Die Welt ist eine Bohne

Michael Jäger und seine Kaffeefabrik – Braunschweiger Spitzenröstungen jetzt neu bei Görge

Feinster Kaffee mit feinster Crema, mehr braucht es nicht. „Bei mir finden Sie keinen Krümel Zucker im Haus“, sagt Michael Jäger. Fotos: Marion Korth

Braunschweig. Frische Fruchtnoten und eine Spur von Limone, gefolgt von Zuckersüße und Honigaromen und dann ­– zum krönenden Abschluss – der Geschmack Schwarzer Johannisbeere. Willkommen in der Welt des Kaffees. Wie einen Fächer breitet Kaffeesommelier Michael Jäger die Aromen der unterschiedlichen Sorten und Mischungen aus. Sogar einen Kaffee, der von sich aus nach Joghurette, einem Erdbeerschokoriegel schmeckt, hat er anzubieten.

Nein, kein Kaffee ist wie der andere. Und wer denkt, dass Kaffee einfach ist, war noch nie in Michael Jägers Kaffeefabrik im Kastanienhof in der Marienstraße. „Kaffee ist ein Genussmittel, diese Botschaft möchte ich nach vorn bringen“, sagt Jäger. „Ohne Zusatzstoffe, ohne künstliche Aromen, mit großer Leidenschaft“ steht an der Tür zu seiner Rösterei. Die Qualität seiner Kaffees hat sich im östlichen Ringgebiet herumgesprochen. Jetzt erfolgte der Sprung in andere Stadtviertel. „Wie Michael Jäger das Thema Kaffee lebt und seine Philosophie haben überzeugt“, sagt Marco Weiße, Verkaufsleiter bei Görge. In fünf der zehn Frischemärkte in Braunschweig (Kastanienallee, Wenden, Wiesenstraße, Kanzlerfeld und Mascherode) sind die Spitzenkaffees seit kurzem erhältlich.

Dieses Produkt hatte noch gefehlt, erfüllt es doch perfekt den Görge-Anspruch exklusiv und regional zu sein, fügt sich ein in die Reihe der regionalen Spezialitäten wie Fleisch vom Roten Höhenvieh aus dem Harz, handverlesenen Tomaten aus Wolfenbüttel oder Craft Beer aus Braunschweiger Produktion.
Handelsüblicher Bohnenkaffee ist eine Massenware, wird bei 450 bis 600 Grad in höchstens zwei Minuten geröstet. Oder sollte man lieber sagen „verbrannt“? „Mir geht es um den Genuss“, setzt Michael Jäger dagegen. Kaffee ist ein Obstbaum, die Kaffeebohne eigentlich eine Steinfrucht, damit all die vielen Aromen erhalten bleiben, beziehungsweise hervorgeholt werden, muss der Barista vorsichtig ans Werk gehen. Bis zu 18 Minuten lässt Jäger seinem Kaffee Zeit, um bei nicht einmal 190 Grad eine zarte Bräune anzunehmen. Das Acrylamidproblem habe er so im Griff, sagt Jäger. Der Geschmack werde auf diese Weise nicht von Röststoffen bestimmt oder gar zerstört.

Nur die besten Bohnen holt er nach Braunschweig. Quelle und Qualität müssen höchsten Ansprüchen genügen. Etliche Kaffeesorten stammen aus Bioanbau, auch wenn sie nicht zertifiziert sind. Boden, Klima, Sorten und die weitere Verarbeitung tragen zum Geschmack bei, den Michael Jäger in seiner Rösterei zur Vollendung führt.
Als er 2001 einen Freund in Italien besuchte, war ihm zum ersten Mal aufgefallen, wie unterschiedlich Kaffee schmecken kann. In seinem vorherigen Berufsleben war Michael Jäger als Markenverantwortlicher in der Automobilindustrie in die Sackgasse geraten, steckte nun alle Energie in die Ausbildung zum Kaffeespezialisten. Das Jahr 2012 war ein besonderes. „Burnout“, sagt Michael Jäger. Am 9. Oktober 2014 eröffnete er die Kaffeefabrik. Als Standort habe auch Berlin zur Debatte gestanden, aber die Wahl fiel auf Braunschweig, wo Michael Jäger der erste Vertreter der „third Wave“ war.
Dritte Welle? Die erste Welle brachte den Bohnenkaffee in jeden Haushalt und machte Kaffee zum Allerweltsgetränk, die zweite setzte mit Verwendung der Siebträgermaschine und der Kaffeezubereitung mit Druck ab 1960 ein, die dritte stellt oberste Qualität, gesicherte Herkünfte und handwerkliche Veredlung in den Mittelpunkt.
Dazu passt, dass er selbst nicht mit aufs Foto möchte: Michael Jäger stellt lieber den Kaffee in den Vordergrund. Er allein am Trommelröster stehend, Nuancen von Erdnuss, Brombeere oder Karamell in der Nase, das ist seine Welt.

^