Ein Märchen in seiner ganzen Pracht

Jörg Wesemüllers „Die feuerrote Blume“ als Weihnachtsmärchen im Großen Haus

Eine traumhafte Bühne, schöne Kostüme, ein großartiges Ensemble. Foto: Bettina Stöss

Innenstadt. „Du siehst aus wie eine gerupfte Krähe“, faucht Kappa ihre Schwester Fissa genervt an. Die beiden rangeln um Glitzertops, strassbesetzte Schuhe und jede Menge Schmuck.

Der arme Vater (Götz von Ooyen gibt ihn stoisch und mit unerschütterlicher Liebe zu seinen Töchtern) versucht sanft mahnend, das Schlimmste zu verhindern. Der reiche Kaufmann will nach dem Tod der Mutter, die Töchter mit kostbaren Kleidern und Geschmeide trösten, aber die kriegen einfach nicht genug. Zum Glück hat er noch Aljonouschka, die Jüngste, die Gute, die Kluge (sanftmütig und stark Naima Laube)

Sie will denn auch von der nächsten Reise des Vaters weder Gold noch Geld, sondern die feuerrote Blume, die sie vor langer Zeit einmal in den Händen hielt und nicht mehr vergessen kann.

Der gute Alte erfüllt seinen gierigen kleinen Teenies alle Wünsche, inklusiv der Blume für die Jüngste. Nur ­– die schöne Blüte gehört in ein Zauberreich und löst einen Fluch aus. Dröhnend und laut. Um das Leben des Vaters zu retten, macht sich Aljonouschka auf den Weg zum unsichtbaren Schlossherren, um ihm ihr Leben im Tausch zu schenken.

Bühne und Kostüme (Jasna Bosnjak) sind eine wahre Pracht. Alles, was in einem Märchen erwartet werden kann, ist da. Allein der Zauberwald ist eine Meisterleistung: geisterhafte Nebelschwaden umwabern Bäume, die von oben nach unten wachsen, ein dicker Uhu mit den Augen in den Händen schwebt vom Himmel herunter, ein lustiger Schrat und eine schöne Hexe locken mit Glucks- und Klicklauten die Menschen auf den falschen Weg.

Aber es wäre ja kein Märchen, wenn das Gute nicht siegen würden. Das Biest – in diesem Fall ein moosbewachsener Zottel (zum Knuddeln: Roman Konieczny) – ist weit entfernt von einem Ungeheuer. Und hinter der grünen Fassade steckt am Ende der junge schöne Prinz. Logisch. Streichmusiker und gesungenen Passagen führen durch das Stück. Für die Ohren der kleinen Besucher mag das ungewohnt sein. Aber – und das ist wirklich bemerkenswert – die Inszenierung ist so spannend und packend, dass es die ganze Zeit über mucksmäuschenstill ist. Wie angewurzelt sitzen die jungen Gäste und starren zum Teil mit offenem Mund und großen Augen auf die Bühne. Märchenhaft.

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