16. Oktober 2021
Politik

„Diese Regeln sind nicht umsetzbar“

Städtetag sauer über Pläne vom Land, Wirtschaftsdezernent Leppa versucht dennoch zu planen

So schön war es , so schön soll es auch wieder werden. Aber – die aktuellen Regeln sind schwer umzusetzen. Foto: BZV-Archiv: Kleinschmidt/Bestpixels

Innenstadt. Immerhin ­– der Weihnachtsmarkt darf wieder stattfinden. Das ist aber auch schon die einzige gute Nachricht rund um dieses Thema. Denn das „Wie“ ist mehr als fragwürdig: Wie die Abstände einhalten? Wie Warteschlangen regeln? Wie die 3-G-Regelung kontrollieren? Einlasskontrollen? Bändchen verteilen wie im All-inclusive-Hotel? Fragen über Fragen.

Gerold Leppa, Wirtschaftsdezernent, Geschäftsführer Braunschweig Zukunft und Stadtmarketing, ist allein schon aufgrund dieser „Ämterhäufung“ Coronaexperte und reagiert auf die jetzt veröffentlichten Vorgaben des Landes gewohnt ruhig und professionell: „Wir freuen uns, dass das Land nun den rechtlichen Rahmen abgesteckt hat. Das ermöglicht es uns, nun ganz konkret in die Planung für den diesjährigen Weihnachtsmarkt einzusteigen.“ Beim niedersächsischen Städtetag klingt das so: „Der Weihnachtsmarkt-Regel mit drei kommunalen Handlungsoptionen ist völlig unpraktikabel!“, so der Städtetags-Präsident Ulrich Mädge. Und sein Vize, Frank Klingebiel, OB aus Salzgitter, kommentiert: „Solche Regelungen sind schlicht nicht umsetzbar!“

„Die Berücksichtigung der Vorgaben des Landes wird Anpassungen an unserem Konzept erfordern, die wir mit dem Schaustellerverband besprechen und vor allem mit den zuständigen Behörden abstimmen müssen“, erklärt Gerold Leppa das weitere Vorgehen.
Und diese Vorgaben haben es in sich. Der Städtetag zu den Einzelvorschlägen aus Hannover: „Eine Einzäunung des Marktes mit Zugangskontrollen widerspricht dem Charakter der Weihnachtsmärkte. Die alternativ vorgeschlagene Bändchen-Ausgabe ist organisatorisch aufwendig, personal- und damit sehr kostenintensiv. Wer kein Bändchen vorzeigen kann, bummelt zwar durch die Stadt, wird aber an den Weihnachtsbuden nichts verzehren. Diese Gäste werden dann in der üblichen, stationären Gastronomie bewirtet, die vergleichbare Buden im Außenbereich aufstellen und dort unter anderen Regeln Glühwein und Speisen anbieten wird. Dieses Nebeneinander von widersprüchlichen Regeln führt in der Bevölkerung zu Unverständnis und schadet der Akzeptanz der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.“

Besonders kompliziert wird die Lage, da es ja nicht nur um die Coronaregeln geht, sondern die „alten“ Problemzonen noch dazukommen: Das erhöhte Sicherheitskonzept nach den Terroranschlägen auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin und die speziell in Braunschweig komplizierte Verkehrslage, denn der Weihnachtsmarkt wird von der Münzstraße durchquert. Klar ist, dass es nicht so eng werden darf wie gewohnt. Rund 180 Schausteller waren vor Corona auf dem Weihnachtsmarkt, jetzt müssen zwei Meter Abstand zwischen die Buden. Muss nun gelost werden? „Ich gehe davon aus, dass wir eher Absagen von einigen Schaustellern bekommen werden“, vermutet Gerold Leppa. Manche haben schon woanders zugesagt, andere finden so schnell kein Personal mehr. „Wir hoffen, dass wir in gut einer Woche ein Konzept vorlegen können“, so Leppa.

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