Drittligaclubs sind uneinig über Zukunftsszenarien | Neue Braunschweiger
4. April 2020
Sport

Drittligaclubs sind uneinig über Zukunftsszenarien

Das Saisonaus in Belgien befeuert die Diskussion – Die DFL verringert Punktabzüge bei Insolvenz von Vereinen

Wie hier am Preußen-Stadion in Münster sind die Zugänge mit Ketten und Schlössern gesperrt. Viele Vereine blicken momentan in eine düstere Zukunft. Foto: Elmar Kremser/imago images

Braunschweig. Wie soll es weitergehen? Die coronabedingte andauernde Zwangspause hält diese Diskussion auch in der dritten Liga am Laufen. Nur eines scheint sicher: Von Einigkeit über ein mögliches Zukunftsszenario scheinen die Clubs, je nach Tabellenstand und wirtschaftlicher Situation, weit entfernt.

Befeuert wird die Diskussion seit Kurzem von dem Saisonaus in der ersten belgischen Liga. Der Verband hatte die Spielzeit am vergangenen Dienstag beendet und den Tabellenführer FC Brügge zum Meister erklärt, nachdem sich 17 der 24 Erst- und Zweitligaclubs für einen Saisonabbruch ausgesprochen hatten. Die Westflamen hatten einen Spieltag vor Ende der regulären Saison 15 Punkte Vorsprung und hätten sieben Zähler Vorsprung mit in die anstehende Meisterschaftsrunde genommen.

Von einem solch deutlichen Szenario ist die dritte Liga aktuelle weit entfernt. Nur drei Zähler trennen den Tabellenzweiten Waldhof Mannheim von den Würzburger Kickers auf Rang zehn. 1860 München befindet sich mit 42 Punkten mittendrin in diesem „Pulk“, sodass sich Sportgeschäftsführer Günther Gorenzel in der „TZ“ gegen einen Abbruch der Spielzeit ausspricht: „Bei einem Abbruch der Meisterschaft wäre für uns – neben dem Verlust einer möglicherweise historischen Aufstiegschance – auch der wirtschaftliche Schaden am größten.“ Im Gegensatz dazu hatte sich der Hallesche FC zuvor für den Abbruch der laufenden Spielzeit ausgesprochen. Erzrivale 1. FC Magdeburg sprach sich gegen „Geisterspiele“ ohne Fans aus, da Zuschauereinnahmen wegfielen, die Kosten aber erhalten blieben.

Auch Staffelkonkurrent FSV Zwickau, der ebenso wie seine beiden Konkurrenten um den Klassenerhalt kämpft, befürchtet in diesem Fall den finanziellen Kollaps, da dem Club ohne Zuschauereinnahmen eine Liquiditätslücke von 800 000 Euro entstünde. Sollten die „Schwäne“ Insolvenz anmelden müssen, würden die Folgen wohl aber weniger gravierend ausfallen. Hintergrund ist der DFL-Beschluss zu Wochenbeginn, der Insolvenzen in der aktuellen Saison nicht mit dem sonst obligatorischen Neun-Punkte-Abzug bestrafen wird.

Auch in der kommenden Spielzeit sollen bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens lediglich drei Zähler abgezogen werden. Zwar gilt dies vorerst nur für die Clubs der ersten beiden Ligen, dass sich der für die dritte Liga verantwortliche DFB diesem Procedere anschließt, gilt jedoch als sehr wahrscheinlich. Davon könnte auch der krisengeschüttelte 1. FC Kaiserslautern profitieren. Die „Roten Teufel“ plagt eine Liquiditätslücke von 12 Millionen Euro, sollte es nun zu einer Planinsolvenz kommen, wäre dies nicht gleichbedeutend mit einem wahrscheinlichen Abstieg. Stattdessen würde der Erhalt des Betriebes angestrebt werden, außerdem würde der Vertrag von Ex-Löwen-Geschäftsführer Soeren-Oliver Voigt ebenso weiterlaufen wie die der Spieler.

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