Die Titelbringer der Eintracht | Neue Braunschweiger
31. Oktober 2020
Sport

Die Titelbringer der Eintracht

Die Hockey-Damen prägten über ein Jahrzehnt ihren Sport in Deutschland und gehören zu den erfolgreichsten Abteilungen

Am 7. November 1965 standen die Damen in Hamburg gegen Groß Flottbek im Endspiel: I. Knust-Borgolte, V. Sadoni (Groß Flottbek) und Hannelore Blumenberg (von links). Foto: privat

Braunschweig. Als die Fußballer von Eintracht Braunschweig 1967 den bis heute größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte feierten, die Deutsche Meisterschaft, war eine andere Abteilung bereits seit Jahren nationale und in der Folgezeit auch europäische Spitze: die Hockey-Damen. Untrennbar verbunden mit dieser Ära ist der Name Hannelore Blumenberg, wohl eine der besten Spielerinnen, die Deutschland je hervorgebracht hat.

Schon früh, am 15. Oktober 1924, kam Hockey als Abteilung in den damaligen SV Eintracht Braunschweig Damen- und Herrenbereich und gehört damit zu den ältesten heute noch aktiven Sparten des Vereins. Und auch zu den erfolgreichsten. Sechs Deutsche Meisterschaften auf dem Feld, drei Hallenmeisterschaften, drei Vize-Europameisterschaften und vier Deutsche Vizemeisterschaften, die alle in den Jahren zwischen 1964 und 1979 errungen wurden, sprechen für sich. Übrigens alle von den Damen, die Herren waren in Norddeutschland erfolgreich – mehrfacher Norddeutscher Meister – und spielten einige Jahre in der Hallenbundesliga. Seit Ende der 80er-Jahre existieren sie nicht mehr.

Die Meistermannschaft von 1975. Obere Reihe von links: Gudrun Scholz, Karen Haude, Heinz Blumenberg, Irmgard Rahmel, Monika Hoheisel, Ingrid Bruckert, Eva Pagels, Bettina Cruszinski, Susi Siuda; untere Reihe von links: Hannelore Blumenberg, Ulla Sausner, Christel Lau, Gabi Seifert, Annegret Vofrei und Margit Müller. Foto: privat/oh

Hannelore Blumenberg begann 1947 zunächst beim MTV mit der Leichtathletik, dann mit dem Hockey. 1954 lockte sie ihr späterer Mann Heinz, selbst aktiver Leichtathlet, zur Eintracht. „Eigentlich wollte ich gar nicht weg“, erinnert Hannelore Blumenberg sich an den Vereinswechsel. Sie baute in der Folgezeit mit ihrer internationalen Erfahrung als Spielertrainerin eine Mannschaft auf, die später zum Maßstab im deutschen Frauenhockey wurde.
Dreimal die Woche wurde trainiert, es kamen Spielerinnen aus Wolfsburg und Hildesheim dazu. „Wenn die nach dem Training nach Hause fuhren, mussten sie anrufen, dass sie gut angekommen sind“, erinnert sich Hannelore Blumenberg an die Verbundenheit untereinander.

Schon 1955 wurde Hannelore Blumenberg Nationalspielerin, mit 20 Jahren eine der jüngsten der Geschichte. In 15 Jahren bestritt sie 42 Länderspiele, wurde 1960 Spielführerin und 1961 Rekordnationalspielerin. „Wir hatten ja damals nicht so viele Spiele wie die Damen heute.“
Mit der Eintracht holte sie 1964 die erste nationale Vizemeisterschaft, bevor es dann 1965 zum längsten Endspiel der Hockeygeschichte kam. Nach einem 0:0 in Hamburg und einem 1:1 im Wiederholungsspiel – jeweils nach Verlängerung, ein Siebenmeterschießen gab es nicht –, traf man sich in Hannover zu einem dritten Schlagabtausch, es war bereits der 2. Januar 1966 und „richtig kalt“. Die Eintracht siegte 3:1 – nach Verlängerung. Alle drei Tore erzielte die ehemalige Leichtathletin Gudrun Scholz, die später in der Nationalmannschaft als Stürmerin eine der stärksten Spielerin war, während Blumenberg dort die Abwehr organisierte. Durch Scholz‘ entscheidende Tore gewann die deutsche Mannschaft 1976 die Weltmeisterschaft.

Eine der letzten „goldenen“ Generationen: Die Mannschaft von 2003 wurde in der Halle Nordmeister, scheiterte dann im Viertelfinale um die DM. Das Aufgebot (hinten v.l.): Betreuer Kristian Bethke, Nicole Heyen, Kristin Köhler, Mareike Meyer, Victoria Wiedermann, Trainer Jost Milkau, Reinhard Bremer; (vorne v.l.) Britta Billmann, Vanessa Schmidt, Ivonne Heyden, Anke Kühn, Rebecca Judisch, Nadine Ernsting-Krienke, Inga Matthes und Vivien Boa. Foto: Rudolf Flentje

Es folgten bis zu Blumenbergs Karriereende 1979 weitere große Erfolge, die seit dem nicht erreicht sind. Die Dominanz im Damenhockey in den siebziger Jahren war auf einer taktischen Spielumstellung und einer guten Mischung von älteren erfahrenen und jüngeren Spielerinnen zurückzuführen.
Dennoch hielt man in den folgenden 30 Jahren mit wenigen kurzen Unterbrechungen die Bundesliga und brachte 2004 mit Anke Kühn, Tina Bachmann, Julia Zwehl, Heike Lätzsch und Nadine Ernsting-Krienke gleich fünf Olympiasiegerinnen hervor. Heute spielt die Mannschaft auf Feld in der 2. und in der Halle in der 1. Bundesliga.

Der Olympiasieg blieb Hannelore Blumenberg zwar verwehrt, Damenhockey ist erst seit dem Jahr 1980 dabei, international erinnert sie sich aber gern an beeindruckende Momente zurück. Einer davon war tatsächlich 1967: Ein Länderspiel vor 55 000 Zuschauern im altehrwürdigen Wembley-Stadion in London gegen England.

Über die Serie: 

Eine Legende hat Geburtstag: Der Braunschweiger Turn- und Sportverein von 1895 wird 125 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern. Das tun wir mit einem Hochglanzmagazin voller blau-gelber Momente, emotionaler Höhepunkte und unvergessener Meisterschafts-Erinnerungen.
Aber – wir feiern auch den Breitensport. Aktuell sind mehr als 5200 Menschen Mitglied in „ihrem“ BTSV, sie schwimmen und turnen, sie spielen Handball, Hockey oder Basketball. Das Jubiläumsmagazin ist ab dem 21. November im Zeitschriftenhandel erhältlich. Vorab stellen wir in der NB in loser Folge die verschiedenen Sparten vor, die der Verein – außer König Fußball – noch zu bieten hat.

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