19. April 2021
Wirtschaft

Ein gläsernes Universum ohne Ende

125 Jahre Schwarze Glastechnik: Ines und Michael Schwarze haben den Traditionsbetrieb neu ausgerichtet

Ines und Michael Schwarze haben ihr Unternehmen modern und innovativ ausgerichtet. Es gibt kaum einen Wunsch aus Glas, der hier nicht erfüllt werden kann. Fotos : Glastechnik Schwarze

Braunschweig. Ines und Michael Schwarze sind ein kreatives Dreamteam. Mit der gelernten Malerin Ines hat Michael Schwarze eine Handwerkerin aus Leidenschaft an seiner Seite. Die beiden führen das Traditionsunternehmen in die Zukunft.


Gründer Robert Schwarze war 1870 in Stolpe in Pommern geboren, in Minden fand er eine Stelle als Glaserlehrling. Zur Meisterprüfung musste er nach Braunschweig. Und hier absolvierte er nicht nur seine Prüfung mit Bravour, er traf auch auf Mathilde Beese. Sein Grund, zu bleiben.

Der Firmengründer Robert Schwarze.

Am 1. April 1896 gründete Robert Schwarze die Glaserei am Südklint 21/22. Es folgten anstrengende, aber glückliche Jahre, Ein Jahr nach der Hochzeit kam 1898 Sohn Walter auf die Welt und ging nach der Schulzeit 1912 bis 1915 im väterlichen Betrieb in die Ausbildung. Der Erste Weltkrieg erschütterte die Familie, Vater und Sohn mussten an die Front. „Von 1916 bis 1918 stand meine Urgroßmutter Mathilde im wahrsten Sinne des Wortes ihren Mann, sie führte die Glaserei weiter“, weiß Michael Schwarze aus Erzählungen. Vater und Sohn kehrten unversehrt aus dem Krieg zurück.

Der Anfang der Glaserei Schwarze in einer Baracke am Bäckerklint. Heute hat der Betrieb in Broitzem seinen Firmensitz.

Zeit für neue Pläne. 1923 eröffneten sie das Zweiggeschäft in der Rosenstraße. 1933 ein weiterer Schicksalsschlag, Mathilde Schwarze stirbt mit nur 54 Jahren. Zwei Jahre später übernimmt Walter Schwarze die Verantwortung, unterstützt von seiner Frau Brunhilde Sonnenberg. Sohn Klaus erblickt 1939 die Welt. Zum Glück muss der Vater nicht in den Zweiten Weltkrieg ziehen, denn er ist für den Katastrophenschutz in Braunschweig zuständig.

Die Tradition wird weiter geschrieben, auch Walter Schwarze wird zum Obermeister und Landesinnungsmeister gewählt. Sohn Klaus folgt auf dem Erfolgsweg mit der Meisterprüfung und später auch als Obermeister der Glaserinnung.

1967 kommt mit Michael die vierte Generation Glasermeister in der Familie Schwarze zur Welt. Im gleichen Jahr wird die moderne Lager- und Werkhalle in Broitzem fertiggestellt, in der heute der Firmensitz ist. „Die Ausbildung für mich zum Glaser lag mir in der Wiege“, sagt Michael Schwarze, der – wie Urgroßvater, Opa und Vater – sich in zahlreichen Ehrenämtern engagiert. Unter vielem anderen ist er seit 2011 Obermeister der Glaserinnung Niedersachsen – Bezirk Braunschweig.

Gemeinsam mit Ehefrau Ines begann er ab 2002 die Neuausrichtung des Unternehmens. „Mein Glashorizont hat fast kein Ende“, schwärmt Michael Schwarze von Glas in mehr als 6000 verschiedenen Farben, von satiniertem Glas, von Spiegelglas, von Glas mit einem individuellen Digitaldruck. Neben den kunstvollen Objekten ist und bleibt die Glaserei Schwarze ein Handwerksbetrieb.

Handwerk pur: Eine 480-KiloGlasscheibe wird an der Buchhandlung Graff durch die Firma Schwarze erneuert.

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