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Ein Café fürs Museum: Staub und Lärm sind gute Zeichen

Fassade des Neubaus muss komplett saniert werden – Gerichtsstreit noch nicht entschieden – Land wird trotzdem tätig

Thomas Popp und Oliver Bäthmann erläutern, wo die Probleme liegen – auch in der Loggia muss abgedichtet werden. Foto: Marion Korth

Innenstadt. Hinter der Wand frisst sich ein Trennschleifer hörbar voran. Thomas Popp, Amtsleiter des Staatlichen Baumanagements in Braunschweig, freut sich über Lärm und Staub. „Es geht voran“, sagt er. Am Mittwoch informierten er und der neue Direktor des Museums, Dr. Thomas Richter, über den Stand der Dinge.

Die gute Nachricht: Noch im Herbst diesen Jahres soll das Museumscafé, das eigentlich ein Restaurant mit 60 Plätzen im Innenbereich ist, eröffnet werden. Das Land Niedersachsen hat weitere 700 000 Euro lockergemacht, um eine erweiterte Lüftungsanlage, Raumakustik, eine komplette Küchenausstattung sowie eine ansprechende Inneneinrichtung zu finanzieren. Die Anfangsplanung für ein Bistro war zu klein gedacht. Dabei existierte auch dieses Bistro nur theoretisch. Gravierende Baumängel an der Fassade des neuen Erweiterungsbaus hatten einen Strich durch sämtliche Planungen gemacht.

Hier soll die Caféteria, die mehr ein Restaurant ist, entstehen.  Der Blick in den Museumspark ist wunderschön, nach Osten schließt sich die offene Loggia an. Foto: Marion Korth

Noch in diesem Monat soll damit begonnen werden, die neue Fassade rundherum abzureißen und Stahlprofile sowie Verglasungen zu ersetzen und die Übergänge zwischen Fassade und Deckenbereichen neu und vor allem wasserdicht zu machen. „Die Mängel wurden schon bei der Übergabe des Gebäudes festgestellt“, erläuterte Oliver Bäthmann, Projektleiter beim Staatlichen Baumanagement Braunschweig, am Mittwoch. Das war im Jahr 2009. Nach Regen drang Feuchtigkeit in die sensiblen Bereiche, wo eigentlich die Kunstwerke aufbewahrt werden sollten. Nach provisorischen Sicherungsmaßnahmen hatten diese 2011 ins neue Depot umziehen können.

Seither zieht sich die Beweisaufnahme mit Gutachten und Gegengutachten. Es geht um eine Schadenssumme von rund 2,6 Millionen Euro. Das Staatliche Baumanagement geht gegen zwei beteiligte Baufirmen sowie die Planer vor, die auch für die Bauüberwachung zuständig gewesen sein sollen. „Wir sind uns sicher, dass wir die Schäden vor Gericht geltend machen können“, sagte Popp. Allerdings habe die Dachfirma Insolvenz angemeldet.

Das heutige Herzog-Anton-Ulrich-Museum ist 1887 eröffnet worden und stieß in allen Bereichen – Technik, Platzkapazitäten, Innenausstattung – an seine Grenzen. 33,6 Millionen Euro kosteten Sanierung und Erweiterung. Doch das neue Gebäude hatte von Anfang an seine Macken. Es war nicht daran zu denken, ein Café einzurichten, erst recht nicht, nachdem klar war, dass die gesamte Fassade abgerissen und erneuert werden muss. 

Nachdem das Land nun die komplette Küchentechnik und Einrichtung finanziert, sieht Museumsdirektor Dr. Thomas Richter alles auf einem guten Weg: „Es geht um die Aufenthaltsqualität im Museum.“ Über das neue Restaurant und seinen zweiten Eingang zum Museumspark hin öffne sich das Museum neuen Besucherschichten. „Ein echter Mehrwert“, sagt Richter.

Ein Mehrwert auch für einen künftigen Pächter. „Es gibt viele Interessenten, aber es ist noch nichts unterschrieben.“ Burkhard Nolte, betriebswirtschaftlicher Leiter der Landesmuseen in Braunschweig, will einen Ortstermin anbieten, um zu zeigen, wie schön die Räume sind. Er geht davon aus, dass noch im Sommer über einen Pächter entschieden wird und dann endlich auch Pachteinnahmen fließen werden.
Aufatmen dürften dann auch die Mitarbeiter an der Information, die sich oft genug die Kritik der Besucher hatten anhören müssen. Der Kühlschrank mit Getränken im Shopbereich und ein Wasserspender sind gut gedachte Notlösungen, mehr aber auch nicht.

Die Einträge im Besucherbuch sprechen Bände: „Großartige Sammlung, schön und klug präsentiert, der Bau mit enormem Einsatz schön gestaltet – alles gut – bis auf die Tatsache, dass ein Café fehlt – mir total unverständlich, wie sich so etwas ein Museum (noch dazu diesen Ranges) heute noch erlauben kann. Schade.“ Oder: „Eine Caféteria wäre schön!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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