Die Zahl der Straftaten ist weiter gesunken | Neue Braunschweiger
16. März 2020
Allgemein

Die Zahl der Straftaten ist weiter gesunken

Polizeiliche Kriminalstatistik 2019: Unsere Region liegt unter dem Landesdurchschnitt

Stellten die Kriminalstatistik vor (v. l.): Polizist Mohammed El-Mohammed, „Themenbeauftragter Bodycam“, Polizeipräsident Michael Pientka und Mathias Müller von der regionalen Analysestelle. Foto: Andreas Konrad

Braunschweig. „Die Gefahr, Opfer von Kriminalität zu werden, ist erneut gesunken“, bilanzierte Polizeipräsident Michael Pientka gestern bei der Präsentation der polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2019.
Dabei gibt es innerhalb der Polizeidirektion Braunschweig, für die diese Statistik erstellt worden ist, durchaus große Unterschiede. Die Landkreise Wolfenbüttel, Gifhorn und auch Peine sind besonders kriminalitätsarm, die Städte Wolfsburg und Braunschweig liegen über dem niedersächsischen Durchschnitt. Zusammen mit Goslar, Salzgitter und dem Landkreis Helmstedt bleibt die Region mit 68 076 angezeigten Straftaten insgesamt deutlich unter dem niedersächsischen Mittel, und die Zahl wurde das vierte Jahr in Folge geringer. Die zweite gute Nachricht aus Sicht der Polizei ist: Die Aufklärungsquote erreichte mit 63,73 Prozent ein Zehnjahreshoch.
Sorge bereitet den Ordnungshütern ein Anstieg der häuslichen Gewalt, die Straftaten zum Nachteil älterer Menschen durch „Enkeltrick“ und „falsche Polizeibeamte“ sowie die Kinderpornografie in Form von Verbreitung von Bildern im Internet insbesondere auch durch Gleichaltrige. Ebenfalls zu hoch sei die Zahl der Übergriffe auf Polizisten. „184 Einsatzkräfte wurden verletzt“, so Pientka. Mit der Einführung sogenannter Bodycams will man hier künftig gegensteuern.

Nachdem die Pilotphase erfolgreich verlaufen war und Gesetze entsprechend geändert worden sind, ist nun der Einsatz der kleinen Kameras am Körper auch mit Tonaufnahme gestattet. „Das ist sehr effektiv in brisanten Fällen“, berichtet Mohammed El-Mohammed, der selbst die Bodycams auf Streife testete und für die Polizeidirektion mit dem Thema betraut ist.
21 Dienststellen sind seit Start Anfang Februar mit einer Bodycam ausgestattet, weitere sollen nach den Wünschen Pientkas folgen. „Das ist aber auch eine Frage der Finanzierung“, so der Polizeipräsident. Insbesondere im Rahmen der klassischen Einsätze im Zusammenhang mit Alkohol, Drogen und Körperverletzung, die an den Wochenenden in den Vergnügungsvierteln der Region stattfinden, sollen die Bodycams Beweise für folgende Strafverfahren sichern.
Besonders erfolgreich war die Polizei im Jahr 2019 bei der Bekämpfung von Einbrüchen und Autodiebstahl. Pientka: „In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass mit 1282 Wohnungseinbrüchen im Jahr 2019 nochmals 380 Fälle weniger als in 2018 und damit der geringste Stand seit 2010 angefallen sind. Die Spitze dieser Straftaten verzeichneten wir 2015 mit fast doppelt so vielen Taten. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei m Kraftfahrzeugdiebstahl. Mit 394 Taten im vergangenen Jahr waren es fast 600 Taten weniger gegenüber 2010. Auch in diesem Bereich lag die Spitze mit 747 Taten 2015, die wir kontinuierlich reduzieren konnten.“
Schwere Straftaten mit Todesfolge gab es 2019 in 20 Fällen, darunter zwei Morde, zweimal Totschlag, ein Schwangerschaftsabbruch und 15 fahrlässige Tötungen. Alle Fälle wurden aufgeklärt.

Personell steht die Polizeidirektion in den nächsten Jahren vor einem großen Umbruch. In den 70er-Jahren wurden wegen Linksterrorismus und großen Bürgerprotesten viele Polizisten eingestellt, die nun das Rentenalter erreichen. „Jede Stelle wird ersetzt“, verspricht Pientka, sodass er die Zahl von rund 3000 Mitarbeitern halten kann.

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