Ein kleiner Bon, der viel bewirkt | Neue Braunschweiger
8. Februar 2019
Menschen

Ein kleiner Bon, der viel bewirkt

Einen Kaffee bezahlen, einen spendieren – Das Projekt „Der Löwenzahn“ hilft Obdachlosen

Thomas Spork ist Mit-Initiator des Projekts „Der Löwenzahn“, das von dem Verein „Weihnachten für alle“ ins Leben gerufen wurde. Der wurde schon mehrfach ausgezeichnet. Foto: Wiefel

Innenstadt. Mittagszeit. Vor Thomas Spork stehen ein Bagel und eine Bio-Brause. „Fragen Sie ruhig“, lässt er sich in seiner Pause nicht beirren und beißt herzhaft in den Snack. Spork ist Vorsitzender des Charity-Vereins „Weihnachten für alle“ und gerade in neuer Mission unterwegs. Auch jetzt in diesem Moment.

Bevor der Vertriebler Teller, Glas und Flasche an einen freien Tisch balancierte, hat er einen Bagel mehr gekauft. Nicht für sich, sondern

für jemanden, der sich normalerweise nichts in dem trendigen Bistro leisten könnte. „Die Idee ist einfach“, erklärt Spork: „Die Kunden in den teilnehmenden Geschäften bezahlen für eine Sache mehr – zum Beispiel einen Kaffee oder einen Haarschnitt – je nachdem, was angeboten wird.“ Der Bon dafür wandert in eine Plexiglas-Box.
„Bedürftige können dann aus den Spenden, diejenige aussuchen, die sie gerne möchten“, so Spork.

Das noch relativ junge Projekt nach Art des „suspended coffee – des gespendeten Kaffees“ trägt den Titel „Der Löwenzahn“ und ging im Sommer 2018 an den Start. Mittlerweile nehmen 14 Geschäfte in Braunschweig daran teil – von Cafés über eine Seifenmanufaktur bis zu einem Friseur. Dazu ein Café in Wolfenbüttel und ein Teegeschäft in Wolfsburg.
„Wir wollten einfach etwas machen, das über die Adventszeit hinausgeht“, erklärt Spork, der 2016 mit weiteren Braunschweiger Agenturen den Verein „Weihnachten für alle“ gründete. Wie schon bei der Ur-Idee bekommen auch bei „Der Löwenzahn“ Bedürftige und Obdachlose die Möglichkeit, am Gemeinschaftsleben teilnehmen.

In der Löwenzahn-Box können Kunden die Rechnung für das zusätzlich gekaufte Produkt werfen.

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Ein schöner Gedanke, im Prinzip. Doch in der Realität gar nicht so leicht umzusetzen. „Die Geschäfte sind offen dafür, die Kunden spendenfreudig, aber wir mussten lernen: Kaum jemand möchte sich an der Box gerne als Bedürftiger outen“, gibt Spork, der neben seinem ehrenamtlichen Engagement für eine IT-Firma im Artmax arbeitet, zu.
Und: Auch die so Beschenkten haben ihren Stolz. „Im vergangenen Sommer luden Angestellten dieses Bistros eine Obdachlose ein, hereinzukommen und einen Kaffee zu trinken. Diese nahm nach längerem Hin und Her an – und goss anschließend die Blumen vor der Türe. Als Dank und Gegenleistung“, erzählt Spork.

Inzwischen bastelt sein Verein an einer neuen Idee: Statt Naturalien will er eine Art Währung schaffen. Die gespendeten „Löwen-Taler“ – so der Arbeitstitel – sollen dann an den Tagestreff-Iglu gehen, der sie wiederum an Obdachlose weitergibt. „Der Plan ist noch nicht ausgereift, doch wer uns dabei unterstützen möchte, ist herzlich willkommen.“

Alle Infos unter www.derloewenzahn.com.

 

 

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