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Ein Buch, das berührt: Am Ende bleibt die Dankbarkeit

Dr. Mareile Seeber-Tegethoff hat mit Menschen gesprochen, die zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Gründen geflohen sind

Was für Geschichten: Cong Trang Dinh, Autorin Dr. Mareile Seeber-Tegethoff, Antonio Dionga, Mohamed Yahya Hashi und Rosel Schultz. Fotos: Ingeborg Obi-Preuß

Von Ingeborg Obi-Preuß, 24. Juni 2018 Braunschweig. „Ein Sprachrohr für die Geflüchteten“, kündigt Heike Blümel, Leiterin der DRK-Kaufbar, die Lesung in ihren Räumen an. Dr. Mareile Seeber-Tegethoff hat ihre „Autobiografischen Einblicke“ mitgebracht.

Mit dabei einige ihrer „Hauptdarsteller“: Rosel Schultz, die 1957 vor politischer Willkür aus der DDR floh, Cong Trang Dinh konnte sich 1979 den Repressalien in Vietnam entziehen, Antonio Dionga entkam 1998 der Folter in Angola und Mohamed Yahya Hashi floh ab 2013 vor der Zwangsrekrutierung durch die al-Shabaab-Miliz in Somalia.

Viele Schicksale angehört

„Ende 2015 kam mir die Idee zu diesem Buch“, erzählt die Autorin Seeber-Tegethoff. Schon seit mehreren Jahren schreibt die Braunschweiger Ethnologin Lebensgeschichten auf, da lag es für sie nah, Geschichten über Flucht zu schreiben. Über den Kontakt zu Heike Blümel und der Kaufbar nahm das Projekt Formen an. „Ich habe mir viele Schicksale angehört, am Ende habe ich mich für acht ganz verschiedene Geschichten entschieden“, erklärt die Autorin.

Erzählungen von Menschen, die zu unterschiedlichen Zeiten, aus unterschiedlichen Gründen und unterschiedlichen Ländern geflohen sind. „Aber es gibt Dinge, die sind für alle gleich“, hat Seeber-Tegethoff erfahren. „Das sind die Kraft und die Haltung, die sich alle diese Menschen durch die extrem schweren Zeiten bewahrt haben“, erklärt die Autorin, „das hat mich tief beeindruckt und berührt.“

Heike Blümel, Motor und Herz der DRK-Kaufbar.

Im Anschluss an die Lesung erzählen die Geflüchteten ein wenig von ihren Erlebnissen. Und alle sprechen von „einer großen Dankbarkeit, hier sein zu dürfen.“ Von der Mühe und dem Willen, sich zu integrieren. „Ich habe Arbeit, die deutsche Staatsangehörigkeit, ich danke Gott“, sagt beispielsweise der gebürtige Angolaner Antonio Dionga. Dabei war er jahrelang von Abschiebung bedroht, am Ende bleibt Dankbarkeit.

„Ich war überfordert“

Auch Mohamed Yahya Hashi erzählt davon, dass er sich irgendwann an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen musste. Er war 19, als er mit seinen jüngeren Brüdern in Braunschweig ankam. „Ich war überfordert mit der Verantwortung, ich wusste nicht einmal, was Pubertät ist“, erzählt er von der Sorge um die Geschwister. Es ging ihm schlecht, er war in einer Klinik. „Und dann habe ich mir gesagt: Du lernst jetzt die Sprache und stehst auf deinen eigenen Füßen.“ Und das hat er getan. Und dankt den Menschen, die ihm dabei geholfen haben.

„Ihr müsst mehr tanzen“, riefen Antonio Dionga und seine Frau den Gästen zu.

Gesponsert wurde das Buch von der Stiftung Integrationskultur. Gründer Philipp Kratschmer ist Gast in der Kaufbar, erzählt vom Tod seiner Frau und dem Wunsch, danach mit dem „kleinen Erbe“ etwas Sinnvolles zu tun. Mit der Unterstützung dieses Buches ist das gelungen, unbedingt empfehlenswert, es öffnet die Augen und Herzen. Das Buch gibt es in der Kaufbar, Helmstedter Straße 135.

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