25. Februar 2022
Buntes

Ein entspanntes Zeltcamp-Projekt

Auszeit vom Alltag: Redakteur Torben Dietrich ist sechs Monate unterwegs

Julien ist der Gründer vom Zeltcamp "Otentic". Foto: Torben Dietrich

Der 25. Juli 2020 war kein guter Tag für Mauritius. Wellen und Wind zerrten tagelang an dem japanischen Frachter „Wakashio“, der vor dem Korallenriff der Ostküste auf Grund gelaufen war.

Schließlich zerbrach das Schiff und rund 1000 Tonnen Treibstoff fanden ihren Weg in die Lagune. Die Regierung in Port Louis bezeichnete es als das größte ökologische Desaster, das die Insel im Indischen Ozean je erleben musste. Dieses Unglück hinterließ Spuren. Nicht nur in der einzigartigen Unterwasserwelt des Korallenriffs, sondern auch in Form eines noch stärkeren Bewusstseins für die Natur. Für die Rettung der Korallen vor dem Küstenort Blue Bay wurde viel Geld investiert. Und nicht selten sieht man heute Menschen in blauen Westen am Strand, die Treibgut und Müll sammeln und entsorgen. Der Tourismus als wichtigster Wirtschaftszweig der Insel hat sich ebenfalls gewandelt. Während in den 80er Jahren bis Mitte der Neunziger vor allem klassische Hotels gebaut wurden, die möglichst viele Touristen fassten, regulierte die Regierung erst die Bebauungspläne an den Stränden und dann auch die Höhe der Gebäude.

„Hotels dürfen bei uns nicht über eine Palme hinausragen“, erklärt Julien. Der 48-jährige Mauritianer ist der Gründer von „Otentic“, einem Zeltcamp an der Mündung des Grand Rivière South-East in den Ozean. Das einzige, das hier aus dem Boden ragt, sind die Stelzen, auf denen die bequemen und großzügigen Zelte stehen. „Vor sieben Jahren stand hier nur Zuckerrohr“, sagt Julien. Mit einem Team aus tatkräftigen Helfern, die seine Vision teilten, baute er unten am Fluss zunächst eine Blockhütte, eine Küche und eine Bar, dazu fünf oder sechs Zelte. Und legte einen Garten an. Denn möglichst viele Lebensmittel für die Gäste sollen aus eigenem Anbau stammen, betont Julien. Die Gerichte, ausschließlich mauritianische Küche, werden von Christelle, Shelu und ihrer Küchen-Crew jeden Tag über dem Feuer frisch zubereitet. Anschließend schmeckt ein Drink an der Selbstbedienungsbar mit vielen, selbst aufbereiteten Rumsorten, Ananassaft oder Zitronenlimonade aus eigener Herstellung oder eben ein kühles Bier. Das Verzehrte oder Getrunkene tragen wir, wie alle anderen Gäste, in ein offenes Notizbüchlein ein. Alles läuft hier auf Vertrauensbasis. Vor allem dieses Entspannte, Unkomplizierte und Echte ist es, das Besucher wie uns anzieht. Dieses alternative und unverkrampfte Projekt hat es uns angetan, leicht kommen wir an der Bar, am Feuer oder in einer der vielen gemütlichen Sitzecken mit anderen Reisenden ins Gespräch. Auch das Naturerlebnis direkt vor der Zelttür verändert die Perspektive: der Fluss, Affen, Vögel, Riesenfledermäuse…

Weitaus seltenere Spezies begegnen uns aber woanders. Unweit vom Ort des Tankerunglücks, auf der Ile aux Aigrettes, läuft uns eine Riesenschildkröte über den Weg. Ein Glücksgefühl! Das Leben auf dieser Insel mit einigen endemischen Arten wurde von den Auswirkungen verschont und wird von der Mauritian Wildlife Foundation und anderen NGOs geschützt.

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