• Home
  • > >
  • „Die Mannschaft ist gierig nach Siegen“

„Die Mannschaft ist gierig nach Siegen“

Seit dem Wechsel vom FC St. Pauli zu den Löwen hat sich Bernd Nehrig zu einem absoluten Leistungsträger entwickelt

Bernd Nehrig. Foto: Susanne Hübner/imago images

Braunschweig. Mit seiner Erfahrung aus fast 300 Erst- und Zweitligaspielen trug er wesentlich dazu bei, die defensive Zentrale der Blau-Gelben zu stabilisieren und konnte mit der Mannschaft am Saisonende den Klassenerhalt feiern. Zur neuen Spielzeit übernahm der 32-jährige die Kapitänsbinde von Stephan Fürstner und kann sich aktuell über den gelungenen Start seiner Mannschaft freuen.
NB-Mitarbeiter Elmar von Cramon sprach mit dem Routinier über den Saisonstart, die Neuzugänge und die Erwartungshaltung im Umfeld von Eintracht.

? Herr Nehrig, Eintracht hat einen fast perfekten Saisonstart hingelegt und ist nach sieben Spieltagen Drittliga-Tabellenführer. Wie haben Sie die ersten Wochen der neuen Spielzeit in der dritten Liga erlebt?

! Wir nehmen den sehr guten Start gerne mit und genießen ihn auch. Trotzdem lassen wir uns dadurch nicht verrückt machen, weil wir den knapp verhinderten Abstieg noch vor Augen haben. Wie in der Vorsaison hat sich die Liga erneut als sehr ausgeglichen erwiesen. Deshalb überrascht es mich zum Beispiel auch nicht, dass ein Aufsteiger wie Viktoria Köln oben mitmischt.

? Was zeichnet die neuen Spieler aus und wie sehen Sie die jüngsten Verpflichtungen von Kevin Goden und Patrick Kammerbauer?

! Schon im vergangenen halben Jahr hat man gesehen, dass wir Qualität besitzen, durch die Neuverpflichtungen haben wir diese nochmals gesteigert. Darüber sind wir sehr froh; es ist nicht selbstverständlich, dass neue Spieler sich sofort perfekt einfügen. Sie haben uns sowohl durch ihre individuellen Charaktere als auch ihre Art Fußball zu spielen weiter nach vorne gebracht und sich so nahtlos in unsere gefestigte Mannschaft eingefügt. Das hat uns vom ersten Tag an sehr geholfen und dazu beigetragen, dass so alles perfekt geklappt hat. Nochmals auf dem Transfermarkt aktiv zu werden, fand ich vom Verein nachvollziehbar. Man möchte einfach gut aufgestellt und für alle Eventualitäten gerüstet sein, auch wegen des langen Ausfalls von Stephan Fürstner.

? Ist der Kopf bei Ihnen und Ihren Kollegen ein Stück freier, weil das Negativszenario eines Abstiegs verhindert wurde und der Schwung aus der guten Rückserie so mit in die neue Spielzeit genommen werden konnte?

! In der vergangenen Saison wusste man nach jedem Sieg, dass man trotzdem noch bis zuletzt bangen muss. Diesen extremen Druck haben wir nicht mehr, das kann in jedem Spiel nochmal ein paar zusätzliche Prozente freisetzen. Auch kann vorhandene Qualität so noch einen Tick besser zum Vorschein kommen.

? Wie sieht es mit dem Unterschied auf der Trainerbank aus, wo Christian Flüthmann André Schubert nachgefolgt ist?

! Für uns hat sich wenig verändert. Christian Flüthmann hat ja bereits in der vergangenen Saison sowohl an Taktik als auch am Training mitgewirkt und besitzt einen klaren Plan. Er kennt alle Abläufe sowie das Umfeld. Allerdings können wir alles einen Tick ruhiger umsetzen als in der vergangenen Saison, vor allem was den Ballbesitz angeht. Dazu gehört unter anderem, den Spielaufbau mit mehr Ruhe durchzuziehen, weil man weiß, dass die sportliche Gesamtsituation nicht so brenzlig ist.

? Läuft es weiterhin so gut, wird die Mannschaft früher oder später mit dem Thema Zweitligaaufstieg konfrontiert werden. Wie gehen Sie mit dem Thema um?

! In erster Linie müssen wir in dieser Liga jedes Wochenende aufs Neue das Miteinander und unsere Qualität auf den Rasen bringen, um die Spiele zu gewinnen. Die Saison läuft noch bis Mitte Mai nächsten Jahres und so lange nichts feststeht, wollen wir das Thema auch von uns fernhalten. Das ist jetzt nichts, womit man sich am 7. Spieltag beschäftigen sollte. Schließlich hat man im vergangenen Jahr nicht nur in Braunschweig gesehen, dass in dieser verrückten Liga alles möglich ist. Jena hat sich durch fünf Siege plötzlich noch vor dem Abstieg gerettet, während Spitzenteams wie Uerdingen oder Unterhaching in der Rückserie noch um den Klassenerhalt bangen mussten.

? Gibt es etwas, das Ihnen trotz des momentanen Erfolgs Sorgen bereitet?

! Keiner von uns macht im Training einen Schritt weniger, nur weil wir oben stehen. Man hat gesehen, dass wir in den vergangenen Wochen nicht nachgelassen haben und die Mannschaft gierig nach Siegen ist. Im Bezug auf das Umfeld würde ich mich freuen, wenn wir versuchen, uns das Leben nicht selber schwer zu machen. Wird der Ball wie gegen Würzburg hintenrum oder zum Torwart gespielt, dient das dazu den Gegner auch mal laufen zu lassen. Klar möchten die Zuschauer lieber den schnellen Ball nach vorne sehen, doch wenn man dann Raunen oder vielleicht auch Pfeifen im Publikum hört, hilft uns das als Mannschaft nicht weiter. Da sollten wir alle ein bisschen aufpassen, dass trotz aller Freude die Erwartung nicht zu hoch wird.

? Fühlt man mit den jüngeren Spielern, die es aktuell schwer haben, Einsatzzeit zu bekommen und spricht Ihnen als Kapitän vielleicht auch Mut zu?

! Natürlich spricht man häufig mit den jüngeren Spielern, wie den Otto-Zwillingen oder Leon Bürger, der nach seiner Verletzung vor einigen Wochen natürlich niedergeschlagen war. Neben taktischen Dingen geht es auch darum ihnen mitzugeben, dass sie im Training weiter Gas geben müssen um sich zu zeigen, speziell in Phasen in denen sie weniger Einsatzzeit bekommen. Meine Erfahrung hilft mir dabei, sie zu pushen und ihnen Tipps zu geben, wie ich früher mit solchen Situationen umgegangen bin. Bei Yari Otto hat man am vergangenen Wochenende gesehen, wie schnell sich eine Chance ergeben kann. Er war in dem Moment voll da, darauf kommt es an.

^