Drei Milliarden Buchstaben prüfen

Neue Technologie am Klinikum: Erbgutveränderungen erkennen, Therapie darauf ausrichten

Über den modernen DNA-Sequenzierer freuen sich (v. l.): Ärztlicher Direktor Dr. Thomas Bartkiewicz, Prof. Dr. Jürgen Krauter, Dr. Horst Hanning, Sven Koster (Leiter Region Nord Siemens Healthineers), Privatdozent Dr. Thomas Fühner und Jutta Fritz (Leitung Business Development bei New Neo Oncology). Foto: Peter Sierigk/Klinikum Braunschweig

Braunschweig. Gute Nachrichten für Krebspatienten: Mit einer neuen Technik am Braunschweiger Klinikum kann jetzt schnell und zuverlässig geklärt werden, welche Patienten für eine sogenannte „zielgerichtete Therapie“ in Frage kommen.

Im Rahmen einer strategischen Technologiepartnerschaft mit Siemens Healthineers hat das Klinikum einen sogenannten DNA-Sequenzierer zur Verfügung, der die Erbgutveränderungen von Krebszellen erkennt.
Das Gerät arbeitet dabei so, als würde es prüfen, ob drei Milliarden Buchstaben in der richtigen Reihenfolge stehen.

Und wenn nicht, wo der Fehler liegt. Damit können die Pathologen die Patienten identifizieren, die aufgrund des gefundenen DNA-Fehlers für eine „zielgerichtete Therapie“ in Frage kommen.
„Beim Lungenkrebs beispielsweise kommen wir aus einem dunklen Keller“, sagt Privatdozent Dr. Thomas Fühner.

Der Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin spricht von der bislang eher schlechten Prognose für seine Patienten. Umso begeisterter ist er von der Zusammenarbeit mit Siemens.
Denn im Gegensatz zur Chemotherapie, die ohne Ausnahme alle Zellen angreift, wirken die Substanzen bei einer „zielgerichteten Therapie“ passgenau gegen spezifische Veränderungen in der Erbinformation eines Tumors.

Dadurch sind sie sehr effizient und in der Regel nebenwirkungsärmer als die Chemotherapie. Allerdings sind diese zielgerichteten Medikamente bei Tumoren ohne die Erbgutveränderungen nahezu wirkungslos.
Umso wichtiger ist es, einen möglichen Fehler im Erbgut zu erkennen. So sind etwa allein beim Lungenkrebs mehr als ein Dutzend Erbgutveränderungen bekannt, die unterschiedliche therapeutische Konsequenzen haben können.

Die Behandlung eines Patienten wird zunehmend auf den individuellen Tumor zugeschnitten, und dadurch auch effektiver. Um eine optimale Therapieentscheidung treffen zu können, ist es für den Arzt daher enorm wichtig, die Krebserkrankung des einzelnen Patienten auch auf molekularer Ebene zu verstehen.

„In der modernen Onkologie wird die Verknüpfung unterschiedlicher Methoden immer wichtiger. Vor allem bildgebende Verfahren und molekulare Tumordiagnostik wachsen immer mehr zusammen: Beide Technologien liefern immer detailliertere Daten, die in der Zusammenschau ein umfassendes Bild der individuellen Erkrankung eines Patienten liefern, welches die Grundlage für eine optimale Behandlung von Krebspatienten bietet“, so Dr. Stefan Schaller, Leiter der Vertriebsregion Deutschland bei Siemens Healthineers.

„Wir werden den Lungenkrebs zwar in den nächsten Jahren nicht besiegen“, sagt Chefarzt Dr. Fühner, „aber es tut sich eine Menge.“

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