Digital aufholen: Frauen schließen Lücken | Neue Braunschweiger
15. August 2020
Bildung

Digital aufholen: Frauen schließen Lücken

19. IT-Sommerfestival bietet kleine Gruppen und geschützte Räume, bewährte Angebote und neue Themen

Dietlinde Tartler (rechts), Leiterin der Beratungs- und Koordinierungsstelle Frau und Beruf an der VHS, und Marion Lenz laden herzlich ein zum 19. IT-Sommerfestival für Frauen in Braunschweig. Foto: Stadt Braunschweig

Braunschweig (obi). „Die Corona-Krise hat gerade auch für Frauen weitreichende Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens“, sagt Marion Lenz als Frauenbeauftragte der Stadt. „Deshalb freuen wir uns, unter Einhaltung aller Hygienebestimmungen, auch in diesem Jahr die Braunschweiger Frauen zum IT-Sommerfestival begrüßen zu können.“

Die Digitalisierung biete Potenziale für mehr Geschlechter-Gerechtigkeit, wenn der digitale Wandel als sozialer Prozess betrachtet und gestaltet werde. Und diesen Prozess wollen die Organisatorinnen gemeinsam voranbringen.
„Deshalb erobern Braunschweiger Frauen seit 19 Jahren in der letzten Woche der Sommerferien, in diesem Jahr vom 17. bis 21. August, die Volkshochschule Braunschweig in der Heydenstraße“, freut sich Lenz.

Zum Hintergrund: Soziale Kontakte, Arbeitsprozesse und Informationsvermittlung finden verstärkt über das Internet statt. Die Digitalisierung gewinnt schlagartig an Bedeutung: Homeoffice und Onlinekonferenzen werden zu festen Bestandteilen des Arbeitslebens. Aber auch die Kommunikation im Privaten wird digitaler. Ebenso das Lernen und die Weiterbildung. Diese Themen machen den inhaltlichen Schwerpunkt des 19. IT-Sommerfestivals aus.

„Das Besondere sind das angenehme und entspannte Lernklima in kleinen Frauengruppen – coronabedingt in noch kleineren Gruppen als sonst – und der geschützte Austausch in den Pausen, bei kostenlosem Kaffeeservice“ betont Dietlinde Tartler, Leiterin der Beratungs- und Koordinierungsstelle Frau und Beruf an der VHS.
Die vorwiegend drei- bis vierstündigen Einheiten finden am Vor- oder Nachmittag statt. Die Kurse mit unterschiedlichen Niveaus richten sich an Einsteigerinnen oder erfahrene Nutzerinnen jeden Alters.

Zum ersten Mal gibt es dabei auch reine Online-Kurse (zwei kostenfreie Einführungen in dieses Lernformat gibt es am ersten Tag des Festivals). Das Angebot reicht von ersten Schritten in der Arbeit mit dem Computer oder in die Nutzung von Smartphone und Tablet bis hin zu Tipps und Kniffen für die digitale Kommunikation.

Neben bewährten Angeboten gibt es immer wieder neue Seminare wie beispielsweise „Konferenzsysteme im Vergleich“, „Instagram macht Spaß“, „Word in der Cloud“, „Webseminare selbst erstellen“ oder „Vom Handyfilm zum fertigen Videoclip“.
Beratung und Anmeldung sind durchgängig auch während der Festivalwoche möglich. Infos zu den Kursen und Anmeldung telefonisch unter 0531/2412-315 oder -321.
Das IT-Sommerfestival sei auch im 19. Jahr aktuell und nötig, erklärt Lenz. Gerade in Deutschland treffe die Digitalisierung auf einen besonders stark geschlechtsspezifisch aufgeteilten Arbeitsmarkt, wie sich in zahlreichen Gendergaps zeige: Die Unterschiede zwischen der Bezahlung typischer „Frauenberufe“ und typischer „Männerberufe“ sind in Deutschland besonders groß; der Gender Pay Gap ist einer der größten in ganz Europa, die Verteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen ist besonders ungleich und der Gender-Pension-Gap liegt aktuell bei mehr als 50 Prozent.
Hat die Digitalisierung nun das Potenzial, diese Lücken zu schließen? Oder wird der Graben durch sie eher noch größer? Die Frauenbeauftragte sagt dazu: „Möglich ist Beides. Die Digitalisierung bietet Potenziale für mehr Geschlechtergerechtigkeit, wenn der digitale Wandel als ein sozialer Prozess betrachtet und gestaltet wird.“

Gleichzeitig könnte sich aber auch die Geschlechterungleichheit verfestigen und die Polarisierung von Einkommen, Zugängen, Positionen oder Qualifizierung verstetigen. Zurzeit sei der Online-Alltag dadurch gekennzeichnet, dass Google Männern Führungspositionen anbietet und Frauen Teilzeit-Stellen. Die Gleichstellungsbeauftragte betont, dass „jede neue Technologie Anlass ist, die Geschlechterverhältnisse neu zu verhandeln und Machtverhältnisse, Rollenzuschreibungen und Arbeitsteilung zu hinterfragen. Deshalb bleibt das Frauen-IT-Sommerfestival weiterhin wichtig, da es in jedem Jahr die neuesten Entwicklungen aufgreift.“

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