Drüber reden – ein guter Anfang

Aktion zum Welt-Aids-Tag: Neue Therapiemöglichkeiten verhindern HIV-Ansteckung

Aus Anlass des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember sammelten Mitglieder der Aids-Hilfe sowie Freunde und Unterstützer aus Politik, Kirchen und Verwaltung Spenden. Die Kampagne „N=N“ verweist auf die neuen Therapiemöglichkeiten (nicht messbar=nicht übertragbar).  Foto: Marion Korth

Braunschweig. Erneut sind die Zahlen der Neuinfektionen in Deutschland leicht gesunken, doch diese Zahlen täuschen, denn besiegt ist die Immunschwächekrankheit Aids nicht – auch nicht in Deutschland. Bereits am Freitag – einen Tag vor dem offiziellen Welt-Aids-Tag am 1. Dezember – gingen Mitglieder der Braunschweiger Aids-Hilfe, Freunde und Unterstützer aus allen gesellschaftlichen Bereichen mit der Sammelbüchse durch die Innenstadt, um für Spenden und Aufmerksamkeit zu werben.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar H. Wieler, sprach anlässlich des Welt-Aids-Tages von geschätzt 11 400 Menschen mit HIV, die überhaupt nicht wissen, dass sie infiziert sind. Genau dort liegt eine verborgene Gefahr, aber auch ein Hoffnungsschimmer. „Wir werben dafür, dass die Leute sich frühzeitig testen lassen“, betonte Kai Zayko am Informationsstand auf dem Kohlmarkt. Viele seien sich des Risikos offenbar gar nicht bewusst. So lasse sich erklären, warum in der Gruppe der Heterosexuellen ein Anstieg der Infektionszahlen zu verzeichnen ist, während die Zahl in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben, sinke.

Seitdem das Bundesgesundheitsministerium den Verkauf von HIV-Selbsttests freigegeben hat, könne dies jeder ganz diskret bei sich zu Hause machen. Je früher Menschen von einer Infektion erfahren, desto früher könne mit einer Therapie begonnen werden. Mittlerweile gebe es Medikamente, die in der Lage sind, die Virenlast so abzusenken, dass keine Übertragungen mehr beobachtet werden konnte. Ein wichtiger Erfolg, um andere vor Ansteckung zu schützen. Anders als in den 1980er Jahren muss heute niemand mehr an Aids sterben, jedenfalls nicht in Deutschland.

Dazu passt das Motto dieses Welt-Aids-Tages: „Streich die Vorurteile – Mit HIV kann man heute leben – mit Diskriminierung nicht.“ Wenn die Zahl der Neuinfektionen zurückgeht, dann auch deshalb, weil Menschen über das Thema Aids sprechen, meint Kai Zayko von der Braunschweiger Aids-Hilfe. In Ost-Europa, wo Menschen mit Ausgrenzung und Diskriminierung rechnen müssen, zeichnet sich genau das gegenteilige Bild.

Bei der Aktion am Freitag bekam die Aids-Hilfe Unterstützung aus der Politik. Die beiden Bürgermeisterinnen Anke Kaphammel (CDU)und Annegret Ihbe (SPD) gingen beherzt auf Passanten in der Innenstadt zu. Ihr Fazit: Die Menschen nehmen Anteil und sie spenden auch, speziell diejenigen, die selbst vielleicht gar nicht so viel Geld haben.

INFO

Der Selbsttest – ein neues Angebot der AIDS-Hilfe: Um die Hemmschwelle zu senken, den HIV-Test zu machen, ist seit Oktober 2018 in Deutschland der Selbsttest offiziell zugelassen. Dieser ist in Apotheken und Drogerien frei verkäuflich. Die Anwendung ist einfach. Auch die Aids-Hilfe bietet den Selbsttest an. Dienstags von 15 bis 17 Uhr bietet die AIDS-Hilfe in der Eulenstraße 5 in Braunschweig dafür eine besondere Sprechstunde ohne Voranmeldung.

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