Deutsche und Europameisterschaften gewonnen.

Na klar, hat wohl jeder schon einmal Minigolf gespielt und versucht, mit den sechs erlaubten Schlägen den kleinen Ball in das Loch zu bugsieren. Wenn man allerdings mit Nicole über Minigolf redet, begreift man schnell, dass das damit kaum etwas zu tun hat. Dass sie nicht selten nur einen Schlag pro Bahn benötigt und auch schon diverse 18er-Runden – also ein Spiel auf 18 Bahnen mit jeweils nur einem Schlag – gespielt hat, ist nur der vordergründigste Unterschied. Es ist vielmehr die fast wissenschaftliche Akribie, mit der sie an die Auswahl des richtigen Spielballs geht.

„Vor großen Turnieren reise ich frühzeitig an, um mich auf den Bahnen einzuspielen“, erklärt die 51-Jährige. Zuvor hat sie dann schon, entweder, weil sie die Bahn bereits gespielt hat, oder aufgrund von Hinweisen anderer Spieler, eine Vorauswahl an Bällen getroffen, die für die Bahnen infrage kommen.

Warum eine Vorauswahl? So ein Minigolfball ist doch nicht allzu groß? „Ich habe circa 1000 verschiedene Bälle. Man kann sagen, dass es für jede einzelne Bahn einen optimalen Ball gibt“, sagt Nicole, die als Beamtin bei der Stadt Braunschweig arbeitet. Um da den Überblick zu behalten, hat sie eine Excell-Tabelle angelegt, in der die Eigenschaften ihrer Bälle festgehalten sind. Angefangen bei der Größe, weiter über die Sprunghöhe, die in kleinen Schritten zwischen fast Null und neunzig Zentimetern schwankt, bis hin zu Material, Härte und Lackierung der Kugel gibt es scheinbar unendlich viele Varianten – für meist 18 Euro das Stück.

Und so ist Nicole zwischen Ende März und September fast an jedem Wochenende in Sachen Minigolf unterwegs. Seit beim SV Olympia ´92 in Braunschweig nicht mehr höherklassig gespielt wird, tritt sie für den 1. BGC Wolfsburg in der zweiten Bundesliga an.

Neben fünf Punktspielen pro Saison bestreitet sie vier Ranglistenturniere, um sich für Meisterschaften zu qualifizieren, und dann natürlich die Meisterschaften selbst. Gerade ist Nicole in Italien Europameisterin mit der Mannschaft geworden, 2018 und 2019 holte sie die Deutsche Meisterschaft im Cobigolf, einer Variante, bei der man vor der eigentlichen Bahn noch durch ein oder zwei Törchen spielen muss, ähnlich dem Crockett auf Rasen.

Dass bei soviel Zeit für Minigolf das Familienleben nicht leidet, ist der Tatsache zu verdanken, dass Nicoles Frau durch sie auch von der Faszination Minigolf ergriffen wurde und beide häufig gemeinsam an Turnieren teilnehmen oder im Winter, wenn die Saison zu Ende ist, das eine oder andere Wochenende in einer Minigolfhalle verbringen.

Bei unserem Treffen in Salzgitter beim 26. Harz-Heide-Pokal hat es übrigens nicht für den Sieg gereicht. Am Ende musste Nicole sich in ihrer Spielklasse Seniorinnen I der amtierenden Deutschen Meisterin auf Eternitbahnen, Andrea Reinicke, geschlagen geben.

^