Die Unsicherheit macht mürbe | Neue Braunschweiger
22. April 2020
Gesundheit

Die Unsicherheit macht mürbe

Patientendaten nicht angekommen – Braunschweigerin wartet vergeblich aufs Corona-Mobil

Hat sie sich angesteckt oder nicht? Eine kranke Braunschweigerin wartet, dass ein Test gemacht wird. Was sie nicht weiß: Ihre Patientendaten liegen nicht vor. Foto: congerdesignPixabay

Braunschweig. Simone Rohmann ist krank, ob die Symptome aber zu einer „normalen“ Erkältung oder Grippe gehören oder aber auf Covid-19 hindeuten, das weiß sie nicht. Die Unsicherheit macht sie fertig, die Nerven liegen blank.

Eine Nachbarin im Haus ist positiv getestet worden, eine Ansteckung nicht unmöglich. Der Hausarzt stuft sie als Verdachtsfall ein. Ihre Stimme klingt heiser. „Ich fühle mich lahm und bin kurzatmig“, beschreibt sie die Symptome. Außerdem hat sie Fieber und: „Ich habe Angst.“

KV nicht informiert?

Warum ihre Patientendaten die Kassenärztliche Vereinigung nicht erreichen oder dort verloren gegangen sind, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Die Praxis hat den Corona-Verdachtsfall nach eigenen Angaben ordnungsgemäß gemeldet. Die Kassenärztliche Vereinigung, die den Einsatz des Corona-Testmobils koordiniert, hat sie – ebenfalls nach eigenen Angaben – nie bekommen.
Nur das städtische Gesundheitsamt wusste Bescheid, auch dorthin hatte die Hausarztpraxis, so wie es vorgesehen ist, die Daten geschickt. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes war es dann auch, der Simone Rohmann ankündigte, dass das Mobil „in zwei bis drei Tagen“ bei ihr vorbeikommen wird, damit ein Abstrich für einen Corona-Test genommen werden kann.

Sorge um Kollegen

Simone Rohmann arbeitet normalerweise in einem Supermarkt, sie macht sich um ihre Arbeitskollegen und um die Kunden Sorgen. „Ein Arbeitskollege ist nun auch ein bisschen erkältet“, erzählt sie uns.
Als wir mit ihr telefonieren, ist bereits eine Woche des Wartens vergangen. Kein Corona-Mobil, kein Test, dafür häusliche Quarantäne, gemeinsam mit ihrem Partner. Der fühlt sich gut, aber wer weiß, falls es nun doch Corona ist? „Wir sind beide gefangen“, sagt sie. Die Tochter versorgt sie, stellt die Tasche mit Einkäufen vor der Haustür ab. Ein erneuter Anruf beim Gesundheitsamt bringt sie nicht weiter, sie solle sich gedulden, sie sei nicht die Einzige, die getestet werden muss.

Als die NB der Sache nachgeht, kommt schnell heraus, dass Simone Rohmann noch ewig hätte warten können. Ohne Patientendaten kein Test. Wir drängeln bei der Stadt. Was auch immer hier schiefgelaufen ist, Simone Rohmann kann nichts dafür. „Dass die Betroffene schon seit einigen Tagen auf den Abstrich wartet, ist bedauerlich“, schreibt das Referat Kommunikation auf unsere Anfrage. Das Gesundheitsamt wird nun selbst tätig und schickt ein Team zu ihr, um einen Test auf das Virus zu veranlassen.

Am Ende Erleichterung

Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, Simone Rohmann fühlt sich wieder gesund. Und das Testergebnis? Ist negativ teilt ihr eine Ärztin des Gesundheitsamtes persönlich am Telefon mit und entschuldigt sich ausdrücklich für die Umstände. Nur ein Antikörpertest könnte nun zeigen, ob Corona hinter Simone Rohmanns Krankheit steckte. Die Symptome sprechen durchaus dafür.

Simone Rohmann freut sich, dass die Zeit der Ungewissheit und des Eingesperrtseins vorbei ist, geht auch schon wieder arbeiten. „Ich bin mega-glücklich“, sagt sie uns am Telefon.

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